Drogen- und Suchtbericht Beim Suff hat Bayern ein Problem

Sachsen und Bayern zählen die meisten Klinikeinlieferungen nach Alkohol-Exzessen. Dabei trinken Jugendliche deutlich weniger als noch vor zehn Jahren.

 

München - Wenn es um Drogen geht, dann hat Bayern zwei Probleme: Alkohol und Crystal Meth. Das ist ein Fazit aus dem Drogen- und Suchtbericht 2013 der Bundesregierung, der jetzt vorliegt.

Suff-Land Bayern. Bei den Krankenhauseinweisungen nach Alkoholvergiftungen liegt der Freistaat auf einem unrühmlichen zweiten Platz. 429,8 Einweisungen gab es 2011 auf 100.000 Einwohner gerechnet. Nur im Saarland mussten noch mehr Betrunkene in die Klinik (457,4). Selbst im Bundesland mit dem höchsten Bierkonsum pro Kopf, nämlich Sachsen, liegt die Zahl nur bei 280,1 Krankenhauseinweisungen.

Bundesweit bleibt Alkohol die Droge Nummer eins. Besonders oft riskante Mengen trinken die 18- bis 29-Jährigen. In dieser Altersgruppe liegt der bedenkliche Alkoholkonsum bei Frauen bei 32,4 Prozent, bei Männern sogar bei 44,6 Prozent. Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte des Bundestags, will deshalb verstärkt Erwachsene mit Präventionsmaßnahmen erreichen, „damit sich aus riskantem Verhalten keine manifeste Abhängigkeit entwickelt.“

Bei Jugendlichen ist das Bild zweigeteilt. Einerseits ist bei den 12- bis 17-Jährigen der regelmäßige Alkoholkonsum seit 2001 deutlich zurückgegangen – von 17,9 bis auf 14,2 Prozent im Jahr 2011. Gar halbiert hat sich bei den Jugendlichen in den letzten zehn Jahren der Tabakkonsum. Und weniger gekifft wird in dieser Altersgruppe auch. „Wir sind darüber natürlich froh“, so Dyckmans.

Aber: Die Zahl der so genannten Koma-Kids steigt weiter. 2011 wurden insgesamt 26349 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene von 10 bis 20 Jahren wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert – ein Anstieg gegenüber 2010 von 1,4 Prozent. Zum ersten Mal ist die Zahl der Mädchen und jungen Frauen mit Alkoholvergiftungen fünfstellig (10092 Fälle).

Während die Zahl der Drogentoten 2012 auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren ist (944 Tote), bereitet vor allem in Bayern und Sachsen die Droge Crystal Meth immer mehr Probleme. Das billige Rauschgift, das Konsumenten rasend schnell abhängig macht, kommt meist aus Drogenküchen in Tschechien. Von dort aus ist der Weg über die Grenze nach Bayern und Sachsen nicht weit. 75 Kilogramm Crystal Meth stellte die Polizei 2012 sicher, mehr als je zuvor. „Es ist kein bundesweites Problem“, so Dyckmans.

Geradezu eine Flut von neuen Designerdrogen ist mittlerweile in den Ländern der EU angekommen. Auf 237 neue Substanzen stießen die Behörden – sie heißen „Lava Red“, „Atomic Bomb“ oder „Galaxy“. Das Problem: Neue Drogen werden schneller zusammengebaut, als sie verboten werden können. Erst kürzlich brachte die Bundesregierung ein Verbot von 26 Stoffen auf den Weg. Wie Cannabis wirken einige Designerdrogen dämpfend, sollen aber eine bis zu 200-fache Wirkung haben. Andere putschen ähnlich wie Ecstasy auf und machen aggressiv.

Nicht nur Substanzen machen süchtig. Nach dem Drogen- und Suchtbericht gibt es in Deutschland 250.000 krankhafte Glücksspieler. Etwa 560.000 Menschen sollen bereits abhängig vom Internet sein. Tendenz steigend. Denn 2,5 Millionen sind schon zu oft und lange online. Kontrollverlust und Vereinsamung sind vor allem bei Online-Spielen die größten Risiken. Allein 100.000 Jugendliche zwischen 14 und 16 sollen davon abhängig sein.

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