Diskussion über autonomes Fahren Das Auto ohne Lenkrad

Hände weg vom Lenkrad! Beim Elektro-Flitzer Tesla Model S ist das nach einem Software-Update bereits teilweise möglich. Foto: ADAC

Beim „Goslar Diskurs“ diskutieren Experten über den Hype ums autonome Fahren und dessen Folgen. Dabei wird klar: Es ist noch sehr viel zu regeln.

 

Goslar - Wer trägt die Schuld, wenn ein autonom, also ohne Zutun des „Piloten“ fahrendes Auto einen Unfall verursacht – und wer muss dieses Risiko finanziell absichern? Ist es richtig, dass die selbstfahrenden Pkw die Unfallzahlen gegen Null bringen werden? Und: Wie lange wird es denn noch dauern, bis Autos ohne – dann überflüssiges – Lenkrad ausgeliefert werden? Mit diesen Fragen beschäftigte sich jetzt die Experten-Podiumsdiskussion „Goslar Diskurs“ am Rande des Verkehrsgerichtstags.

Der Weg vom heutigen, von elektronischen Assistenzsystemen unterstützten, bis zum vollautomatisierten Fahren ist noch reichlich lang, so Bosch-Bereichsvorstand Gerhard Steiger. Seine Prognose: Zwar werden bereits ab Anfang des nächsten Jahrzehnts Autos von einer Autobahneinfahrt bis zur gewünschten Ausfahrt autonom fahren. Das komplett selbstfahrende Auto, das Tesla-Chef Elon Musk bereits 2018 anbieten will, sieht Steiger aber frühestens Mitte, eher Ende der nächsten Dekade auf uns zurollen.

Eine der großen Hoffnungen im Zusammenhang mit dem autonomes Fahren ist die auf drastisch sinkende Unfallzahlen, auf letztlich null Verkehrstote. Klingt eigentlich logisch angesichts der Tatsache, dass derzeit rund 90 Prozent der Unfälle von Menschen verursacht werden. Doch HUK Coburg-Vorstandsmitglied Klaus-Jürgen Heitmann dämpfte allzu große Erwartungen. Die wenigsten Unfälle gebe es auf der Autobahn, dem Ersteinsatzgebiet der „Autonomen“, die meisten davon in der Stadt. Heitmann deshalb rechnet nur mit einem sehr langfristigen Rückgang der Unfallzahlen.

Grundlegend verändern wird sich angesichts immer intelligenterer Autos die Frage der Haftung bei Unfällen. Während Heitmann eine Lanze für die Halterhaftung brach und sie als die beste Variante im Sinne der Unfallopfer bezeichnete, verwies Anwalt Thomas Funke auf das laufende Gesetzgebungsverfahren, nach dem das Übertragen der Fahrzeugführung auf den Computer legal und keine Fahrlässigkeit sein soll. Das würde ganz klar eine Verlagerung der Verantwortung auch für Unfälle auf den Hersteller oder den Importeur bedeuten.

„Daten sind das neue Gold, jetzt ist der Streit um die Schürfrechte entbrannt!“ So skizzierte Auto-Experte Guido Reinking die aktuelle Diskussion um die Frage, wem die von modernen Autos in Massen generierten Daten denn nun eigentlich gehörten und wer sie nutzen dürfe. Versicherungen sind natürlich besonders erpicht darauf, über das Fahrverhalten und die Fahrziele ihrer Kunden informiert zu sein, um Risiken und damit zu erwartende Kosten besser kalkulieren zu können. So will die HUK Coburg laut Klaus-Jürgen Heitmann in Kürze einen auf diesen Informationen basierenden, niedrigeren Tarif für Fahranfänger anbieten. Das Problem: Derzeit müssen die Versicherer noch eine eigene Datenerfassungs-Box installieren, weil die Hersteller sie nicht an die Bord-Daten ranlassen wollen.

 

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