Drei bayerische Städte top Das große Städte-Ranking: In München lebt sich’s am besten

Das Münchner Herzstück. Der Marienplatz mit Rathaus im Vorder- und Frauenkirche im Hintergrund. Auch dieser Anblick trägt dazu bei, dass die bayerische Landeshauptstadt auf Platz 1 des Städte-Rankings liegt. Foto: Fotolia

Die bayerische Metropole verteidigt ihren Titel als attraktivste Stadt Deutschlands. Das liegt vor allem an der hohen Lebensqualität. Welche Gründe der Spitzenplatz noch hat und wer vorne mitmischt.

 

München - Liegt’s am Ruhepol mitten in der Stadt, dem Englischen Garten? An den zahlreichen Biergärten, Konzerten und Museen? An der Nähe zu Seen und den Alpen? Oder doch an der Vielzahl an Arbeitsplätzen? Es sind alle Aspekte zusammen, die München zur attraktivsten Stadt Deutschlands machen. Im Städte-Ranking 2015 von „Wirtschaftswoche“ und Immobilienscout24“ hat die bayerische Landeshauptstadt ihren Spitzenplatz verteidigt. Die Ergebnisse der Studie im Einzelnen:

München

Der Titelverteidiger punktet vor allem im Bereich Lebensqualität (Platz 1). Neben einem breiten sportlichen und kulturellen Freizeitangebot ist auch die medizinische Versorgung mit die beste. Ein Beispiel: Wer zwischen 2010 und 2012 in München geboren wurde, den erwartet ein langes Leben. 82,3 Jahre sind’s im Durchschnitt – zusammen mit Heidelberg und Freiburg der Spitzenwert unter Deutschlands Städten.

Münchner sparen mehr als ihre Stadt: Nur acht Prozent überschuldet

In den Punkt Lebensqualität fließt auch die touristische Attraktivität mit ein. Mit Oktoberfest, Englischer Garten und Residenz lockt München zahlreiche Gäste an. 9,2 Übernachtungen je Einwohner sind’s laut aktuellen Zahlen – das ist der zweite Rang.

Auch in Sachen Kriminalität steht München für eine Millionen-Metropole gut da. Mit 7828 Straftaten je 100 000 Einwohner belegt die Landeshauptstadt Platz 10.

Minuspunkte gibt’s in Sachen Abiturienten. Nur 32,8 Prozent der Mädel und Buben verließen die Schule 2013 mit einem Hochschulzugang (Rang 62). Im Städte-Durchschnitt lag der Wert bei 42,6 Prozent. Auch bei der Verfügbarkeit von Kita-Plätzen hapert es ein bisserl. Für 88,9 Prozent der Kinder zwischen drei und sechs Jahren war 2014 Platz in einer Kita, das bedeutet Rang 60.

Mehr als solide aufgestellt ist München wiederum in der Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt (Plätze 3 und 4). 66,9 Prozent aller Erwerbsfähigen Münchner sind sozialversicherungspflichtig beziehungsweise geringfügig beschäftigt – das reicht für Rang 8. Auffällig ist, dass besonders viele Frauen einen Job haben. Unter den erwerbsfähigen Bürgerinnen gehen gut 57 Prozent einer Arbeit nach (Platz 6).

Auch verdienen tun die Münchner gut. Im Schnitt sind’s 45 446 Euro, der siebthöchste Wert aller 69 Städte. Positiv hervorgehoben wird in der Studie zudem, dass immer mehr Münchner ihr Geld in wissensintensiven Berufen machen.Zwar gibt die Stadt im kommenden Jahr voraussichtlich mal wieder mehr aus, als sie einnimmt (AZ berichtete), ihre Einwohner sind jedoch sparsamer. Nur acht Prozent aller Münchner über 18 Jahre sind privat überschuldet – das ist insgesamt der 9. Rang.

Leichte Abstriche gibt’s in Sachen Autobahnanbindung. Hier taucht München unter den Top 25 überhaupt nicht auf. Spitzenreiter sind Lübeck, Essen und Herne. Dort liegt die durchschnittliche Fahrzeit zur nächsten Autobahn-Anschlussstelle bei nur einer Minute.

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Den ersten Rang belegt die „Weltstadt mit Herz“ beim Immobilienmarkt. Für die Wirtschaft der Stadt ist das gut, für den Geldbeutel ihrer Einwohner allerdings nicht. Wer in München lebt, muss tief in die Tasche greifen. 27,1 Prozent machen die Wohnkosten am monatlichen Einkommen aus – nur Freiburg ist noch teurer. Bei den Preisen für Eigentumswohnungen ist die bayerische Landeshauptstadt sogar das teuerste Pflaster. Satte 4619 Euro waren im zweiten Quartal 2015 je Quadratmeter fällig.

Ingolstadt

Die Audi-Stadt ist der Shooting-Star unter den deutschen Großstädten. Sie liegt im Ranking knapp hinter München und führt die Liste der florierenden Städte an. Ingolstadt hat die höchste Produktivität aller 69 untersuchten Städte. Im Durchschnitt erwirtschaftet jeder Erwerbstätige laut aktuellen Zahlen 117.828 Euro. Auch bei der Arbeitsplatzversorgung liegt sie ganz vorne: 71,1 Prozent der Erwerbsfähigen sind in der Donaustadt beschäftigt.

Die Abgas-Affäre bei VW und Audi bedroht die Auto-Städte

Das spült ordentlich Geld ins Stadtsäckel. 1645 Euro gemeindliche Steuerkraft je Einwohner landeten 2013 in der Stadtkasse – ebenfalls der Spitzenwert im Städte-Vergleich.

Die überragende Bedeutung der Autobauer sei jedoch zugleich ein Risiko, betont Miriam Meckel, Chefredakteurin der „Wirtschaftswoche“: „Wo Autokonzerne stark sind, prosperiert auch die Stadt. Aber wer sich monostrukturell aufstellt, der erlebt auch die Krisen der Branche hautnah mit.“

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Gut möglich, dass Ingolstadt im Städte-Ranking 2016 etwas abfallen könnte. Vieles wird davon abhängen, wie sich der Abgas-Skandal auf Audi und den Mutterkonzern VW auswirken wird. Zumal die Donaustadt in den anderen Bereichen lediglich im oberen Drittel oder gar nur im Mittelfeld mitspielt. Gleiches gilt auch für das im Gesamt-Ranking auf Platz 6 und bei den Aufsteigern auf Rang 2 liegende Wolfsburg.

Erlangen

Das bayerische Spitzentrio komplettiert Erlangen. Grund hierfür ist laut Studie die fränkische Innovationskraft. Mit weitem Abstand liegt die Stadt bei den Patentanmeldungen auf Platz eins, 88,3 Patente kamen 2012 auf 100 000 Erwerbstätige. Obwohl Erlangen gegenüber dem Vorjahr einen Rang verliert, bleibt die Stadt Deutschlands Akademiker-Zentrum. 31,2 Prozent der Beschäftigten hatten 2014 einen Hochschulabschluss.

Die vielen Tüftler sorgen auch für eine hohe Wirtschaftskraft: Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 72 528 je Einwohner schafft es Erlangen auf Rang fünf. Arbeitslos ist dagegen kaum einer: Nur 2,9 von 100 Einwohnern bezogen 2014 Arbeitslosengeld II – der niedrigste Wert von allen Städten.

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Neben Darmstadt ist Erlangen auch in Sachen digitale und vernetzte Wirtschaft sehr gut aufgestellt. Beide Städte haben viele Unternehmen, die sich mit der Industrie 4.0 auseinandersetzen. Hinzu kommen viele Absolventen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Zum Vergleich: München belegt hier den dritten Rang.

Die besten Städte 2015

1. München

2. Ingolstadt

3. Erlangen

4. Stuttgart

5. Frankfurt am Main

6. Wolfsburg

7. Regensburg

8. Ulm 

9. Hamburg

10. Karlsruhe

Die größten Aufsteiger

1. Ingolstadt

2. Wolfsburg 

3. Heilbronn

4. Ludwigshafen

5. Würzburg

6. Braunschweig

7. Regensburg

8. München

9. Berlin

10. Leipzig

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