Ehefrau aus Eifersucht erstochen Münchner Messer-Mord: Hatte der Täter einen Komplizen?

Osman N. erstach im Frühjahr 2016 seine Ehefrau Hasnaa (hier mit der gemeinsamen Tochter). Wusste der Angeklagte Abdulkafi S. von dem Mord-Plan? Foto: Dnaiel von Loeper, Sigi Müller

Ein 42-Jähriger sitzt wegen Beihilfe zum Mord auf der Anklagebank: Er soll das Opfer nach München in die Falle gelockt haben.

 

München - Es gibt leichtere Aufgaben. Das Landgericht muss sich im Fall der ermordeten Hasnaa A. († 30) einen Weg durch ein dichtes Gestrüpp von Lügen und Halbwahrheiten bahnen, um am Ende ein gerechtes Urteil fällen zu können. Ihr wegen Mordes verurteilter Ehemann Osman N. (38) und sein Spezl Abdulkafi S. (42) bezichtigen sich gegenseitig der Lüge.

Nur in einem scheinen sich die beiden Syrer einig: Irgendwie habe das Mordopfer ja selber schuld, dass es in dem kleinen Riemer Park niedergemetzelt wurde.

Denn Hasnaa A. hat es gewagt, sich einem anderen Mann zuzuwenden. Die Frau war wenige Monate vor der Tat - nachdem ihr Mann mit einem der Kinder die Familie zuvor in Richtung Deutschland verlassen hatte - mit drei ihrer vier Kinder nach Deutschland eingereist. Dort hatte sie mit Ali G. einen neuen Lebensgefährten gefunden. Die beiden hatten sich laut Anklage einen Monat vor der Tat nach islamischem Recht verheiratet.

Neue Heirat der Ex als Mordmotiv

Das gelte in Syrien als Verrat, erklärt Abdulkafi S., der jetzt wegen Beihilfe zum Mord auf der Anklagebank sitzt. Er soll von den Mordplänen gewusst und die Frau dennoch unter dem Vorwand, ihr Sohn sei krank, bewegt haben, nach München, in die Arme ihres Mörders zu reisen.

Für Osman N. war die Trennung von Hasnaa A. nach Überzeugung des Gerichts - das ihn im Juli 2017 zu lebenslanger Haft verurteilte - das Mordmotiv. In seinem Mordprozess hatte Osman N. aber noch vehement abgestritten, seine Frau getötet zu haben, sprach stattdessen von einem ominösen Mord-Trio, dass er aber aus Angst um seine Kinder nicht nennen könne.

Von dieser Lügengeschichte hat sich Osman N. mittlerweile verabschiedet. Er gibt am Montag im Prozess gegen seinen Freund zu, dass er im April 2016 in Riem zugestochen hat. Allerdings: Zwei oder drei Mal, mehr nicht. Das Ganze habe nur Sekunden gedauert.

Mit dem Messer durch den Park gejagt und brutal erstochen

Das deckt sich erneut nicht mit den Ermittlungsergebnissen der Polizei. Demnach hatte der Täter die junge Frau über längere Zeit mit dem Messer durch den Park am De-Gasperi-Bogen gejagt und immer wieder auf sie eingestochen.

Osman N. redet am Montag im Zeugenstand von einer Kurzschlusshandlung. Weil seine Frau nicht zu ihm zurückwollte und damit gedroht habe, ihm das vierte Kind wegzunehmen, "habe ich den Verstand verloren".

Damit unterstützt er die Version seines Spezl. Der erklärt, dass er von einer Tötungsabsicht nichts wusste. "Ich bin mir keiner Schuld bewusst", sagt der 42-Jährige.

Osman N. sagt zwar, dass er auch seinen Freund über die Krankheit des Buben getäuscht hatte. Er gibt ihm aber dennoch eine Mitschuld, weil der das Opfer allein nach München reisen ließ.

Der Prozess wird fortgesetzt.

 

11 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading