Dortmund auf Distanz gehalten Duell der Taktik-Experten: Schachmeister!

Taktik-Fuchs Guardiola führt seine "Schachfiguren" wahrscheinlich zum dritten Mal zur Meisterschaft. Foto: dpa/AZ

Nach dem 0:0 der beiden Taktik-Experten Guardiola und Dortmunds Tuchel scheint das Titelrennen zugunsten des FC Bayern entschieden. Womöglich gibt’s ein Wiedersehen – schachmatt inklusive.

 

Ein Bauer, sprich ein Spieler vor, einer zurück. Und den König, das eigene Tor, immer gut absichern. Während das Duell um die Krone des deutschen Fußballs zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern am Samstagabend in den ersten 30 Minuten durch risikosuchende Eroberer-Figuren wie Läufer, Springer oder Turm bestimmt war, zog Großmeister Thomas Tuchel danach seine Mannen etwas zurück. Großmeister Pep Guardiola war am Zug, doch das Unentschieden reichte den Seinen. Der Herausforderer hätte schließlich gewinnen müssen, um den Fünf-Punkte-Abstand zu verkürzen. Keiner war hinterher am Boden, keiner schachmatt.

Muss man beiden Mannschaften dieses tatsächlichen Top-Top-Top-Top-Spitzenspiels nach diesem 0:0 gratulieren? Ja, muss man. Kann man dem FC Bayern nun, da der Abstand an der Tabellenspitze stabil geblieben ist, vorzeitig Glückwünsche zur Meisterschaft aussprechen? Ja, kann man.

Wer zweifelt noch am Titel für die Bayern?

Vorzeitige Glückwünsche zur Meisterschaft nehmen die Bayern, vornehmlich Guardiola, nicht an. Als der Spanier in Dortmund gefragt wurde, ob dies die Entscheidung im Titelrennen gewesen sei, antwortete er genervt wie sarkastisch: „Im November!“ Der 45-Jährige ließ den Interviewer des ZDF stehen, verärgert darüber, dass die Journalisten nach der besten Saisonphase im Herbst den Bayern schon zur 26. Meisterschaft gratuliert hatten. Doch wer zweifelt nach der abgewehrten BVB-Attacke noch am vierten Titel hintereinander, dem dritten im dritten Jahr unter Guardiola?

Noch im Herbst hatten die Bayern die Schwarz-Gelben mit 5:1 aus der Allianz Arena geschossen, nun zeigte der BVB, welche Fortschritte man seit Oktober gemacht hat. Nach dem 0:0 sagte Guardiola voller Bewunderung: „Wenn der BVB nicht existieren würde, wäre Bayern München schon Deutscher Meister. Und wäre Bayern nicht da, wäre der BVB Meister.“ So ist es.

„Es bleibt spannend und wir stehen auf jeden Fall bei jedem Bundesliga-Spiel weiter unter Druck“, sagte Thomas Müller, „ein bisschen sind auch die restlichen Spiele in der Bundesliga wie kleine Finals.“ Noch neun Spiele. Bayern müsste davon zwei verlieren – und der BVB im besten Fall ja alle restlichen Partien gewinnen, um auf die maximale Punktzahl zu kommen. Die Dortmunder, so Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer „bleiben gefährlich“. Er sagte: „Wir haben es selber in der Hand, sollten aber schön bescheiden bleiben.“

Tempo. Taktik. Tempowechsel. Taktikwechsel.

Zurück zum Spiel, zum Rasenschach zweier Trainer, denen dieses facettenreiche und taktisch hochwertige 0:0 besser gefallen hat als etwa ein fehlerhaftes, spektakuläreres 2:2. Schon in der Halbzeitpause sprach Bundestrainer Joachim Löw vom „besten Spiel, das ich in dieser Saison gesehen habe“. Tempo. Taktik. Tempowechsel. Taktikwechsel – dieser deutsche Clásico hatte alles, Werbung für die Liga inklusive.

„Es war ein gutes Spiel, für den FC Bayern, für den BVB, für die Zuschauer, für den deutschen Fußball“, meinte Guardiola und sein Gegenüber Tuchel, der Taktik-Bruder im Geiste, sagte: „Es war ein Genuss, dieses Spiel zu coachen.“ Er geriet derart ins Schwärmen, dass er die Essenz eines jeden Spiels für überflüssig erklärte: „Das Ergebnis interessiert mich heute nicht.“ Auch der Punkterückstand sei ihm egal. Trainern wie Guardiola oder Tuchel bedeutet das „Wie“ einer Partie mehr als das Resultat. Die Trainer, ganz auf einer Wellenlänge, verteilten Komplimente. „Bayern ist mit Barcelona die beste Mannschaft, mit dem besten Trainer“, sagte Tuchel. „Was uns fehlt? Alles. Von allem ein bisschen. Sie spielen seit Jahren auf diesem Niveau, lassen nicht locker über 90 Minuten.“

Vielleicht sehen sich die beiden Trainer mit ihren Teams noch einmal, im Pokalfinale von Berlin am 21. Mai. Es wäre ein würdiger finaler Showdown der Saison. Dann muss einer der Großmeister schachmatt gehen. Patrick Strasser

 

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