Einheit am Dienstagnachmittag Öffentliches Training: Darauf dürfen sich die Fans freuen

Die AZ-Analyse: Wer hat sich im Trainingslager in Troia bei Trainer Vitor Pereira (vorne links) empfehlen können? Foto: sampics/Augenklick

Erstmals trainiert Vitor Pereira mit dem TSV 1860 vor den Löwen-Fans öffentlich. Nicht nur das Wetter passt. Die AZ erklärt, was die Anhänger bei Einheiten unter dem Portugiesen erwartet.

 

München - Selbst Borussia Dortmund hat damit zu kämpfen: Einer nicht abnehmenden Kritik daran, dass der Verein kaum noch öffentlich trainiert – und seine Stars damit hautnah den BVB-Fans (nicht) präsentiert. Es ist eine der wenigen Parallelen zwischen dem Champions-League-Teilnehmer und dem TSV 1860, die sich in den vergangenen Wochen andeutete.

Vitor Pereira lässt Fans rein

Denn: Auch Vitor Pereira, Neu-Coach ausgestattet mit der Mission zum Bundesliga-Aufstieg, machte wochenlang für die Fans dicht. Dicke Sichtschutzplanen umgaben fortan Trainingsplatz Nummer eins, rüstige, aber umso freundlichere Ordner wiesen Gäste an der Grünwalder Straße daraufhin: Bis hierher, aber bitte nicht weiter!

Das passte wahrlich nicht jedem Löwen-Fan. Schließlich soll es diesmal unter dem portugiesischen Trainer ja wirklich bergauf gehen mit "Münchens wahrer Liebe". Pereira hatte ein Einsehen: Nach dem 2:1 gegen den Karlsruher SC wird zum Start der Vorbereitung auf das bayerisch-fränkische Derby (Montag, 20.15 Uhr, im AZ-Liveticker) an diesem Dienstagnachmittag ab 16 Uhr öffentlich trainiert.

Erstmals bekommen die Löwen-Fans also über eine komplette Einheit einen Eindruck von der Arbeit ihres neuen Cheftrainers. Die AZ erklärt, warum sich die Anhänger bei Vitor Pereira vor allem auf drei "V's" freuen dürfen:

V wie Vollgas

Pereira und seine Assistenten scheuchen die Profis der Sechzger teils lautstark über den Trainingsplatz. Gerne benutzte Wörter sind dabei: "Bravo", "come on", "go" und "gut". Der Löwe Anfang 2017 ist mehrsprachig. Entsprechend motiviert der 48-Jährige seine Spieler auch im Training stets zu Höchstleistungen.

Was erstmal nach einem Durcheinander klingt, funktioniert dabei dem Vernehmen nach bestens. Mitverantwortlich dafür zeichnet nicht zuletzt Assistent und Dolmetscher Alex Allegro, der, in Deutschland zum Fußballlehrer ausgebildet, sehr gutes Deutsch spricht.

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Für die Torhüter ist mittlerweile der hochgewachsene Torwarttrainer Ricardo Matos zuständig, ein Bär von einem Mann, dichtes, schwarzes Haar, markanter Drei-Tage-Bart. Auch  er gibt bei den Keepern eine ordentliche Frequenz vor.

V wie volles Vertrauen

Pereira wird gerne als der Schleifer dargestellt. Sicher. Sein Training ist anspruchsvoll und hart. Sicher. Für manchen Sechzig-Profi geht es völlig ausgepumpt in die Kabine. Sicher. Pereira traf auch schon prominente Personalentscheidungen, um Zeichen zu setzen (Stefan Aigner).

Gerade bei Aigner signalisierte der Portugiese aber, worum es ihm geht: Vertrauen. "Auch er muss sich an Regeln halten", sagte er. Pereira, der spektakulär oft sein Personal durchrotiert, gibt allen das Gefühl, ein Teil der Mannschaft zu sein.

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Oft nimmt er einzelne Spieler während einer Einheit minutenlang auf die Seite, redet ihnen Mut zu. Entgegen erster Erwartungen ist er auch für Späße zu haben, ob auf Selfies mit dem Team oder als Entertainer auf einer Pressekonferenz. Pereira ist viel näher an den Menschen als er anfangs beschrieben wurde.

Sympathie gilt auch für die Neuzugänge. Amilton taugt alleine wegen seiner Leistungen zum Publikumsliebling. Besonders zuvorkommend ist aber auch Abdoulaye Ba, der den Kontakt zu den Leuten sucht, immer für einen Handshake und ein "How ya doin" gut ist.

V wie vertikales Spiel

In seiner Taktik geht es Pereira sowohl um dominanten Ballbesitz als auch überfallartiges Angriffsspiel. Er ähnelt damit ihn weiten Teilen BVB-Coach Thomas Tuchel, sicher auch, was die vielen Personalrochaden betrifft.

Maßgeblich für diese Ausrichtung ist ein kontrolliertes vertikales Spiel aus der eigenen Defensive heraus. Pereira lässt dieses, ob mit Dreier- oder Viererkette bis zur vermeintlichen Perfektion einstudieren. Viele Spielformen haben ein solches Aufbauspiel zur Grundvoraussetzung, oft verlangt er dabei, den Ball zigmal zurück zu spielen, ehe es nach vorne geht.

Ballsicherheit hat dabei oberste Priorität. Das dürfte auch den Löwen-Fans gefallen, die heute an die Grünwalder Straße kommen.

 

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