Dotcom startet neues Angebot Kim Schmitz mit neuer Mega-Plattform

Kim Schmitz vor einer Videoleinwand bei der Präsentation seines neues Internet-Speicherdienstes "Mega". Foto: dpa

Kim Schmitz, alias "Dotcom" alias "Dr. Kimble" hat seinen neuen Speicherdienst Mega vorgestellt - wie der Kieler über München nach Neuseeland kommt

 

SYDNEY Trotz der drohenden Auslieferung an die USA hat der deutschstämmige Internetunternehmer Kim Schmitz alias „Dotcom“ einen neuen Online-Speicherdienst gegründet. Am Sonntag startete er seinen neuen Dienst „Mega“, der seine vom FBI geschlossene Internetplattform Megaupload ersetzen soll. Am Abend feierte er den Coup mit einer fulminanten Party in seinem Garten.

Der Startschuss für die neue Website fiel genau auf den ersten Jahrestag der aufsehenerregenden Festnahme Dotcoms in Neuseeland. Er wird der Internetpiraterie in großem Stil beschuldigt, die US-Justiz fordert seine Auslieferung. US-Staatsanwälten zufolge verdiente sich Dotcom mit Megaupload eine goldene Nase, während Filmemacher und Songwriter rund 500 Millionen Dollar (rund 375 Millionen Euro) an Einnahmen für ihr geistiges Eigentum verloren.

"Nicht für Dritte verantwortlich"

Der in Kiel als Kim Schmitz geborene Dotcom argumentiert jedoch, er könne nicht für Urheberrechtsverletzungen von Dritten verantwortlich gemacht werden. Nun will es der exzentrische Unternehmer, der in Neuseeland gegen Kaution aus der Haft entlassen wurde, noch einmal wissen: „Auf die Minute genau vor einem Jahr wurde Megaupload von der US-Regierung zerstört“, twitterte Dotcom zum Start seiner neuen Plattform. „Willkommen bei http://Mega.co.nz !“ Innerhalb der ersten 14 Stunden hätten sich 500.000 Nutzer bei dem neuen Speicherdienst registriert, teilte er mit.

Dotcom dementierte, dass er mit dem neuen Dienst die US-Behörde herausfordern will. Zugleich sagte er bei seiner Party: „Mega wird riesig sein, nichts wird Mega aufhalten.“ Anschließend seilten sich Männer in Polizeiverkleidung von einem Hubschrauber ab und spielten mit Dotcom eine Verfolgungsszene, bevor die Musik begann und Dotcom zum Tanz überging.

Wie auch einst bei Megaupload können Nutzer nun bei Mega große Datenmengen hochladen, speichern und tauschen. Mit einem Speicherplatz von 50 Gigabytes lässt die neue Plattform zudem ähnliche Anbieter wie Dropbox und Google Drive weit hinter sich. Der eigentliche Clou: Mit einer besonders findigen Funktion will sich Dotcom nach eigenen Angaben ein neues Justizdrama um Urheberrechtsverletzungen vom Leib halten und für mehr Privatsphäre sorgen.

Ist Schmitz damit erfolgreich?

Hochgeladene Daten werden bei Mega umgehend verschlüsselt. Und über die entsprechenden Entschlüsselungscodes verfügt nicht etwa die Website, sondern der Nutzer – mit dem Ergebnis, dass Dotcoms Unternehmen keinen Einblick in Inhalte ausgetauschter Daten hat und damit auch nicht dafür haftbar gemacht werden kann. Dotcom gab sich seiner Sache sicher. Wenn jemand etwas Illegales in einen Briefumschlag stecke, werde auch nicht gleich die Post geschlossen, sagte er.

„Er versucht, sich eine zweite Argumentationslinie zurechtzulegen: 'Selbst wenn ich vorher falsch lag, ist das hier schon in Ordnung, denn wie kann ich etwas kontrollieren, von dessen Existenz ich nichts weiß“, sagte der in Sydney ansässige Anwalt Charles Alexander über Dotcom. „Ich kann das Argument zwar nachvollziehen. Ob es erfolgreich sein wird, steht aber auf einem anderen Blatt.“

US-Staatsanwälte wollten sich zunächst nicht zu Dotcoms neuem Internetprojekt äußern. Sie verwiesen nur auf ein Gerichtsdokument: Demnach hatte der Unternehmer in seinem Kautionsantrag versichert, bis zu einer Einstellung des Strafverfahrens kein neues Geschäftsmodell im Stile von Megaupload starten zu wollen.

 Kim Schmitz, auch genannt Dr. Kimble, war einst Shooting-Star der viel New Economy. Anfang der 90er Jahre fing er als Computer-Hacker an, klickte sich in die Firmen-Datennetze. Für viel Geld verkaufte er die Sicherheitslücken. Er gründete seine Firmen "Kimvestor AG", "Monkey" und verdiente Millionen. Sein größter Coup: Er durchbrach die Sicherheitslücken am Münchner Flughafen, hüpfte auf der Tragfläche eines Jumbos herum und ließ sich im Cockpit fotografieren.

1994 stand er wegen Computer-Betruges vor Gericht. Mit einem Hackertrick wollte er die Telefongebühren beim Surfen sparen. Urteil: Zwei Jahre Gefängnis auf Bewährung.

Er setzte ein Kopfgeld auf Bin Laden aus

Danach machte er als Playboy Schlagzeilen. Mit Dieter Bohlens "Teppich-Luder" Janina (21) flog er zu schönen Stränden, machte bei Auto- Rennen mit und setzte zehn Millionen Dollar Kopfgeld auf Osama bin Laden aus.

Mit dem Niedergang der Hightech-Kurse am Neuen Markt sank auch der Stern von Kim Schmitz. Als die "Telebörse" im Februar 2001 titelte: "Kims Märchen", zogen sich seine Geschäftspartner zurück.

2002 wurde in München wegen Insiderhandels zu 20 Monaten auf Bewährung und 100 000 Euro Geldstrafe verurteilt. Dr. Kimble tauchte ab, in Richtung Hongkong. Dann kaufte er in Neuseeland 2010 das überaus noble Chrisco Mansion mit sechs Schlafzimmern, Tennisplatz, Pool und tropischem Aquarium - angeblich für 15 Millionen Dollar.

tha/Kristen Gelineau

 

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