EHC-Profi im AZ-Interview Yasin Ehliz: "Der Treffer war eine Befreiung"

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Yasin Ehliz spricht in der AZ über sein erstes Tor für den EHC Red Bull München, die Wahl der deutschen Eishackler zur Mannschaft des Jahres und die Heimat als Kraftquelle: "Das unterschätzt man oft."

 

München - Nationalstürmer Yasin Ehliz (25) ist einer der Silberhelden von Olympia 2018, in dieser Saison wechselte er zum EHC Red Bull München, am Sonntag erzielte er gegen Augsburg sein erstes Tor für die Münchner.

AZ: Herr Ehliz, Gratulation! Gegen die Augsburger Panther war es soweit, Sie haben Ihr erstes Tor für den EHC Red Bull München nach Ihrem Wechsel Anfang November zum Triple-Meister erzielt.
YASIN EHLIZ: Ja, endlich. Das war schon eine Befreiung für mich. Ich habe mir zwar viele Chancen in den Spielen erarbeitet, wenn man dann aber eine Chance nach der anderen vergibt, dann nervt es irgendwann schon ein bisschen. Nach jedem Spiel, in dem man wieder nicht getroffen hatte, wird man wieder dazu befragt. Aber jetzt ist das Kapitel zum Glück abgehakt. Wobei ich mir selber gar nicht so sehr einen Kopf gemacht habe, denn ich wusste, solange ich mir die Torchancen erarbeite, ist es nur eine Frage der Zeit, dass ich den Puck richtig erwische und er drin ist.

Viel haben Sie den Schuss von Teamkollege Andrew Bodnarchuk aber nicht erwischt.
Das stimmt. Ich habe ihn nur a bisserl berührt, aber es hat gereicht. Egal, ich würde jeden Tag so ein Tor akzeptieren, es müssen nicht immer die Highlight-Treffer sein. Drin ist drin.
 


Yasin Ehliz (Bildmitte) fälscht den Puck entscheidend ab. Foto: imago/GEPA pictures

Yasin Ehliz: "Ich musste erst ein bisschen reinkommen"

Sie spielen in einer Linie mit John Mitchell und Trevor Parkes – in der Liga gibt es nicht viele bessere Sturmreihen.
Wir stellen uns immer besser aufeinander ein, man darf nicht vergessen, dass ich bei meinem Versuch in der NHL kaum gespielt habe und die klassische Saisonvorbereitung mit der Mannschaft nicht hatte, daher musste ich erst ein bisschen reinkommen. Aber ich denke, dass wir das sehr gut machen – und die Gegner werden, wenn sie uns auf dem Eis sehen, vielleicht doch noch ein bisschen defensiver denken.
 


Bei der 2:3-Pleite in Augsburg ging es hoch her, Manager Christian Winkler ließ seinen Emotionen freien Lauf und sagte den Schiedsrichtern ein paar nicht so nette Worte.
Es war ein sehr ärgerliches Spiel für uns, weil wir nicht einmal einen Punkt aus Augsburg mitgenommen haben. Es gab sehr viele Strafen, es war hektisch. Aber die Szene mit Winkler, die sie ansprechen, kann ich wirklich nicht kommentieren, da war ich bereits in der Kabine.

Es ist ja kein großes Geheimnis, dass Winkler auch mal zum Vulkan werden kann.
(lacht) So kann man es sehen. Er lebt Eishockey, liebt die Red Bulls und ist in den richtigen Momenten auch gerne emotional. Aber nach dem Spiel ist es dann auch wieder gut.

Yasin Ehliz: "Ich bin ein großer Familienmensch"

Wie ist Ihr Eindruck nach den ersten Wochen in München?
Super! Ich bereue es keine Sekunde, dass ich wieder in Deutschland bin. Ich genieße es, so nahe an meiner Heimat Bad Tölz zu sein, so nahe an meiner gesamten Familie. Meine Mutter, die ganze Familie ist auch so glücklich, dass ich wieder in der Nähe bin. Ich denke, dass man das als Profisportler manchmal vergisst, wie wichtig das ist, wie viel Kraft es einem geben kann, wenn man seine Freunde und Familie um sich hat. Ich fahre zur Zeit auch jeden Tag nach Hause, weil meine Wohnung in München noch nicht fertig ist. Ich genieße das sehr. Ich bin wirklich ein großer Familienmensch.

Am Mittwoch geht es nach Iserlohn und dann am Freitag gegen Tabellenführer Mannheim. Gegen die lieferte man sich vor einer Woche ein extrem hochklassiges Duell, das Mannheim im Penaltyschießen für sich entschied.
Iserlohn ist immer schwer zu spielen, am Seilersee brennt die Hütte. Auf Mannheim freuen wir uns. Die Partie gerade erst war auf einem Niveau, wie man es in der regulären Saison in der DEL nicht oft sieht.

Ihnen wurde am Sonntag eine große Ehre zuteil, das deutsche Eishockey-Nationalteam, mit dem Sie bei Olympia Silber geholt haben, wurde zur Mannschaft des Jahres gewählt.
Das ist großartig, da kamen noch einmal all die großen Gefühle von den Olympischen Spielen hoch. Leider haben wir Münchner es nicht rechtzeitig auf die Bühne geschafft, weil wir wegen des Augsburg-Spiels ein bisschen zu spät gekommen sind, aber es war trotzdem ein unvorstellbar schöner Abend. All die Jungs wiederzusehen, mit denen man so etwas erlebt hat, ist sehr besonders.

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