Emotionale Erinnerungen Münchner Senioren sprechen über die Liebe ihre Lebens

Rosa und Karl Probst sind auch nach 66 Jahren Ehe noch glücklich miteinander. Foto: Michaela Auer

Münchner Senioren öffnen ihr Herz: Ab Dienstag widmet sich eine Ausstellung den berührenden Liebesgeschichten von Bewohner des Münchenstifts.

 

München - Ein jeder träumt von ihr. Manch einen trifft sie sogar zwei Mal. Und niemand wird sie je vergessen: die große Liebe. Im Gasteig wird ab heute eine Ausstellung gezeigt, in der Münchner ihre Liebesgeschichten erzählen. Etwa die Hälfte von ihnen sind Senioren, die in einem der drei "Häuser der Vielfalt" im städtischen Münchenstift in Giesing, Ramersdorf oder Bogenhausen leben. Einige sind bereits seit Jahrzehnten verheiratet und gemeinsam ins Heim gezogen.

Heitere, Berührende Fotos und Geschichten

Andere sind verwitwet und erinnern sich voller Wehmut, aber auch Dankbarkeit an den geliebten Menschen, der vor ihnen gegangen ist. Auch Pflegepersonal sowie schwule und lesbische Paare wurden von Michael Härteis, dem Kurator der Ausstellung, interviewt. Ursprünglich lautete der Auftrag, eine Ausstellung zur Prideweek mit homosexuellen Pärchen in den Münchenstift-Häusern zu zeigen. Härteis befragte außerdem die Bewohner und am Ende spielte die Orientierung keine Rolle mehr. "Die Liebe wurde das verbindende Element."

Die Münchner Fotografin Michaela Auer fotografierte die Protagonisten, während diese ihre Geschichten erzählten. Herausgekommen sind heitere, berührende Fotos und Geschichten, die von erfüllter Zweisamkeit, Sehnsüchten und intensiven Hobbys erzählen.

Ein Hoch auf die Liebe: Austellung in der Glashalle

Die Erzählungen der Senioren sind außerdem eine Reise in eine längst vergangene Zeit, als sich Paare noch beim Tanzen im Tannengarten oder Salvator kennenlernten und das Geld beim ersten Treffen oft nicht einmal für eine gemeinsame Maß reichte.

Die Ausstellung wird um 18 Uhr in der Glashalle eröffnet (1. Stock) und läuft bis 25. Februar (Eintritt frei). In der AZ gibt es schon mal eine Foto-Auswahl mit Statements (in Auszügen) vorab:

"Wir sind sehr froh, dass wir uns noch haben"


Rosa und Karl Probst sind auch nach 66 Jahren Ehe noch glücklich miteinander. Foto: Michaela Auer

Rosa und Karl Probst: "Wir haben uns bei Bekannten kennengelernt und sind früher fast jedes Wochenende in den Tannengarten zum Tanzen gegangen. Mein Mann ist mir zwar öfter auf die Füße gestiegen, aber ich habe mich trotzdem in ihn verliebt. Und so ist es entstanden."

"Wir haben 1952 geheiratet. Das ist schon eine lange Zeit. Wir sind sehr froh, dass wir uns noch haben und wir gemeinsam alt geworden sind. Bald haben wir die Steinerne Hochzeit. Das schaffen wir auch noch. Unser Rat, dass eine Beziehung so lange hält: Jeder muss ab und zu mal nachgeben. Aber ein bisschen Kampf sollte es auch geben. Es wäre schlimm, wenn wir alle die gleichen Interessen hätten. Und meistens haben die Frauen gesiegt. Aber bei uns hat es eigentlich keine großen Streitigkeiten gegeben."

Frau Lehner sang so schön

Herr Lehner: "Meine Frau ist vor 54 Jahren aus Griechenland nach Deutschland gekommen, und hier haben wir uns bei der Arbeit bei Rodenstock kennengelernt. Ich bin mit dem Lkw in den Hof gefahren und habe eine Frau wunderschön singen hören. Ich habe mich vom ersten Augenblick an in sie verliebt. Ich bin ihr in die Kantine gefolgt. Sie hatte ein hartgekochtes Ei dabei, das ich ihr vom Teller gestohlen habe. Ich wollte ja mit ihr anbandeln. Dann habe ich es ihr wiedergegeben, und das war unser erstes Treffen."

"Am Anfang war alles schwierig. Ich konnte kein Wort Griechisch und meine Frau kein Wort Deutsch. Ich habe dann Griechisch gelernt. Ich wollte ihr so vieles sagen. Und sie hat mich nur angeschaut. Wir sind viel spazieren gegangen. Zum Essen konnten wir nicht gehen, denn wir hatten ja kein Geld. Ich dachte mir am Anfang immer, dass sie mich verlässt, weil ich ja kein Geld hatte. Einmal sind wir zusammen nach Andechs gefahren. Ich wollte ihr die Kirche zeigen. Als wir rausgekommen sind, fragte mich meine Frau, ob wir noch eine Maß trinken. Ich hatte aber fast kein Geld und wollte es ihr ausreden. Daraufhin hat sie mich eingeladen, obwohl sie auch kein Geld hatte. Ich liebe sie durch und durch. Sie ist meine Frau."

"Ich war 11 und Heidi war 10"

Leonhard Valier (er lebt heute in einem Haus des Münchenstifts): "Ich bin im Heim mit Klosterschwestern aufgewachsen. Als ich 11 Jahre alt war, habe ich in der Kirche ministriert, und als ich mich einmal umdrehte, habe ich Heidi gesehen. Ich war 11 und Heidi war 10. Das war meine erste große Liebe. Wir haben uns zwei, drei Jahre getroffen und manchmal auch etwas geschmust. Dann bin ich nach Schweinfurt ins Lehrlingsheim gekommen und habe Heidi aus den Augen verloren. Wir haben uns nie mehr wiedergesehen. Meine zweite große Liebe war meine Ehefrau. Ich habe sie beim Tanzen im Salvator kennengelernt. Meine Frau ist leider zu früh gestorben. Wir haben zwei Kinder zusammen."

"Die große Liebe bleibt für immer"

Ernst Schüpfer: "Meine große Liebe war meine spätere Ehefrau. Ich habe sie am Gymnasium kennengelernt. Damals lebten wir noch in Rumänien. Meine Frau ist leider sehr früh an Krebs gestorben. Wir waren 20 Jahre verheiratet. Die Kinder waren damals noch klein. Ich war Maschinenbauingenieur, und nach dem Tod meiner Frau habe ich mit Anfang vierzig noch Medizin studiert, weil ich nicht wollte, dass es anderen so erging wie mir. Wenn sie mich fragen, was an meiner Frau besonders war, kann ich nur sagen: alles. Sie war einfach meine große Liebe. Die große Liebe bleibt für immer. Die große Liebe hat mich gefunden."

Im zweiten Anlauf kam das Glück

Anna Zeitler: "Ich habe 1938 das erste Mal geheiratet. Das war meine erste Liebe, die aber keine schöne war, mein Mann ist öfter fremdgegangen und hat mich geschlagen. Das war die mieseste Ehe, die man sich vorstellen kann. In dieser Ehe habe ich zwei Buben bekommen, welche mein großes Glück sind. Dann habe ich einen netten Mann kennengelernt. Daraus ist die große Liebe entstanden. Es war eigentlich gar nichts Überwältigendes. Wir haben einfach so gut zusammengepasst. Wenn ich ihn auf dem Friedhof besuche, sage ich mir, es war eine kurze Episode, aber es war doch eine lange Zeit. 43 Jahre. Es war die allerschönste Zeit."

Ab und an samstags eine Rose


 

Therese Bachmann: "Die große Liebe war mein Mann und dann mein Sohn. Ich habe meinen Mann beim Tanzen kennengelernt, 1959 im Augustiner. Damals war ich 26 Jahre alt und habe als Hausmädchen in München gearbeitet. Davor war ich Kindermädchen bei Lehrer Wissmeier und dann bei einem Arzt. Mein Mann war ein sehr liebenswürdiger Mensch, er hat es nur nicht so zeigen können. Er hat mich wirklich geliebt, aber da er selbst als Kind wenig Liebe erfahren hat, konnte er es nicht so zeigen. Erst als er in Rente ging, hat er mir samstags mal eine Rose gebracht. Als Zeichen seiner Liebe."

 

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