Drama an der Nordsee Geröllmassen verschütten Kind auf Rügen – Retter geben Hoffnung auf

Rettungskräfte haben an der Nordspitze Rügens auch die Nacht hindurch intensiv nach einem zehnjährigen Mädchen gesucht. Es war bei einem Strandspaziergang von herabstürzenden Geröllmassen begraben worden. Erfolglos wurde die Suche vorerst abgebrochen.

 

Kap Arkona – Nach 20 Stunden Dauereinsatz war es traurige Gewissheit: Für das bei einem Weihnachtsspaziergang an der Steilküste Rügens verschüttete Mädchen gibt es keine Hoffnung mehr. Feuerwehrleute und Angehörige des Technischen Hilfswerkes stellten am Dienstagmittag die Suche nach der Zehnjährigen aus Nordbrandenburg ein.

„Es wird nicht mehr gesucht. Die technischen Möglichkeiten sind ausgeschöpft“, sagte der stellvertretende Landrat Lothar Großklaus (CDU) nach einer Beratung mit den Rettungskräften. Die Entscheidung sei nicht leicht gewesen. „Es ist immer tragisch, wenn man ein so junges Leben aufgibt“, sagte Großklaus. Die Unglücksstelle ist weiträumig abgesperrt.

160 Helfer hatten seit Montagnachmittag am Kap Arkona im Norden der Insel in den herabgestürzten, betonharten Kreide- und Geröllmassen nach dem Kind gesucht und auch das vom Sturm aufgewühlte Küstengewässer kontrolliert. Weil weitere Teile der Steilküste herabzustürzen drohten und der aufziehende Sturm die Arbeiten erheblich erschwerte, wurden die Hilfskräfte abgezogen. Wie Einsatzleiter Daniel Hartlieb sagte, hatten sich am Hang neue Risse gebildet.

Das Mädchen aus Plattenburg in Nordbrandenburg war am Montagnachmittag mit Mutter und Schwester am schmalen Strand unterhalb der Steilküste unterwegs, als sich etwa 3000 Kubikmeter Erdreich aus dem über 30 Meter hohen Kliff lösten. Die Mutter wurde den Angaben zufolge schwer verletzt, die 14-Jährige erlitt leichtere Verletzungen und einen Schock. Beide kamen ins Krankenhaus. Die Suche nach der Zehnjährigen blieb erfolglos.

Auch an einer Stelle, an der in der Nacht Suchhunde angeschlagen hatten, seien die Rettungskräfte nicht fündig geworden, sagte Hartlieb. Wie die Polizei in Neubrandenburg mitteilte, war am Dienstagmorgen auch ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera bei der Suche im Einsatz. Die Besatzung habe zudem die Küste unmittelbar an den Leuchttürmen von Kap Arkona auf weitere bedrohte Stellen hin kontrolliert. Die Entscheidung, die Suche abzubrechen, sei mit Rücksicht auf die Sicherheit der Rettungskräfte getroffen worden, betonte Großklaus.

Jeweils 20 bis 30 Helfer seien unterhalb der Abbruchstelle im Einsatz gewesen. Nur mit Schaufeln ausgestattet, hatten sie sich durch die Erdmassen gekämpft. Nach menschlichem Ermessen sei nicht mehr damit zu rechnen, das Kind lebend bergen zu können, erklärte Hartlieb. Anders als bei Erdbeben, bei denen Opfer oftmals noch Tage später aus Hohlräumen gerettet werden, liegen die Erdmassen stark verdichtet auf dem Strand. Sobald Spuren von dem Kind entdeckt werden, werde die Suche wieder aufgenommen.

Der jüngste Küstenabbruch auf Rügen ist nach Ansicht des Geologen Ralf-Otto Niedermeyer auf die starken Niederschläge im Sommer zurückzuführen. „Ohne Zweifel hat das mit dem Regen zu tun“, sagte der Abteilungsleiter im Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommerns in Güstrow der Nachrichtenagentur dpa. „Das Wasser ist der Motor des ganzen Prozesses.“ Den Menschen könne er für dieses Ereignis von Schuld freisprechen. Es gebe wenig Infrastruktur nahe der Steilküste am Kap Arkona. Der für die Region zuständige Bürgermeister von Putgarten, Ernst Heinemann, zeigte sich erschüttert.

Die Gemeinde habe aus Sicherheitsgründen den Uferweg bereits zur Landseite hin verlegt und auch den alten slawischen Burgwall in unmittelbarer Ufernähe für Besucher gesperrt. Laut Heinemann hatte es an der Unglücksstelle vor rund 100 Jahren zum letzten Mal einen solch großen Erdrutsch gegeben. Das Silvesterfeuerwerk am Kap sagte der Bürgermeister ab. Die Steilküste am Kap Arkona mit seinem historischen Leuchtturm zählt zu den beliebtesten Zielen für Strandspaziergänge auf Rügen.

Auf Deutschlands größter Insel kommt es immer wieder zu unkontrollierbaren Abbrüchen an den Steilküsten im Norden und Osten. Im Februar 2005 war bei Göhren eine Frau von herabstürzenden Geröllmassen begraben worden und gestorben.

 

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