Entscheidung in München Udes Olympia-Niederlage: "Das ist bitter!"

Auf der Verliererseite: DOSB-Generaldirektor Michael Vesper (links), OB Christian Ude und Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Skiverbands. Foto: Petra Schramek

Die Olympia-Befürworter suchen nach Gründen für das Debakel: „Das war’s für die nächsten 50 Jahre“.

 

München - Ude drückte sich im abgeschirmten Vip-Raum am Computer fast die Nase platt. Bis zum Schluss klammerte sich der Münchner OB während der Auszählung im KVR an die dünne Hoffnung, „dass wenigstens die Bewerberstadt München für die Spiele stimmt“. Sein letztes inständiges Flehen ging an die Briefwähler – die in München in der Mehrheit für die Spiele gestimmt haben. „Das ist bitter!“ musste Ude um 19.27 Uhr feststellen, als die vierfache Niederlage nicht mehr aufzuhalten war: „Damit ist die Bewerbung gescheitert. Nicht nur für 2022, sondern dauerhaft.“

Alle vier kommunalen Parlamente hatten für die Bewerbung gestimmt: Aber Mehrheiten in der Politik sind nicht automatisch auch Mehrheiten in der Bevölkerung.

Nach der verlorenen Landtagswahl im September ist das die nächste Niederlage in der auslaufenden Amtszeit des Glanz- und Gloria-OB. Damit hat Christian Ude in München auch den dritten Bürgerentscheid in Folge verloren: Gegen Hochhäuser (2004), gegen eine dritte Startbahn (2012) – und jetzt gegen die Olympischen Winterspiele 2022. Nachdem die Mehrheit der Bürger in allen vier Kommunen dagegen ist, kann man ihm dafür nicht die alleinige Schuld geben. Kritiker hatten bemängelt, er habe nicht genug gekämpft.

CSU-Sport-Stadtrat Mario Schmidbauer sieht das nüchtern: „Wir hätten viel früher mit der Kampagne beginnen müssen. Sechs Wochen waren zu wenig. Schade!“ Doch Schmidbauers frühe Pro-Olympia-Aktion hatte Ude vehement mit verhindert.

„Aus die Maus. Das war es jetzt für die nächsten 50 Jahre“, meinte ein konsternierter Münchner SPD-Chef Uli Pfaffmann: „Ich glaube, dass der Zustand des IOC und seine Forderungen die wahren Gründe sind.“ Auch Ude sagt: Damit werde es auf Jahrzehnte keine Bewerbung mehr um Olympische Spiele in Bayern geben.

Mit präsidialer Unterstützung trat Ude im KVR vor die Mikrofone und räumte die „klare Niederlage“ ein: Mit dem Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Michael Vesper, und mit dem Präsidenten des Deutschen Skiverbands, Alfons Hörmann. Alle drei: blass.

Am meisten überraschte es Ude, dass sogar der Landkreis Traunstein dagegen gestimmt habe. Dabei habe der unbedingt mitspielen wollen. Ein zweiter Seitenhieb traf die Region: Damit werde „auf die Chance verzichtet“, die Region sportlich, wirtschaftlich und touristisch zu entwickeln. Für Ude ist nicht dass Konzept gescheitert: Das sei gegenüber der Bewerbung um die Winterspiele 2018 verbessert worden: „Es ist die eher zunehmend kritische Einstellung gegenüber sportlichen Großereignissen.“ Da gebe es auch unrühmliche Vorbilder: Wie die Winterspiele in Kürze im russischen Sotschi oder die Fußball-WM 2022 in Katar.

DOSB-Generaldirektor Michael Vesper meinte: „Es wurde die Chance verpasst, eine klimafaire Bewerbung hinzubekommen.“ Doch andere Kriterien als der Sport hätten die Entscheidung in der Region beeinflusst.

Die Niederlage stand ungewöhnlich früh fest. Gleich die ersten Ergebnisse aus den vier Kommunen hielten sich bis zum Ende: Sofort gingen die Gegner in Führung. Nie hatten während der gesamten Auszählung die Befürworter auch nur ein einziges Mal vorne gelegen. So war auch die Stimmung unter den Befürwortern. schnell bedrückt, die sich wie die Gegner gestern Abend im KVR versammelt hatten. Auf Großmonitoren wurden die Ergebnisse aus allen Kommunen angezeigt.

Da wurde gleich nach den Ursachen gefragt. „Das ist auch ein Zeichen für die Überalterung der Gesellschaft“, befand der FDP-Fraktionschef Michael Mattar: „Die Jungen sind da viel mutiger.“ Manche argwöhnten, dass die Gegner in der Region sich nicht für nachhaltige und ökologische Spiele an anderen Orten einsetzen würden. „Die Gegner werden sehen, was sie jetzt alles nicht mehr bekommen werden“, so der SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post: wie die Tunnel oder die Autobahnverlängerung bei Garmisch. „Es ist schade, dass wir jetzt nicht das Bundeswehrgelände an der Dachauer Straße für die 1310 Wohnungen bekommen“, bedauerte die Bundestagsabgeordnete Claudia Tausend (SPD): „Wir bekommen jetzt auch keine Co-Finanzierungen des Bundes für die Modernisierungen im Olympiapark.“ Einer machte das Ergebnis Sorge: „Ich hab’ Angst, dass wir jetzt in München keine Bauprojekte mehr durchbekommen“, so die Mietervereinsvorsitzende Beatrix Zurek.

Uli Pfaffmann nahm es pragmatisch: „München wird nicht untergehen.“

 

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