EM-Qualifikation am Sonntag DFB-Gegner: Das erwartet die deutsche Nationalelf in Estland

Vorgeführt: Deutschland um Timo Werner gewinnt das Hinspiel der Gruppe C in der EM-Qualifikation mit 8:0. Foto: GES/Augenklick

Auf dem Weg liegt Estland selten. Dabei hätte der nördlichste Staat des Baltikums viel zu bieten: Eine bewegte Geschichte – sowie Sportler und Künstler von Weltrang. Nur die Fußballer schwächeln.

 

München/Tallinn - Die deutsche Nationalmannschaft bestreitet am Sonntag (20.45 Uhr/RTL) in Tallinn gegen Estland ihr 959. Länderspiel – das erst fünfte Match gegen das Team aus dem nördlichsten der drei baltischen Staaten. Ein paar Fakten über das Land mit der Internet-Endung .ee:

Historie

Erwin Deyhle, Paul Janes, Lafons Moog, Johannes Jakobs, Hans Rohde, Ludwig Männer, Ernst Lehner, Reinhard Schaletzki, Erich Hänel, Jupp Gauchel und Willi Arlt: Wer könnte sie nicht auswendig aufsagen, die Aufstellung der DFB-Elf beim letzten und bislang einzigen Auswärtsspiel in Estland? Am 29. Juni 1939 trafen vor 9.000 Zuschauern im Kadrioru Staadion zu Tallinn Lehner (39.) von Blau-Weiß Berlin und Schaletzki (60.) vom SV Vorwärts Geliwitz zum 2:0-Sieg des von einem gewissen Sepp Herberger betreuten Teams. Auch auf estnischer Seite gab es einige sehr deutsch klingende Namen: Egon, Georg, Heinrich, Richard, Leonhard, Elmar, Ralf.

Zahlen

1,3 Millionen Menschen leben in Estland: weniger als in München. Und das auf 45.000 Quadratkilometern, einer Fläche so groß wie Niedersachsen. Etwa die Hälfte des Landes besteht aus Wald. Nur ein Viertel der Esten bekennt sich zu einer Religion. Die Hauptstadt Tallinn, die am besten erhaltene mittelalterliche Stadt Nordeuropas, hat 430.000 Einwohner, liegt am Finnischen Meerbusen der Ostsee, 80 Kilometer südlich von Helsinki. Vor der Küste: mehr als 2000 Inseln. Höchste Erhebung ist mit 318 Metern der Suur Munamägi, der Große Eierberg, an den Grenzen zu Lettland und Russland. Die Durchschnittstemperatur übers Jahr beträgt in Tallinn frostige 4,5 Grad.

Politik

Estland besteht aus der ehemaligen, von 1710 bis 1918 zum Russischen Reich gehörigen Ostseeprovinz Gouvernement Estland und dem nördlichen Teil Livlands. Während der Oktoberrevolution erlangte das Land 1918 seine Unabhängigkeit, wurde aber 1940 wie auch Lettland und Litauen von der Sowjetunion annektiert. Im März 1990 erklärte Estland sich dann wieder zur Republik.

Triumphe und Dramen

2001 gewann der in Estland lebende Popsänger Dave Benton mit Tanel Padar und dem Lied „Everybody“ den Eurovision Song Contest. Seit 1869 finden alle fünf Jahre landesweite Sängerfeste statt. Der berühmteste Este ist wohl der Komponist Arvo Pärt; auch der Schriftsteller und "Titanic"-Autor Robert Gernhardt ist gebürtiger Este. Jaan Tallinn, Ahti Heinla und Priit Kasesalu entwickelten 2003 eine Software namens Skype. Traurige Schlagzeilen lieferte am 28. September 1994 der Untergang der estnischen Fähre "Estonia" vor der Küste Finnlands auf der Überfahrt nach Stockholm. 852 Menschen starben.

Sport

Zu den bekanntesten Athleten gehören die Langläufer Kristina Smigun und Andrus Veerpalu (jeweils Olympiasieger und Weltmeister), Diskuswerfer Gerd Kanter (Olympiasieger und Weltmeister), die Tennis-Cracks Anett Kontaveit und Kaia Kanepi (einst Nr. 14 und 15 der Weltrangliste), Radrennfahrer Jaan Kirsipuu (vier Etappensiege bei der Tour de France) und die Freestyle-Skifahrerin Kelly Sildaru (Siegerin der Winter X Games).

Fußball

Galt während der Zeit der russischen Besatzung als Sport der ungeliebten Nachbarn und war deswegen weniger populär als Basketball und Skilanglauf. Der estnische Fußballverband war aufgelöst, die Vereine umbenannt und die Nationalmannschaft ins sowjetische Team eingegliedert worden. Erst nach der sogenannten "Wiedererlangung der Unabhängigkeit" fand der Fußball wieder mehr Freunde. Heute wird die Nationalmannschaft auf Rang 102 der Weltrangliste geführt – vor Libyen, hinter Palästina.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading