Drogenbericht der Bundesregierung Zehntausende ruinieren sich mit Alkohol

Derzeit gelten etwa 1,77 Millionen Erwachsene bis 64 Jahren als alkoholabhängig. Foto: dpa

Millionen Menschen in Deutschland kommen nicht von  Drogen- und Suchtmitteln los

 

Trotz aller Aufrufe zum Maß halten, trotz aller Kampagnen und Verbote schaden Millionen Menschen in Deutschland tagtäglich ihrer Gesundheit durch Alkohol, Tabak und illegale Drogen. Das geht aus dem Drogen- und Suchtbericht 2015 der Bundesregierung hervor, der gestern veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse nach Drogenart im Überblick:

Alkohol

Derzeit gelten etwa 1,77 Millionen Erwachsene bis 64 Jahren als alkoholabhängig. Jedes Jahr sterben mindestens 74 000 Menschen an den Folgen von Alkoholmissbrauch oder Alkohol und Tabak zusammen. Der zweithäufigste Anlass für einen Klinikaufenthalt waren 2013 psychische Störungen durch Alkohol mit 338 204 Fällen (siehe Grafik). An erster Stelle lag Herzschwäche. Als riskant geltende Mengen Alkohol tranken 2012 19,2 Prozent der jungen Männer und 12,8 Prozent der jungen Frauen. Mitte des vergangenen Jahrzehnts waren es jeweils rund vier Prozentpunkte mehr. Erfreulicherweise sank auch die Zahl der 10- bis 20-Jährigen, die mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht wurden, um 12,8 Prozent auf 23 267 (2013).

Mit 24,5 Prozent raucht fast jeder Vierte ab 15 Jahren – nach 28 Prozent vor 14 Jahren. Doch gibt es beim Zigarettenkonsum auch einige positive Trends – vor allem bei Jugendlichen. Der Anteil der rauchenden 12- bis 17-Jährigen sank laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung seit 2001 von 27,5 auf 9,7 Prozent 2014.

Cannabis

Rund 600 000 vorwiegend junge Menschen haben laut dem Drogenbericht Probleme mit Cannabis. Marihuana sei bei den unter 25-Jährigen der Hauptgrund für eine Suchtbehandlung. Die Drogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) sagt, zwischen 2007 und 2013 sei die Zahl der Betroffenen um 31 Prozent gestiegen. Crystal Meth hält immer mehr Menschen im Griff „Cannabis ist eine ernsthafte Gesundheitsgefahr gerade für Jugendliche“, mahnt Mortler, „deshalb müssen wir alles vermeiden, was den Eindruck erweckt, es sei ein harmloses Genussmittel.“ Sie ist klar gegen Forderungen wie jüngst von der FDP nach Freigabe von Cannabis jenseits medizinischer Zwecke.

E-Zigaretten

Sorgen bereitet der Drogenbeauftragten auch die wachsende Nachfrage nach E-Zigaretten. Fast jeder fünfte Jugendliche habe zudem schon E-Shishas probiert. Das angekündigte Verbot für Minderjährige komme 2016.

Crystal Meth

Der Bericht gibt erneut Hinweise darauf, dass das gefährliche Crystal Meth immer mehr Menschen im Griff hält. Die Zahl der Konsumenten, die erstmals damit auffielen, stieg 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent auf 3138. Repräsentative Daten über den Crystal-Gebrauch gibt es allerdings nicht. Mortler berichtet, in Polen würden nun in großen Mengen gehandelte Vorläufersubstanzen unter Verschreibungspflicht gestellt. In Tschechien gebe es Kontroll- und Einsatzgruppen. Die künstliche Droge stammt oft aus Drogenküchen in diesen Nachbarländern, hauptsächlich in Grenznähe.

Ecstasy, Kokain und Heroin

Den größten Anstieg erstauffälliger Konsumenten gab es 2014 bei Ecstasy mit 2096 Fällen (plus 42 Prozent). Erfreulicherweise Rückläufig sei der Konsum sowohl von Kokain als auch von Heroin.

Glücksspiel

Immer mehr Menschen nutzen trotz Suchtgefahren Geldspielautomaten, wie aus dem Drogen- und Suchtbericht hervorgeht. Der Anstieg fiel besonders deutlich bei den 18- bis 20-jährigen Männern auf – seit 2007 hat sich der Anteil der Automatenspieler vervierfacht, von 5,8 auf 23,5 Prozent. Weiterhin der „dominierende Ort des Glücksspiels“, wie es in dem Bericht der Bundesregierung heißt, war im Jahr 2013 mit knapp 69 Prozent die Lotto-Annahmestelle.

 

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