"Enttäuschende Rückrunde" Claus Schromm nicht mehr Trainer der SpVgg Unterhaching

, aktualisiert am 29.07.2020 - 19:29 Uhr
Hachings Präsident Manni Schwabl (l) und der alte Trainer und neue sportliche Leiter Claus Schromm bei der PK am Mittwoch. Foto: AZ

Claus Schromm tritt bei der SpVgg Unterhaching als Trainer zurück, bleibt aber in anderer Funktion im Verein. 

 

Unterhaching – Wenn ein Trainer geht, gibt es zumeist nur zwei Extreme. Als Sechzigs Vereinsikone Daniel Bierofka im November vergangenen Jahres entnervt hinwarf, schien die Löwen-Welt unterzugehen. Krasser Gegensatz: Sebastian Hoeneß' Abgang beim FC Bayern nach dem Meistertitel der Amateure, eine Erfolgsgeschichte und sein persönlicher Aufstieg zu Bundesligist TSG Hoffenheim.

Und bei der Spielvereinigung Unterhaching? Dort ist alles anders. Mittwochvormittag, Hachinger Wirtshaus: Trainer Claus Schromm und Präsident Manni Schwabl nehmen draußen im Biergarten Platz. Der Drittligist hat zu einer Pressekonferenz geladen, wie sie außergewöhnlicher kaum sein könnte.

"Es ist heute eine besondere Veranstaltung, weil es etwas zu vermelden gibt", erklärt Schwabl einleitend, bevor er ohne Umschweife zur Sache kommt: Sein Spezl und langjähriger Weggefährte Schromm hört als Trainer auf. "Claus und ich sind zur Erkenntnis gekommen, dass der Claus ab sofort nicht mehr unser Cheftrainer ist", sagt der 54-Jährige.

Unterhaching: Trainer Schromm geht - und bleibt doch

Ein Schritt, der sich angedeutet hatte, als Schwabl nach dem neuerlichen Rückrunden-Fluch und dem Absturz des zwischenzeitlichen Tabellenführers auf Platz elf eine schonungslose Analyse angekündigt hatte. So weit, so gut – oder in Schwabls Augen auch schlecht, denn der Haching-Boss sieht den "zu hundert Prozent gemeinsam gefassten Entschluss" mit einem "weinenden Auge".

Weil Schromm im familiären Umfeld der Vorstädter mehr ist als ein Übungsleiter. Womit wir bei Schwabls zweitem, "lachenden Auge" wären, denn Schromm bleibt ein Hachinger – und in einer verantwortungsvollen Position: "Claus wird die gesamtsportliche Leitung übernehmen."

Ein Abschied des Mannes, der erst Anfang April verlängerte und noch einen Dreijahresvertrag besitzt, sei gar nicht erst infrage gekommen. Während woanders andere Gesetze gelten, heißt es in Haching: Aus Cheftrainer Claus mach' Sportchef Schromm!

Schromm, der künftig laut Schwabl formal als Sportlicher Leiter ab der U10 bis hoch zu den Profis fungieren wird, sagt selbst über die ungewöhnliche Umbesetzung: "Zuerst muss man vor der eigenen Tür kehren, das habe ich gemacht. Wir hatten nach dem letzten Saisonspiel in Duisburg sehr intensive Gespräche, danach habe ich mich mit meiner Frau in den Urlaub verabschiedet. Erst danach ist die Entscheidung gefallen."

Wer wird neuer Trainer der SpVgg Unterhaching?

Eine Maßnahme, die durchaus Sinn macht, schließlich kennt Schromm die Spielvereinigung als langjähriger Chefcoach (zum zweiten Mal seit März 2015) und Jugendtrainer nur zu gut und hat auch seine neue Position 2013/2014 bereits einmal bekleidet.

Kurios: Der erste Job des 51-Jährigen wird nun sein, den eigenen Nachfolger zu suchen. Dabei sei Haching laut Schromm "mit einer Handvoll Kandidaten" in Gesprächen, eine Entscheidung soll in den nächsten ein bis drei Wochen fallen. Das Anforderungsprofil? "Er braucht eine Fußballlehrer-Lizenz und sollte nach Haching passen, regional sein und wissen, wie der Verein tickt."

Haching, das steht bekanntlich für Wohlfühloase, nachhaltige Arbeit, Jugendförderung. Einer komme dabei nicht infrage. "Werner Lorant wird's nicht", scherzt Schwabl über seinen alten Kult-Trainer bei 1860.

Schwabl hatte "schon so ein Bauchgefühl"

Vor Corona hatte Haching den Aufstieg im Blick. Danach folgte ein Absturz, der vielleicht beispiellos wäre, hätte man in den Vorjahren nicht ähnliche Niedergänge erlebt. Schwabl könnte das Desaster dem Trainer in die Schuhe schieben. Doch er stuft es als "gemeinsamen Misserfolg" ein und gesteht eigene Fehler.

Schwabl: "Nach dem Derby-Hinspiel gegen 1860 hatte ich schon so ein Bauchgefühl. Als uns der Sascha Mölders in der letzten Minute das 2:3 eingeschenkt hat, sind mir tausend Dinge durch den Kopf gegangen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass alle Spieler gebrannt haben." Damals hätte man "ein, zwei Spieler rasieren müssen".

Auch sei man vom eigenen Weg abgewichen, als man in der Winterpause die Zweitliga-Kicker Alexander Fuchs (1. FC Nürnberg) und Felix Müller (SV Sandhausen) verpflichtet und "um den Aufstieg gezockt" habe. Jetzt soll ein neuer, vielleicht auch mehrjähriger Anlauf folgen – mit dem "unschlagbaren Gespann" aus Ober-Boss Schwabl und Sportchef Schromm sowie einem neuen, hungrigen Mann an der Seitenlinie.

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