DVB-T RTL macht in München Schluss

Ab dem 1. August sehen die TV-Zuschauer über DVB-T kein RTL, RTL II, Super RTL und Vox mehr. Foto: dpa

Ab Donnerstag sind RTL, RTL II, Vox und SuperRTL in München nicht mehr über DVB-T zu empfangen. Welche Alternativen es gibt, was Sie jetzt zahlen müssen.

München -  Sehen Sie gerne die Kandidaten auf dem Quiz-Stuhl bei Günther Jauchs „Wer wird Millionär?“ schwitzen? Oder verfolgen Sie die Auswanderer auf Vox? Lieben Sie die Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“? Dann könnten für Sie Letztere ab Donnerstag anbrechen. Dann nämlich, wenn Sie über DVB-T Fernsehen schauen.

Denn die Mediengruppe RTL wird ihre Programme in München nicht mehr über den digitalen Antennenanschluss senden. Das bedeutet: Statt RTL, RTL II, SuperRTL und Vox sehen die Zuschauer nur noch Flimmern.

Wer ist betroffen? Im Großraum München sind es laut der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM) 100000 Haushalte, die ausschließlich DVB-T zum Fernsehempfang nutzen. Viele nutzen diesen Übertragungsweg aber auch für Zweit- oder Drittgeräte, damit liegt die Zahl der Betroffenen bei insgesamt rund 360000 Haushalten.

Warum steigt RTL aus? „Gründe sind die fehlende langfristige Planungssicherheut hinsichtlich der Frequenzen, die unzureichende Unterstützung der Aufsichtsbehörden bezüglich eines branchenweiten Umstiegs und die ungewissen ökonomischen Rahmenbedingungen“, heißt es in der offiziellen Pressemitteilung.

Auf Nachfrage erklärt RTL: „DVB-T ist der mit Abstand teuerste Verbreitungsweg.“ Ziel des Senders war es, auf den neueren und effektiveren Standard von DVB-T2, der auch HD-fähig ist, zu wechseln, „dafür wären allerdings Investitionen im mittleren zweistelligen Millionenbereich nötig“.

Was kostet denn die Verbreitung via DVB-T? Da die Verbreitung für die Anbieter teuer ist, werden hauptsächlich die Ballungsräume mit DVB-T versorgt. Laut 18. Bericht der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) meldete die ARD für 2013 64,2 Millionen Euro für die Programmverbreitung via DVB-T an, das ZDF 53,9 Millionen.

Der Beitrag der Privaten ist nicht bekannt, er wird aus ihren Erlösen beglichen, wie die Bayerische Medien Technik GmbH mitteilt. Eine Förderung des Verbreitungsweges fand anfangs lediglich für das lokale Programm statt.

Steigen andere Sender jetzt auch aus? Seit Juni sind in Bayern bereits die Sender bibel.tv, Channel 21/Euronews und QVC via DVB-T nicht mehr zu sehen. Dafür kommen Programme wie 1-2-3.tv und sixx hinzu.

Nach 2014 sollen bundesweit keine RTL-Sender mehr über DVB-T empfangen werden, davon betroffen sind heuer noch vier Millionen Haushalte. Andere große Sender folgen nicht dem Beispiel der Kölner. Die Mediengruppe ProSiebenSat.1 hält an DVB-T fest, verlängerte den Vertrag bis 2018. Ab dem 1. August läuft der Sender Sat.1 Gold auf den freien RTL-Frequenzen. Und auch ARD und ZDF wollen ihr Programm weiterhin über diesen Sendeweg verbreiten.

Welche Möglichkeiten habe ich noch, RTL zu schauen und was kostet das? DVB-T war bislang die günstigste Möglichkeit, RTL anzuschauen. Als Ersatz stehen Satellitenfernsehen, Kabel und ITPV zur Verfügung.

Das Satellitenfernsehen ist deutschlandweit der meistgenutzte Empfang. Der Vorteil: Der digitale Sat-Empfang bietet über 290 deutschsprachige Programme, darunter viele in HD-Qualität. Dazu kommen Radio-Programme und mehrere fremdsprachige TV-Sender. Eine komplette Sat-Anlage mit Schüssel und Empfänger kostet um 100 Euro, die Anbringung an die Hausfassade oder auf dem Dach noch einmal 100 bis 300 Euro. Außer der Anschaffung gibt es keine laufenden monatlichen Kosten.

Doch Vorsicht: Mieter benötigen die Erlaubnis des Vermieters, um eine Satellitenschüssel am Haus zu installieren. Der Nachteil am Satellitenfernsehen: Witterunsgbedingte Ton- und Bildstörungen sind möglich.

Auch über Kabel ist RTL weiter empfangbar. 40 analoge Grundprogramme gibt es, die meisten neuen Fernsehgeräte verfügen aber auch über einen digitalen Empfänger. Die Kosten für einen Kabelanschluss werden oft schon mit den Nebenkosten bezahlt. Erkundigen Sie sich, welcher Kabelanbieter bereits ihr Mietshaus versorgt. Dann müssen Sie sich mit dem Anbieter in Verbindung setzen. Die Kosten für Kabelempfang sind unterschiedlich, je nachdem, ob zum Beispiel in der Wohnung das Kabel noch verlegt werden muss.

Insgesamt ist es oft billiger, gleich ein Paket mit Internet, Fernsehempfang und Telefon zu nehmen. Bei Kabel Deutschland kostet das zum Beispiel 19,90 Euro, bei dem Münchner Anbieter Kabel Medien+Service variieren die Preise, je nachdem, wie das Mietshaus bisher angeschlossen ist.

Neben Kabel und Satellit gibt es noch die Möglichkeit, über das Internet fernzusehen. Für das sogenannte IPTV brauchen Sie aber einen schnellen Internetzugang und einen passenden Fernseher. Plakativ wirbt gerade die Telekom mit dem RTL-Ausstieg für ihr Produkt Entertain. Hier gibt es Internet, Fernsehen und Telefon für monatlich 34,95 im ersten halben Jahr. Auch andere Anbieter wie Vodafone liefern zusätzliche Schmankerl wie Film-Pakete, digitale Videorekorder oder Online-Videotheken.

Spätentschlossene, die nicht auf die RTL und Co. verzichten wollen, können das Programm auf RTL-Apps oder gegen Aufpreis von bis zu fünf Euro im Monat über den Live-Internet-TV-Anbieter Zattoo auf PC, Tablet oder Smart-Phone anschauen. Fußballfans sollten nicht ewig warten: Ab September 2014 laufen die Quali-Spiele der deutschen Nationalmannschaft nur noch bei RTL.

 

5 Kommentare

Kommentieren

  1. null