EM-Kolumne Kicken, Katja, Kabarett

Von links: Katja Wunderlich moderiert beio Bayern 3 – und neuerdings den Sport in den „Tagesthemen“. Andreas Brehme (hier mit Katja Wunderlich in der AZ-Redaktion) ist Weltmeister von 1990. Auch aktiv am Ball: Django Asül beim Benefizkick Foto: AZ/dapd

Andreas Brehme fürs Fachliche, Katja Wunderlich fürs Menschelnde und Django Asül für das Derblecken: Hier schreiben unsere Gast-Autoren über die EM.

 

München - Er hat Deutschland zum letzten Mal zum Weltmeister gemacht. Sie moderiert bei Bayern 3 – und hat als Mutter kickender Kindern ein Herz für den Fußball. Und er ist einer der bissigsten Kabarettisten und schreibt in der AZ seit Jahren über Fußball. Zusammen sind sie: unser EM-Kolumnistenteam – ab morgen im täglichen Wechsel.

Andreas Brehme, Ex-Bayern-Star, schoss den Elfmeter zum 1:0 der deutschen Nationalmannschaft im WM-Finale 1990. Bei der EM analysiert er vor allem das deutsche Team.

Katja Wunderlich moderiert bei Bayern 3 eine Radioshow – und neuerdings auch den Sport in den „Tagesthemen“. Sie kümmert sich um menschelnden EM-Themen.

Django Asül (aktuelles Programm: Paradigma) derbleckt alles, was Rang und Namen hat. Schreibt jeden Samstag über die Bayern in der AZ – und jetzt über Jogis Jungs.

Weinen können am Ende gern mal die Anderen

Die Radio-Moderatorin beschäftigt sich mit den Tränen der starken Männer – und rät dem Koch zu Spinat

Von Katja Wunderlich

Wie tröstet man weinende Männer? Bei dieser Frage ist erst mal Stirnrunzeln angesagt. Diese starken Wesen, die uns die Sterne vom Himmel holen wollen, schluchzend am Boden? Das ist wie der alles-und-jeden-bezwingende-Comic-Matrose Popeye ohne Spinat. Und wir wissen, was dann passiert.

Da fallen wir Frauen in die Schockstarre. Wann stehen wir schon im Leben vor dieser Herausforderung – doch so gut wie nie! Deshalb ging mir persönlich die Szene am Ende des Champions-League-Finales besonders nah. Von Schweinsteiger bis Hoeneß, tiefe Trauer und wir stehen machtlos daneben. Die schönste Nebensache der Welt wird zur Tragödie, ein Spiel wird zum bitteren Ernst. Dass Männer weinen, kommt so selten vor wie ein tropischer Regen in der Wüste und macht uns deshalb so schwach.

Die Deutschlandfahnen wehen an den Autos, die Kids luchsen sich die Paninibilder ab, die Grilleinladungen für die Deutschlandspiele stehen, der Countdown läuft. Doch sind die Jungs vom FC Bayern als Herz der Nationalmannschaft wirklich schon über das Trauma der Champions League hinweg? Trotz Urlaub auf Capri und nächtlicher Gespräche mit Models? Selbstzweifel, Kopflastigkeit, Angst könnten die Fallen sein, über die eine Mannschaft im entscheidenden Moment stolpern könnte.

Was macht Frau im normalen Leben mit einem unglücklichen Mann? Ein Taschentuch reichen? Eher nicht. Mit Weisheiten glänzen wie: „Schau nach vorne“? Lieber nicht. Das einzige, was hilft, wenn weder Männerabende noch ein Steak medium-rare Erfolg versprechen, ist nur der Satz: „Geh in Gottes Namen endlich raus, mach den Kopf zu und spiel Fußball.“

Wir Frauen stehen kompromisslos hinter Euch und feuern Euch bis zur Heiserkeit an. In meinen Terminkalender passt unser Sieg im Finale jedenfalls ganz gut – und weinen können am Ende der EM gerne mal die Anderen. Kleiner Tipp noch an den Koch der deutschen Nationalmannschaft: bitte für ausreichend Spinat sorgen, aber aus Dosen!

Turnier ist Turnier

Der Weltmeister von 1990 gibt nichts auf Testspiele, plant gegen Portugal mit einem Sieg und sähe Lahm lieber rechts

Von Andreas Brehme

Ich kann’s nicht mehr hören, wenn die Leute jetzt plötzlich erzählen, dass unsere Jungs verunsichert wären, nur weil die letzten zwei Vorbereitungsspiele auf die EM nicht ganz glücklich verlaufen sind. Die sollen sich mal anschauen, was bei den anderem Teams los ist. Auch die Holländer hatten lange Probleme, auch Spanien hat nicht gut gespielt beim letzten Test, Italien hat sogar 0:3 verloren gegen Russland – obwohl sie 70 Minuten lang gut gespielt haben. Vorbereitung ist Vorbereitung und Turnier ist Turnier – und ab jetzt zählt es.

Aber natürlich wäre ein Sieg gegen Portugal zum Auftakt eminent wichtig. Wenn du dieses Spiel verlierst, dann könnte doch sehr viel Unruhe entstehen und unsere junge Mannschaft zusätzlich verunsichern. Ich will mir gar nicht ausmalen, was bei einer Pleite gegen Portugal los sein könnte, aber ich muss mir das das gar nicht ausmalen, weil ich davon ausgehe, dass wir gewinnen werden am Samstag. Das gleiche gilt auch für die Holländer gegen Dänemark. Wenn wir dann am zweiten Spieltag gegen die Elftal unentschieden spielen, dann wären wir fast schon weiter.

Natürlich ist Cristiano Ronaldo der Spieler bei Portugal, über den jeder spricht und den es auszuschalten gilt. Im Champions-League-Halbfinale hat Philipp Lahm das hervorragend gelöst. Ich persönlich würde Lahm auch in der Nationalmannschaft rechts in der Viererkette aufstellen, dazu Marcel Schmelzer vom BVB links spielen lassen. Als Innenverteidiger würde ich Mats Hummels neben Holger Badstuber aufstellen, zwei Bayern und zwei Dortmunder also. Aber ich sehe die Spieler anders als Jogi Löw natürlich auch nicht jeden Tag im Training und beobachte das auch nur von außen. Dass Jogi sich anders entschieden hat, Lahm links und wohl Boateng rechts spielen wird, ist aber absolut okay. Ich bin der Letzte, der Jogi bei taktischen Fragen kritisieren würde.

Wie Nordkorea und Südkambodscha

Der Kabarettist wundert sich über die Gastgeber – und weiß, warum Merkel die Spiele meidet

Von Django Asül

Ein bisschen konfus läuft diese EM schon an. Offiziell tragen Polen und die Ukraine dieses Turnier gemeinsam aus. Aber irgendwie wirkt das atmosphärisch in etwa so, als würde Polen die wichtigen Spiele beherbergen und die Ukraine muss sich mit der Trostrunde begnügen. Das Verhältnis zwischen beiden Ländern ist in etwa so herzlich wie zwischen Nordkorea und Südkambodscha. Und Europas Politiker meiden die Ukraine, weil die Demokratie angeblich dort nicht so sehr beheimatet ist. Doch genau deshalb soll das Land auch die Europameisterschaft ausrichten. Die Uefa, längst auf dem Weg, ein ebenso autokratischer Tarnkappenhaufen zu werden wie die Fifa, müsste eigentlich das Turnier nur noch in solche Länder vergeben. Sonst drohen nämlich nur einfallende Horden von Politikern, die sich ihren Patriotismus vom Steuerzahler finanzieren lassen. So gesehen hat die Vergabe an die Ukraine schon einen sehr sympathischen Charakter.

Auch sportlich sind die Vorzeichen leicht diffus. Noch nie war Deutschland so hoher Favorit. Noch nie gab es unmittelbar vor Turnierstart so ein großes Fragezeichen, ob denn Jogis Buben dem Druck standhalten können. Plötzlich wird sogar gefragt, ob denn überhaupt ein Leader dabei ist. Die größte Skeptikerin ist die Bundeskanzlerin.

Sie reiste sogar vor Turnierbeginn an und verschwand gleich wieder. Um nicht in Gefahr zu geraten, ab Samstag Kondolenzbesuche machen zu müssen.

 

 

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