Elferkiller im Toto-Pokal TSV 1860: Hachinger Albtraum - Glänzt Löwen-Torwart Hiller erneut?

"Das ist sicher einer dieser Abende, die man nie vergessen wird", sagt Löwen-Torhüter Marco Hiller über den Toto-Pokal-Krimi gegen die SpVgg Unterhaching, bei dem er drei Elfmeter hielt. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Am Sonntag steht das Derby der Löwen gegen die SpVgg Unterhaching an. Einer hat besonders gute Erinnerungen an den Gegner: Keeper Marco Hiller, der sich im Toto-Pokal als Elferkiller hervortat.

 

München - Das aussagekräftigste Bewerbungsschreiben für einen Stammplatz datierte vom 11. Oktober 2019. Da avancierte Marco Hiller zum Elfmeterkiller, zum Hexer zwischen den Pfosten, zum Hachinger Albtraum.

Der 22-jährige gebürtige Stuttgarter, der seit 2008 beim TSV 1860 spielt und längst als Sechzger Eigengewächs eingebürgert wurde, hielt im Viertelfinale des Toto-Pokals im Elferschießen gegen die favorisierte SpVgg Unterhaching (damals Tabellenführer der 3. Liga) gleich drei Strafstöße und sicherte so den Einzug ins Halbfinale.

Er, der in der Liga vom damaligen Trainer Daniel Bierofka auf die Bankdrückerrolle reduziert worden war und nur im Toto-Pokal den Arbeitsplatz zwischen den Aluminiumstangen einnehmen durfte, war der gefeierte Matchwinner. "Wir müssen ihn auf Händen tragen", hatte Stürmer Prince Owusu, der mit seinen 1:1 in der 64. Minute die Löwen erst ins Elferschießen gebracht hatte, damals gesagt. Und Hiller selber, den die eigenen Fans gerne mit Aufkleber samt dem Spruch "Er steht im Tor und wir dahinter" abfeiern, meinte: "Ein Derby vor dieser Kulisse – etwas Schöneres gibt's nicht."

1860 gegen Haching: S-Bahn-Derby am Sonntag

Und weil es so schön ist, darf er es nun gleich wieder erleben. Wenn auch nicht im Grünwalder, sondern im Sportpark Unterhaching. Denn am 1. Dezember (14 Uhr, Magenta Sport und im AZ-Liveticker) kommt es zur Neuauflage des Pokal-Viertelfinales, zur Chance, den Hachingern einen empfindlichen Doppelschlag zu verpassen.

Und für Hiller, der beim FC Grün-Weiß Gröbenzell das Kicken begann, hat sich viel getan – weil sich bei den Löwen, mal wieder, viel getan hat. Trainer Bierofka ist erstmal Löwen-Geschichte. Die Vereinsikone warf am 5. November entnervt hin. Die Dauerquerelen im Verein, die dauernden Grabenkämpfe, die Heckenschützenmentalität, die im Löwengehege zuweilen ein Teil der Vereinskultur zu sein pflegt, hatten ihm alle Kraft, aber auch alle Lust an seinem Job genommen. Stattdessen hat nun Michael Köllner das Sagen an der 1860-Seitenlinie.

Unter Köllner startet Hiller plötzlich wieder

Hiller hat seinen Stammplatz auf der Auswechselbank mit Hendrik Bonmann getauscht. Der war unter Bierofka in der Liga gesetzt, Köllner schenkt nun erstmal Hiller das Vertrauen. Wohl zumindest bis zur Winterpause. "Die Torhüterfrage ist definitiv keine Frage, die mir schlaflose Nächte bereitet", sagte Köllner vor dem 1:1 der Löwen im anderen Derby gegen die Amateure des FC Bayern. "Die hätte ich, wenn ich wüsste, ich hab zwei Torhüter, die gar nichts können. Ich könnte ohne Weiteres mit beiden spielen, weil beide Spiele gewinnen können."

Dass Hiller gegen Haching gewinnen kann, hat er nach- und eindrücklich bewiesen. Damals sagte Unterhaching-Trainer Claus Schromm: "Unsere Elfmeter waren eigentlich alle ganz gut geschossen. Aber Hiller hat wirklich ausgezeichnet reagiert und gehalten – so ist Fußball nun mal."

Er kann hart und grausam sein – oder eben wunderbar und befreiend. Wie jener Abend im Grünwalder Stadion für Hiller. "Das ist sicher einer dieser Abende, die man nie vergessen wird", sagte der Torwart über den Pokal-Krimi im Grünwalder Stadion, "das war ein Gänsehaut-Moment." Folgt die Gänsehaut-Fortsetzung am Sonntag?

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