Vorfall in Englschalking Mann (33) will Winterreifen abholen und findet Leiche

, aktualisiert am 14.11.2016 - 21:10 Uhr
Der Mann fand die Leiche vor dem Wohnwagen. Eine genaue Identifizierung steht noch aus. Foto: Daniel von Loeper

In einer Halle in Englschalking will ein 33-jähriger Münchner seine Winterreifen abholen. Da er an seinem Lagerplatz nur drei anstatt der vier Reifen findet, sieht er sich um – und entdeckt eine teilskelettierte Leiche.

 

Englschalking - Eine Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" vom 6. Oktober liegt vor dem alten Wohnwagen. Auch das "Handelsblatt" hat Richard (83) offenbar regelmäßig gelesen. Und er hatte einen Faible für den Bestseller-Autor John Grisham. Sein Roman "Die Jury", liegt zwischen jeder Menge Müll und Unrat. Richard hat als Einsiedler auf dem verwilderten Grundstück an der Brodersenstraße in Englschalking gelebt. Überall wuchert Unkraut, ein windschiefer, hölzerner Verschlag – darunter steht ein uralter, heruntergekommener Wohnwagen. Der Tabbert ist bis zuletzt Richards Zuhause.

Geboren ist Richard in Stanislawów – früher Polen, heute gehört die Stadt zur Ukraine und heißt Iwano-Frankiwsk. Seine letzten Jahre hat Richard zurückgezogen in seinem Wohnwagen gelebt. Sein einziger Begleiter ist ein Hund. Doch der ist längst verschwunden. Nur mehr ein paar Dosen Hundefutter stehen herum.

Niemandem fällt der Tod des Mannes auf

Familie, Freunde hat der 83-Jährige wohl nicht. Denn als er stirbt, ist er ganz alleine. Etwa vier Wochen dürfte das jetzt zurückliegen. Genau weiß das keiner. Niemand hat den 83-Jährigen vermisst, niemand besuchte ihn, keinem ist das Verschwinden des alten Mannes aufgefallen.

Bis am vergangenen Sonntag ein Paar aus München zufällig über die Leiche des Eremiten stolpert. Ein 33-jähriger Münchner will seine Winterreifen abholen, die er den Sommer über in einer Halle auf dem Gelände gelagert hatte. Doch nur drei sind noch da, der vierte Reifen fehlt.

Der 33-Jährige macht sich auf die Suche. Dabei geht er zu dem Verschlag und dem verstaubten Wohnwagen. Unmittelbar davor liegt eine teilweise skelettierte Leiche. Tiere haben den Körper bereits angefressen, Arme, Beine, das Gesicht – ein schrecklicher Anblick.

Der Tote kann nur mithilfe einiger Briefe und Schriftstücke, die man im Wohnwagen findet, identifiziert werden. Die Leiche wird in die Gerichtsmedizin gebracht und untersucht. Laut Obduktionsergebnis ist der 83-Jährige eines natürlichen Todes gestorben. "Hinweise auf Fremdverschulden liegen nicht vor", sagt Polizeisprecher Wolfgang Behr.

Seine letzte Ruhestätte soll der Eremit auf einem Münchner Friedhof finden. Falls es nicht gelingt, einen lebenden Verwandten zu finden, wird sich die Stadt um die Beisetzungsformalitäten kümmern. Ein Pfarrer und einige Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung werden Richard die letzte Ehre erweisen – der Rest der Welt scheint den alten Mann längst vergessen zu haben.

 

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