Diesel und Mildhybrid kombiniert Test: Der Volvo XC90 als schwedischer Teil-Elektriker

Der Volvo XC90 ist dank Allradantrieb auch auf Schotter und souverän unterwegs. Foto: Rudolf Huber

Auch wenn die halbe Welt auf das SUV einprügelt: Die andere Hälfte steht auf Gefährte wie den Volvo XC90. Wir haben anhand des neuen Diesel-Mildhybrids ausprobiert, warum das so ist.

 

München - Volvo fährt voll auf der Elektro-Schiene. Eine Million elektrifizierter Fahrzeuge der Marke sollen bis zum Jahr 2025 unterwegs sein. Damit gemeint sind hauptsächlich um hybridisierte Verbrenner wie zum Beispiel unser Test-Bolide, der XC90 B5. Der hieß mal D5, was auf seinen Zweiliter-Dieselmotor hinwiest. Jetzt wurde er umgetauft und ist mit einem integrierten Startergenerator (ISG) und einer Lithium-Ionen-Batterie ausgestattet. Die E-Maschine des ISG rekuperiert beim Bremsen Strom in den Akku und liefert beim Beschleunigen zusätzliche Power.

Bis zu 14 PS und 40 Nm Extra-Drehmoment stehen so zur Verfügung, um den 2,2-Tonner in Schwung zu bringen. Die Auswirkungen des Turbolochs, die beim Volvo-Dieselantrieb bauartbedingt sowieso ziemlich gering sind, lassen sich damit noch ein Stück weiter ausmerzen. Ab etwa 1500 Touren geht es durchaus zügig voran, immerhin sorgen ja zusätzlich zur E-Power noch zwei unterschiedlich große Turbolader fein aufeinander abgestimmt für Druck auf dem Antriebsstrang. Für die Statistik: Die 235 PS und die 480 Nm plus die Power vom ISG sind für 220 Sachen Spitze und 7,6 Sekunden beim 0-bis-100-Spurt gut. Der vergleichsweise dezente elektrische Extra-Schub wird dabei so in den munteren Beschleunigungsvorgang integriert, dass er nicht extra auffällt.

Volvo XC90 im Test: Reichweite 900 Kilometer

Einen segensreichen Einfluss hat der Mildhybrid im fürs Modelljahr 2020 optisch sanft verjüngten großen Volvo-SUV (Länge 4,95 m / Breite ohne Spiegel 1,93 Meter Höhe /1,78 Meter) auf alle Fälle beim Stop-und-Go-Betrieb. Denn dank der Unterstützung vom ISG springt der Selbstzünder nach dem Halt im Stau oder an der Ampel so sanft und weich wieder an, dass es im bestens isolierten Innenraum eigentlich nur an der Bewegung des Drehzahlmessers zu erkennen ist. Wer es zügig, aber nicht übertrieben rasant angehen lässt, ist mit rund 7,5 Liter Diesel dabei – das ist etwas weniger als bei einem früheren D5-Test und ermöglicht dank des 71-Liter-Tanks in der Praxis beruhigende Reichweiten um die 900 Kilometer.

Volvo XC90: Was will der SUV-Fan mehr?

Das passt, vor allem, weil sich der XC90 sowieso als Untersatz für die weiten Strecken empfiehlt. Gute Sitze, luxuriöse Ausstattung, sehr viel Platz, auf Wunsch wie im Testwagen sogar sieben Sitze – was will der SUV-Fan mit dem entsprechenden Budget mehr? Klar: Der will auch noch eine ordentliche Konnektivität, einen guten Sound, angenehme Materialien. Auch das bietet der große Schwede. Und dazu neben der für Marken-Neulinge nicht wirklich simplen Bedienung über den hochkant gestellten 9-Zoll-Touchscreen mit seinen vielen Menüs und Untermenüs auch noch das, wofür Volvo sprichwörtlich steht: viel Sicherheit, dank einer ganzen Phalanx an Helfern rundum. Hier macht den Schweden wirklich niemand etwas vor.

Volvo XC90 im Test: Allrad-Antrieb und 8-Gang-Automatik

Dass ein 2,2-Tonner kein Sportwagen ist, weiß jedes Kind. Und, dass ein hochbeiniges SUV bei sehr schnellen Kurven irgendwo an seine physikalischen Grenzen stößt ebenso. Wer gerne munter unterwegs ist, ohne es zu übertreiben, wer oft lange Strecken bewältigt und viel Platz braucht, ist jedenfalls mit dem XC90 sehr gut bedient. Allrad-Antrieb hat der Schwede auch noch an Bord, das erfreut besonders im Winter. Ein Satz noch zur 8-Gang-Automatik: Sie macht ihre Sache wirklich gut.

Aber jetzt muss doch noch mal das verfügbare Budget zur Sprache kommen: Der getestete und bereits ziemlich fein ausstaffierte XC90 B5 Mildhybrid AWD Inscription ist ab 71.950 Euro zu haben, die zwei zusätzlichen Sitze kosten 1.500 Euro. Und dann könnte man sich ja noch das Sensus Connect Infotainment-System mit der feinen Bowers & Wilkins-Anlage (2640 Euro) gönnen. Oder Dachhimmel und Türsäulen mit Nubuk-Textil-Bespannung (1.800 Euro), das adaptive Luftfahrwerk (2.270 Euro) oder sonstige Feinheiten. Gut 90.000 Euro Gesamtpreis sind für den noblen Schweden jedenfalls mit Leichtigkeit möglich.

 

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