EHC München EHC: Bleibt`s beim Tanzverbot?

Pierre Pagé, der Trainer des EHC Red Bull München. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

EHC-Trainer Pagé will nicht, dass die Mannschaft ausufernd mit den Fans jubelt. „Dieser Anblick ist mir fast peinlich.“ Die Profis sehen das anders: „Es gehört sich, dass man große Siege zusammen feiert“

 

München - Keine Sieger-Humba, keine Eisraupe, kein Gewinnertänzchen des Torhüters mehr? Pierre Pagé, der Trainer des EHC Red Bull München, möchte in Zukunft gerne die Spaßbremse geben und die Münchner Eishockey-tradition der Feierorgien seiner Spieler nach Siegen unterbinden. „Mir ist dieser Anblick fast peinlich, für mich ist das ein Zeichen von Arroganz, wenn man einen einzigen Sieg derart feiert. Wenn sie schon auf dem Eis so loslegen, dann frage ich mich, wie geht es erst danach noch weiter. Ja, ich will mich natürlich auch bei unseren tollen Fans bedanken, das haben sie verdient. Aber so?“

Die EHCler, die am Sonntag (16.30 Uhr, Olympia-Eishalle) ihr nächstes Heimspiel bestreiten, also nur noch als notorische Miesepeter? Das kommt bei den Spielern, den Fans, aber auch alten EHC-Granden gar nicht gut an. Felix Petermann, einer der Kapitäne des EHC, der schon seit 2010 in München spielt, sagte der AZ dazu: „So wie ich das sehe, gehört das einfach irgendwo dazu. Es ist ein Dankeschön an die Fans, die das auch verdient haben. Sie peitschen uns in jedem Spiel bedingungslos nach vorne, geben alles, sie unterstützen uns auch, wenn wir mal nicht so gut sind, da gehört es sich einfach, dass man große Siege auch zusammen feiert.“

Und Topscorer Alex Barta sagte: „Für mich ist die Beziehung zum Verein etwas, das zweigleisig läuft. Sie feiern uns, sie unterstützen uns, sind loyal zu uns – und dann feiert man eben auch zusammen. Das haben sich die Fans verdient und wir machen es ja auch gerne. Das ist eine ganz besondere Beziehung.“ Wie sehr der Ansatz, in Zukunft nur nach dem Prinzip Minimalismus zu feiern, verstört, zeigen die Aussagen von EHC-Fansprecher Andreas Oberpeilsteiner. „Das sollte Herr Pagé ganz schnell wieder vergessen, da bringt er ganz schnell die gesamte Nordkurve gegen sich auf.“

Einer, der der König der EHC-Nordkurve war, der schuhplattelnde Vortänzer Markus Jocher, versteht die Eishockeywelt nicht mehr. „Der Fan ist mein Arbeitgeber, er bezahlt mich. Er geht zum Eishockey, weil er dem Alltag mal entfliehen will. Nein, er flackt nicht nur auf der Couch, sondern er nimmt es auf sich, ins Stadion zu fahren und uns mit Herzblut zu unterstützen“, sagte Jocher, der am Donnerstag 35 wurde, „wir sind dafür da, dass er den Alltag vergisst. Er will uns nahe, ein Teil von uns sein. Wer das nicht versteht, hat keine Menschlichkeit. Feiern ist für mich nicht arrogant, sondern zeigt, dass man die Fanseele versteht und sich nicht über sie erhebt. Das macht ein Franck Ribéry bei den Bayern auch, der ist sich dafür nicht zu schade. Und Fußball ist eine ganz andere Hausnummer als wir Eishackler.“

Am Freitag (19.30 Uhr) spielt der EHC bei den Schwenninger Wild Wings. Dort treffen sie auf einen alten Bekannten. Gaudibua Sean O’Connor, der sich im Dezember nach einem Zerwürfnis mit Trainer Pagé aus München verabschieden musste und in Schwenningen anheuerte. Er war mit seinen Faustkampfeinlagen und der gelebten Fannähe einer der Publikumslieblinge. „Ich weiß, dass Pagé alles tut, was er glaubt, dass nötig ist, um Erfolg zu haben. Er glaubt, dass das hilfreich ist. Ich respektiere diese Meinung, aber ich teile sie nicht“, sagte O’Connor der AZ, „wenn ich mit einem einfachen Winken dem Fan ein gutes Gefühl vermitteln kann, muss man das tun. Ohne die Fans wäre ich nichts, wäre ich arbeitslos. Als Kind habe ich noch Tage danach davon gesprochen, wenn einer der Eishockeystars bei den Spielen mich abgeklopft hat. Mit den Fans zu feiern, ist für mich ein Zeichen des Respekts, für mich wäre es respektlos, wenn ich es nicht täte.“

 

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