Traditionswirtschaft in Lenggries Wirt schmeißt AfD raus - Beschwerde-Posting geht schief

Die AfD wurde nicht bedient - und schoss sich ein Eigentor. Foto: imago, Screenshot AZ

Das "Gasthaus zum Altwirt" in Lenggries verbietet einer AfD-Delegation nach einem Wahlkampfauftritt den Zutritt zum Lokal. Eine AfD-Fanseite macht auf den "Skandal" aufmerksam - und erntet einen Riesenshitstorm.

Lenggries - Der Altwirt in Lenggries ist eine Institution im Ort, bis ins Jahr 1469 reichen die Spuren zurück. "Seit über 500 Jahren bildet dieses Haus den Mittelpunkt des Ortes, in dessen Mauern seit jeher Lenggrieser und Isarwinkler Geselligkeit gepflegt wird", heißt es auf der Homepage der Wirtschaft.

Doch mit der Geselligkeit ist das so eine Sache, zumindest für eine AfD-Delegation. Die durfte nämlich nicht gesellig sein im "Altwirt" - die Betreiberfamilie Werner wollte die Rechtspopulisten nicht in ihren Räumlichkeiten bewirtschaften. Vier AfD-Herrschaften hatten am Mittwoch in Lenggries bei der Demonstration "Kandel ist überall" teilgenommen, danach wollten sie sich stärken - und waren im "Altwirt" nicht willkommen. "Wir haben Ihnen erklärt, dass es nicht das richtige Wirtshaus für rechte Parolen sei und haben sie unseres Lokales verwiesen", so die Werners.

AfD beschwert sich - und erntet Shitstorm

Das wollte die AfD nicht auf sich sitzen lassen. Auf der Facebookfanseite "AfD deckt auf und fragt nach" machte sie den vermeintlichen Skandal öffentlich. Zu einem Bild des Gasthauses montierte die Seite eine Art Fraktur-Schrift, dort zu lesen: "Politisch andersdenkende werden hier nicht bedient. 1933 lässt grüßen".

Doch die Aktion ging nach hinten los. Anstatt sich über den "Gesinnungsfaschismus vom Feinsten" zu echauffieren, feierten die User die Aktion des "Altwirts": "Richtig so. Man kann sich zum Glück aussuchen wen man bewirten will", heißt es etwa, oder: "Wunderbar! Ich werde das Gasthaus definitiv weiterempfehlen. Vielen Dank für den Tipp!" "Das Gasthaus zum Altwirt ist mir ungemein sympathisch und wird sicherlich alsbald von mir besucht werden. Auch das Essen ist sicherlich fantastisch und schmeckt nach dieser Aktion NOCH besser!!", schreibt ein Dritter.

Praktischer Nebeneffekt für den Wirt: Viele der Kommentatoren bewerteten den "Altwirt" gleich noch mit fünf Punkten bei "Tripadvisor", den Link dazu hatte die AfD-Seite netterweise unter den Post gestellt. Sie hoffte wohl, dass es hauptsächlich negative Bewertungen hagelt.

Auch das ging also mächtig schief: "Gratulation an den Altwirt und natürlich Top bewertet. Auf das man dort auch in Zukunft von rechts braun versiften Apetitlosigkeiten verschont bleibt", schreibt ein User. "Ist die Verlinkung von Tripadvisor eine Aufforderung, schlechte Fake-Bewertungen abzugeben? Beides, die Aufforderung dazu und die Fake-Bewertung selbst, wären strafbar.

Und was den Rauswurf angeht: Der Wirt hat das Hausrecht und darf sich aussuchen, wen er bedient. Hier lässt auch kein 1933 grüßen. Dieser Vergleich ist ekelhaft, weil die Rausgeworfenen nicht wegen ihrer Religionszugehörigkeit, wie damals die Juden, abgewiesen wurden, sondern wegen einer Einstellung, die 1933 erst ermöglicht hat", ein anderer.

Gasthaus zum Altwirt kein gutes Pflaster für die AfD

All das hätten sich die AfD-Politiker eigentlich sparen können, hätten sie sich vorher informiert, was das für ein Gasthaus ist, in das sie da einkehren wollten. Der "Altwirt" hatte nämlich schon einmal einer AfD-Abordnung den Zutritt zu ihrem altehrwürdigen Lokal verweigert, mit der selben Begründung. 

 

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