"Ein Fall für Markus Söder" Deutsches Museum: Landtags-Opposition entsetzt über Architekten-Insolvenz

So soll ab 2020 der provisorische Haupteingang ausschauen. Der bisherige muss von 2020 bis 2025 geschlossen werden – so die Planung. Foto: Architekten Schmidt-Schicketanz und Partner GmbH/3F Studio, Visualisierung: nuur.nu

Die Landtags-Opposition reagiert entsetzt auf den Insolvenzantrag der fürs Deutsche Museum zuständigen Architekten – und fordert schnelle Konsequenzen.

 

München - Im Januar gab es noch ein "Wir". Beim Besuch auf der Baustelle des Deutschen Museums erklärte Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU): "Wir wollen das Museum für die Zukunft aufstellen – mit der Generalsanierung und den damit einhergehenden neuen Ausstellungen trägt der Freistaat seinen Teil dazu bei." Das "Wir" ist vorläufig Geschichte. Denn die Sanierung hat mit dem Insolvenzantrag des verantwortlichen Architekturbüros (schon wieder ein neues) Problem. Und Sibler? Geht auf Tauchstation.

Deutsches Mueseum: Sanierungskosten steigen auf 600 Millionen Euro

Konsequenzen aus der Pleite der Architekten Schmid-Schicketanz und Partner? Im Ministerium mag sich auf AZ-Nachfrage niemand äußern. "Da das Deutsche Museum eine rechtlich selbstständige Einrichtung ist, ist das Museum der Bauherr", heißt es lediglich.

Die Geschäftsführer des "Architekturbüros hatten zuvor einen Insolvenzantrag gestellt. Erst Anfang Februar war bekanntgeworden, dass die Kosten der Generalsanierung des Museums von ursprünglich 450 Millionen Euro auf mindestens 600 steigen werden. Feste Zusagen, wer das bezahlen soll, gibt es bisher nicht.

Streit mit Deutschem Museum - Architekten stellen Insolvenzantrag

Und offenbar ist das Deutsche Museum auch mit den Architekten über Geld in Streit geraten. In einer Mitteilung von Insolvenzverwalter Axel W. Bierbach heißt es explizit: "Der Grund für den Eigenantrag auf Insolvenz sind Differenzen mit dem Auftraggeber Deutsches Museum in München über Honorarforderungen im Zuge der Generalsanierung des Sammlungsbaus des Museums."

Der Insolvenzverwalter erklärte: "In den vergangenen Tagen haben wir uns einen ersten Überblick über die geschäftliche Situation der Architekten verschafft. Wir sind dabei zu der Auffassung gelangt, dass die Strukturen des Unternehmens intakt sind und der Geschäftsbetrieb bis auf weiteres uneingeschränkt fortgeführt werden kann." Die Löhne der Mitarbeiter seien bis Juni gesichert.

Nicht lange für ein Jahrhundertprojekt wie die Sanierung, die – eigentlich – 2025 abgeschlossen sein soll. Schon in den Tagen nach Ostern sollen Gespräche mit dem Deutschen Museum stattfinden. Man wolle "verschiedene Sanierungsmöglichkeiten ausloten", teilte der Insolvenzverwalter mit.

Landtag entsetzt: Was sind die Konsequenzen des Insolvenzantrags?

Die Landtags-Opposition reagiert entsetzt – und fordert Konsequenzen. "Pleiten, Pech und Pannen", sagte Ex-Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch, der jetzt wieder als Landtagsabgeordneter mit dem Thema befasst ist, der AZ. Wenn das Architekturbüro am Ende wirklich aussteigen müsste, sei das "ein echtes Drama". Heubisch sagte: "Jeder schiebt sich da die Verantwortung zu. So geht das nicht. Wenn sich jetzt auch der Minister nicht mehr zuständig fühlt, ist das ein Fall für den Ministerpräsidenten. Markus Söder muss eingreifen!"

Im Landtag kommt das Thema nun sowieso wieder offiziell auf die Tagesordnung. "Wir werden umgehend einen Berichtsantrag stellen", kündigte die Grünen-Landtagsabgeordnete Barbara Fuchs auf AZ-Anfrage an, die den Insolvenzantrag als einen "weiteren negativen Meilenstein für das Projekt" bezeichnete. Dem Landtag müsse nun "detailliert ausgeführt werden, auf welchem Stand sich das Projekt aktuell befindet und welche Konsequenzen dieser Insolvenzantrag für den weiteren Projektverlauf und die Kostenstruktur haben wird".

Fuchs geht von schweren Versäumnissen der Staatsregierung aus. Bereits im Mai 2017 habe es Hinweise gegeben, dass "auf die Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit des Büros" zu achten sei, sagte sie. Das eingerichtete externe Controlling und die Projektsteuerung habe aber "vermutlich nicht zu den notwendigen Konsequenzen geführt". Fuchs fragt nun: "Wurde im Jahr 2017 tatsächlich zeitnah angemessen auf die vorliegenden Informationen und brisanten Hinweise reagiert?" Diese Frage müssten sich nun "einige Verantwortliche stellen".

Das neueste Problem-Kapitel in der Sanierungs-Geschichte des Deutschen Museums ist offenbar noch lange nicht zu Ende.

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