EM 2012 Kloses Alters-Witze: "Schleppe den Kadaver durch"

Der alterslose DFB-Stürmer will unbedingt in Polen, der Heimat seiner Eltern, seinen ersten großen Titel erringen – über sein Alter macht er nun sogar Scherze: „Ich schleppe mich durch."

 

DANZIG - Zahlen, Daten, Statistiken - damit braucht Miroslav Klose keiner zu kommen. „Sie sind ja nun schon zehn Jahre bei der Nationalelf“, begann ein Reporter am Dienstag seine an den Stürmer-Routinier gerichtete Frage, da ergänzte der 33-Jährige sofort: „Über elf Jahre.“ Ohne zu zwinkern, ohne zu lächeln. Erst die Statistik, dann das Vergnügen.

Am 24. März 2001 hat Klose beim 2:1 gegen Albanien in der Nationalelf sein Debüt gefeiert, 116 Länderspiele und 63 Tore später steht der Mittelstürmer vor seinem sechsten Turnier. So erfahren ist keiner im 23er-Kader, so viele DFB-Einsätze hat keiner, ganz zu schweigen von den Toren. Da fehlen ihm ja nur noch sechs Treffer zur ehemals als uneinholbar eingestuften Marke von Bayern-Legende Gerd Müller.

Und nun Schluss mit Ernst. Ein bisschen Miro muss sein. Er kann auch witzig. Auf die Frage, was er denn vom jungen Miroslav, vom 2001er-Jahrgang noch haben wolle, antwortete er: „Früher war ich vollblind, aber habe in den Jahren einiges dazugelernt, habe mich weiterentwickelt, vom jungen Klose will ich nichts mehr haben.“ Was er meint: die Routine, die Übersicht, die Cleverness, das Einteilen der Kräfte. Gebrauchen könnte er höchstens noch den Körper von anno dazumal. „Ich schleppe meinen Kadaver noch ein bisschen durch", meinte er selbst-ironisch. Er weiß: Scherzen kann er dieser Tage in Danzig locker, da er die Garantie von Bundestrainer Joachim Löw hat, sein Stürmer bei dieser EM zu sein.

Video: EURO 2012: Klose sieht DFB-Team im Vorteil

Da kann Bayern-Torjäger Mario Gomez noch so jung, sprich 26 Jahre, und muskelbepackt sein, und noch so viele Treffer erzielen. Es kommt einem vor wie beim Märchen vom Hasen und dem Igel. Und Klose ist der Igel, klar. Immer wieder an Ort und Stelle. Mit dem Stürmerriecher.

„Miro wirkt ja wie ein 25-Jähriger", lobte Löw erst Anfang der Woche, „er ist schnell, beweglich, fußballerisch stark.“ Was bedeutet: ein Blanco-Durchfahrtsschein für die EM. Gomez schaut wieder nur zu, darf sich aufwärmen und sein Minutenglück als Joker versuchen.

Es ist Klose, der Rekorde jagt. 16 Turniertore hat der Lazio-Stürmer erzielt, genau so viele wie Jürgen Klinsmann, auch hier ist nur noch der Müller-Gerd vor ihm, mit 18 Treffern bei WM- und EM-Endrunden. „Die Statistik ist für mich natürlich ein weiterer Anreiz, bei dieser EM Tore zu machen“, gibt er unumwunden zu. Neben der Tatsache, dass die EM zum Teil in seiner Heimat stattfindet – er ist im schlesischen Oppeln geboren.

Dass er in der Vergangenheit in Polen kritischer gesehen wurde als Lukas Podolski, ebenfalls polnischer Abstammung, kann Klose allerdings überhaupt nicht nachvollziehen. „Ich liebe das Land genauso wie Deutschland. Der Großteil meiner Familie kommt hierher, auch Freunde“, sagt er.

Er tut also alles für seinen ersten Nationalelf-Titel, am besten 2012. Wenn nicht jetzt, wann dann? Aber: Von nichts kommt nichts. Auch ein Kadaver braucht Joga. „In meinem Alter tut der Rücken ab und zu mal weh, da muss man sich vor dem Training erstmal stretchen. Ich merke das sofort, wenn ich diese Übungen nicht mache." Im Frühjahr konnte er in Rom zeitweise nur rumsitzen: ein Muskelriss, zuletzt plagten ihn Knöchelprobleme. Er hat sich aber wieder herangearbeitet, das kennt er ja. Am Samstag, wenn es in Lemberg (20.45 Uhr, ARD live) zum Auftakt gegen Portugal geht, ist Stichtag. Und sein 34. Geburtstag.

Da hat Klose dann doch seine 100 Prozent wieder, oder? Er grinst. „Ich glaube, ich war noch nie bei 100 Prozent.“ Und ernst: „Ich liege gut im Plan. Ich strebe die 100 Prozent an, aber das wird schwer in dem Alter.“ Er kann es eben nicht lassen.

 

0 Kommentare