Ein Stück Münchner Geschichte Orleansstraße: Das soll mit dem Weiße-Rose-Zaun passieren

Sophie Scholl am Zaun mit (von links) Hubert Furtwängler (kein Widerstandskämpfer), Hans Scholl, Raymund Samiller und Alexander Schmorell. Rechts im Bild der Zaun heute. Foto: George Jürgen Wittenstein/akg-images/Archiv/AZ-Montage

Muss der Weiße-Rose-Zaun an der Orleansstraße weichen? Der Bezirksausschuss hält daran fest: Es soll einen Gedenkort geben.

 

Haidhausen - Ein großes Grundstück in zentraler Haidhauser Lage. Man wundert sich fast, dass dieser Platz zwischen Orleansstraße und Bahngleisen nur von Gebrauchtwagenhändlern genutzt wird. Abgegrenzt ist der Grund von einem langen, eisernen Zaun. Der Zaun hat eine besondere Geschichte.

Fällt der Zaun Bauprojekten zum Opfer?

Hier, gegenüber der Hausnummer 63 standen am 23. Juli 1942 die Geschwister Sophie und Hans Scholl mit ihrem Freund Christoph Probst zusammen. Die Mitglieder der Widerstandsgruppe Weiße Rose nahmen Abschied, die jungen Männer mussten an die Ostfront. Das Besondere: Von diesem Moment gibt es Fotos, eines zeigt sie lachend, fast ausgelassen, Sophie Scholl steht auf dem kleinen Mäuerchen, hält sich lässig am Zaun fest.

Genau deswegen setzt sich Werner Thiel seit Jahren für einen Erinnerungsort an dieser Stelle ein. Er findet: Durch diese Fotos, die Jürgen Wittgenstein damals schoss, existiere ein visueller Bezug zwischen dem Ort und den Widerstandkämpfern. Genau so etwas fehle – mangels Fotos – bisher in München, auch an der Erinnerungsstätte an der LMU.

Thiel fürchtet, der Zaun könnte Bauprojekten zum Opfer fallen, denn tatsächlich soll hier gebaut werden. Die GVG Grundstücks-, Verwaltungs- und -Verwertungsgesellschaft mbH betreut hier ein größeres Bauprojekt. Sprecherin Andrea Amberg bestätigt, geplant seien Wohnungen, Einzelhandels- und Büroflächen, eventuell ein Hotel. Angedacht sei eine schrittweise Fertigstellung zwischen 2023 und 2028. Alles sei aber noch in der Planung, deshalb nicht "in Stein gemeißelt".

Der geschichtsträchtige Zaun soll erhalten bleiben 

Einen Gedenkort wird es aber trotzdem geben. Hermann Wilhelm (SPD) vom Bezirksausschuss (BA) Haidhausen erklärt Thiels Bedenken für unbegründet. "Der BA will den Zaun erhalten, das Kulturreferat und das Stadtmuseum auch." Er betont, auch die Bauherren würden den Wunsch des BA nach einem Gedenkort ebenfalls unterstützen.

Der Plan: Wenn die Bauarbeiten beginnen, werden zwei Teile des Zauns "eingemottet". Ist alles fertig, wird ein Teil Basis eines Gedenkorts an Ort und Stelle. Das andere soll später in eine Ausstellung im Stadtmuseum eingebaut werden.

Werner Thiel würde gerne alle geschätzt 160 Teile des Zaunes erhalten und weiterverwenden. Seine Idee: Schulen, die nach Weiße-Rose-Mitgliedern benannt sind, könnten ein Stück erhalten und für die Erinnerungsarbeit verwenden. Ebenso das NS-Dokuzentrum.

 

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