EHC und Pagé: Wie lange geht das gut?

Nach dem jüngsten Wutausbruch des Trainers brodelt es. Der Coach will das Team kasernieren. Die Fans hat er mit einem Feier-Verbot aufgebracht: „. . . dann hat er die ganze Nordkurve gegen sich.“
| Matthias Kerber
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Pierre Pagé und seine Mannschaft, der EHC Red Bull München.
GEPA pictures/ho Pierre Pagé und seine Mannschaft, der EHC Red Bull München.

Nach dem jüngsten Wutausbruch des Trainers brodelt es. Der Coach will das Team kasernieren. Die Fans hat er mit einem Feier-Verbot aufgebracht: „. . . dann hat er die ganze Nordkurve gegen sich.“

München - Pierre Pagé konnte die Wut kaum unterdrücken. Die Wut auf seine Spieler, seine Mannschaft. Nach der 3:4-Heimpleite im Derby gegen die Straubing Tigers ist endgültig Schluss mit lustig. Ab sofort will der 65-Jährige, für seine cholerischen Anfälle in der Kabine eh schon bekannt, noch härter durchgreifen. Seine Spieler will er vor Heimpartien zwei Tage in einem Hotel kasernieren, damit sie den „Verlockungen Münchens nicht erliegen können“.

Seine Generalabrechnung kam bei der Mannschaft nicht gut an. Topscorer Alex Barta meinte: „Ich weiß nicht, wo Pierre das her hat, aber ich kann es nicht ändern. Wir als Mannschaft müssen damit nicht übereinstimmen.“ Doch die Mannschaft ist nicht die einzige Baustelle, die Ex-NHL-Coach Pagé gewaltsam aufreißt. Er will Feierorgien der Spieler mit den Fans nach Siegen – wie beim 6:3-Sieg über Meister Berlin – unterbinden.

„Das zu sehen, kann ich kaum akzeptieren, das Auftreten ist mir fast peinlich“, sagte der Ex-NHL-Coach. Doch damit bringt er die Fans gegen sich auf. „Wenn er das wirklich macht, dann hat er die ganze Nordkurve gegen sich. Das sollte er am besten gleich vergessen, das Feiern mit den Fans nach besonderen Spielen hat hier Tradition“, sagte EHC-Fansprecher Andreas Oberpeilsteiner.

Pagé liebt es zu polarisieren, zu brüskieren. Doch wie lange geht das noch gut in München? Seit seinem Amtsantritt im Mai geht es gewaltig rund. Gleich mehrere Akteure flüchteten. Der als Superstar geholte Jon DiSalvatore bat um Vertragsauflösung, Gaudibua Sean O’Connor, der mit dem Coach immer wieder lautstark aneinandergeraten war, wechselte nach Schwenningen, Andreas Pauli machte den Abflug nach Riessersee.

In der Mannschaft war man über die rüden öffentlichen Schelten verstört. Da wurden Spieler als „Urlauber“ abgewatscht, dem Team kollektiv ein „schlechter Charakter“ attestiert. Dabei ist der Kader extrem stark besetzt, die dritte Reihe ist an sich stärker als so manche erste anderer DEL-Vereine. Pagé holte sich einen Zehntages-Trainer an die Seite, der die Kommunikation zusammen mit einem Psychologen übernahm. Die Spieler baten ihn, sich öffentlich zurückzuhalten und zu ändern. Die Charmeoffensive hielt nur eine gute Woche.

Als der EHC in eine Negativserie im November schlitterte, machte Pagé nur 25 Prozent der Schuld bei sich selber aus, die anderen 75 wurden gerecht auf Mannschaft, Physios, Fitnesstrainer verteilt. Nach der 0:3-Pleite gegen die Mannheim Adler brandmarkte er das Mauer-Eishockey von Hans Zach als „Trapattoni-Eishockey“ und regte an, diesen Spielstil zu verbieten. Einen Weg es zu bezwingen, fand er leider nicht.

Der Ruf des EHC hat in der Eishockey-Welt zuletzt wieder sehr gelitten. Verhandlungen über Neuzugänge oder Vertragsverlängerungen gestalten sich – trotz sehr lukrativer Angebote – weiter extrem schwierig. Ein renommierter deutscher Spieleragent, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte zur AZ: „Die Arbeit, die Co-Trainer Helmut de Raaf, Manager Christian Winkler und Geschäftsführer Rene Dimter machen, um eine Palastrevolution zu verhindern, ist stark. Die bräuchten eigentlich ein Bundesverdienstkreuz.“ Und über Pagé sagte er: „An ihm spalten sich die Geister. Das war immer so, das wird immer so bleiben. Er kann bei den Spielern nur mit Erfolgen punkten.“

Daran hapert es zuletzt wieder. Der Erfolg, der die Spannungen zu den Spielern kitten würde, der die Fans versöhnen würde, er fehlt zur Zeit. Es sind nur 15 Spiele bis zum Ende der regulären Saison. Es wird eng.
 

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