"Die Wiesn? Fasching!" Warum Prinz Luitpold von Bayern das Oktoberfest nicht mag

Wiesn-Touristen mit "lustigen" Filzhüten, die offenbar niemals aus der Mode kommen. Prinz Luitpold von Bayern (r) kann damit nichts anfangen. Foto: imago/AZ

Der Kaltenberger Bier-Prinz Luitpold von Bayern erzählt, warum er die Wiesn eher meidet – und was sich ändern müsste.

 

AZ-Interview mit Prinz Luitpold von Bayern: Der 68-Jährige ist Urenkel des letzten bayerischen Königs Ludwig III. und lebt auf Schloss Kaltenberg. Er ist Inhaber der König-Ludwig-Brauerei, veranstaltet seit 1979 das Rittertunier und hat 2011 die Porzellanmanufaktur Nymphenburg übernommen. Da Herzog von Bayern und sein Bruder Max in Bayern keine männlichen Nachkommen haben, ist er der kommende Chef des Hauses Wittelsbach.

Das erste Oktoberfest wurde zu Ehren seines Ur-Ur-Großvaters, König Ludwig I. veranstaltet. Heute geht Prinz Luitpold von Bayern eher ungern auf die Wiesn.

AZ: Prinz Luitpold, die Wiesn ist für Sie ja historisch fast ein Familienfest. Wie oft gehen Sie heuer aufs Oktoberfest?
PRINZ LUITPOLD: Vielleicht ein, zwei Mal. Ich gehe nur noch selten und bin immer froh, wenn ich wieder runter bin vom Oktoberfest.

Woran liegt das?
Das Oktoberfest ist heute mehr Fasching als Volksfest. Ich hatte vor ein paar Jahren ein Schlüsselerlebnis. Da bin ich mal am Abend durch alle Wiesnzelte gelaufen. Damals konnte man das noch einfach so. In allen Zelten waren unglaublich viele Touristen, in vier davon lief der gleiche amerikanische Schlager. Bei so einem Fasching muss ich nicht dabei sein.

Und wie schaut es mit der Oidn Wiesn aus?
Die ist wirklich ganz schön, aber eben nur sehr klein und eigentlich nicht mehr als ein Placebo-Effekt.

Fühlen Sie sich durch die vielen Touristen auf der Wiesn gestört?
Nein, es ist ja schön, dass Leute daran teilhaben wollen. Aber das Oktoberfest sollte erst mal ein Volksfest, also ein Fest für das Volk sein, und kein Touristenmagnet. Wenn ich dann Leute in Plastiklederhosen und mit diesen Bierhüten sehe, wo der Zapfhahn quasi aus dem Kopf rausragt...

Ärgern Sie sich über die schlechten Trachten?
Ich glaube, ein bisschen muss man das auch mit Humor sehen. Aber dennoch, vor kurzem las ich, dass sich Kinder zu Fasching nicht mehr als Indianer verkleiden, weil das von der ethnischen Gruppe als Beleidigung gesehen werden kann. Da frage ich mich, ist es nicht auch eine Beleidigung für unsere bayerische Kultur, wenn da Leute mit Plastiklederhosn und Bierfasshut rumlaufen? Ich sage nicht, dass man das so sehen muss, aber man sollte darüber nachdenken.

Print Luitpold von Bayern: Die Münchner können sich die Wiesn nicht mehr leisten

Viele klagen ja, dass nur noch wenige Münchner auf die Wiesn gehen. Woran liegt’s?
Weil die sich das ja kaum noch leisten können. Nehmen Sie mal eine ganz normale Familie mit zwei Kindern. Damit die einen schönen Tag auf dem Oktoberfest haben können, mit Fahrgeschäften, Getränken und Essen, sind sie fast 200 Euro los. Das können sich viele einfach nicht leisten.

Wiesnchef Clemens Baumgärtner sagt, die Diskussionen über die hohen Preise auf der Wiesn ärgern ihn. Man solle mehr auf die Qualität achten.
Es ist einfach eine Lüge zu sagen, "es geht nicht günstiger". Natürlich geht es günstiger. Kommerziell ist der Bierpreis natürlich richtig, er könnte sicher höher sein, aber das Oktoberfest sollte eben mehr sein als nur Kommerz.

Sehen Sie die Verantwortung für die hohen Preise bei den Wiesnwirten?
Nein, nicht nur. Die Wirte haben das Problem, dass sie sich jedes Jahr neu für ein Zelt bewerben müssen. Damit machen sie sich erpressbar. Wer lang genug sucht, kann bei jedem Wiesnwirt etwas finden, was nicht in Ordnung ist. Das heißt, wenn die Stadt einen Wirt nicht mehr will, dann ist es kein Problem, ihm wegen irgendeines kleinen Fehlers die Lizenz zu entziehen. Die Wirte müssen also auch immer Geld auf die Seite legen, falls mal was schiefgeht. Die Wirte machen sehr viel Geld, das stimmt. Dennoch sind nicht nur sie für die hohen Preise verantwortlich.

Bei wem liegt also die Verantwortung?
Die liegt vor allem bei der Stadt. Fahren Sie mal in eine kleinere Gemeinde. Da gibt es Volksfeste, die zum Beispiel ihre Senioren zum Essen und Trinken einladen. So etwas ist wichtig. In München gibt es natürlich auch solche Aktionen, aber die wirken sich nicht auf das ganze Fest aus.

Wollte die Stadt wollte kein König-Ludwig-Bier auf dem Oktoberfest?

Warum glauben Sie, dass die Stadt das nicht öfter macht?
Aus harten wirtschaftlichen Interessen. Die Stadt verdient mit dem Oktoberfest viel Geld. Und genauso die Brauereien. Da gibt es wenig Interesse, etwas zu ändern.

Sie sprechen die Brauereien an. Sie wollten ja selbst mal ein Wiesnzelt mit Bier beliefern.
Ja, das stimmt. Ich wollte ein Wiesnzelt mit unserem König-Ludwig-Bier beliefern. Das habe ich inzwischen aufgegeben. Die Stadt hat alles daran gesetzt, das zu verhindern.

Inwiefern?
Sie hat zum Beispiel die Betriebsvorschriften geändert. Als ich mich beworben habe, hieß es noch, man muss eine Münchner Brauerei sein. Was das genau hieß, war aber nicht aufgeführt. Dann haben wir eine mobile Brauerei in unser Festzelt integriert. Die hätte genug Bier direkt auf der Theresienwiese brauen können.

Die Stadt hat Sie abgewiesen.
Genau. Das war zwar ohne offizielle Begründung, doch auf Nachfrage wurde uns mitgeteilt "Mit sowas, da könnte ja jeder kommen." Wir bauten dann eine kleine stationäre Brauerei ins Bamberger Haus ein...

...hatten Sie damit Erfolg?
Nein, leider auch nicht. Beim Bamberger Haus wurde uns baurechtlich wegen Lieferverkehr der Verkauf außer Haus verboten. Damit galt die Brauerei als "nicht leistungsfähig". Uns wurde mitgeteilt, dass die Stadt zur Klarstellung die Zulassungsvorschriften geändert hat. Es seien nur leistungsfähige Münchner Traditionsbrauereien zugelassen.

Keine Chance für eine neue Brauerei, die Wiesn zu beliefern...
...genau. Doch es gibt einen Weg für neue Brauereien, das Oktoberfest zu beliefern. Zum Beispiel auch für die Giesinger Brauerei, die ja auch auf ein Wiesnzelt spekulieren.

Wie funktionierte das?
Kartellrechtlich ist es nicht legal, was die Stadt da macht. Wenn Giesinger in den kommenden Jahren mal klagt, könnten sie ein Wiesnzelt beliefern.

Die Stadt könnte ja sagen: "Da könnte ja jeder kommen!"
Auf dem Oktoberfest gehören die meisten Zelte ja eh einer der etablierten Brauereien. Bei den Zelten würde sich also gar nichts ändern. Und die Wirte der anderen Zelte haben ja meist auch einen Vertrag mit einer der großen Brauereien. Wenn die Wiesn für andere Brauer geöffnet würde, gäbe es vielleicht zwei, drei kleine Zelte, die mit deren Bier beliefert werden könnten. Wäre das ein Drama? Sicher nicht.

Luitpold von Bayern: Münchner Brauereien brauchen keinen besonderen Schutz

Müssen die Münchner Biere von der Stadt nicht auch ein bisschen geschützt werden?
Nein, das glaube ich nicht. Die Brauereien Spaten, Löwenbräu und Franziskaner gehören zu Anheuser-Busch, und sind somit Teil des weltweit größten Bierkonzerns. Und Paulaner und Hacker-Pschorr gehören zu 30 Prozent Heineken. Dass diese Brauereien besonderem Schutz bedürfen, glaube ich nicht.

Warum glauben Sie, dass die Stadt die Brauereien trotzdem schützt?
In der Stadt verdienen alle Geld mit den Brauereien. An den Brauern hängen viele in der Stadt wirtschaftlich dran. Zuliferer, Wirtshäuser und durch Sponsoring auch Vereine. Das hat natürlich auch einen Effekt auf die Stadträte. Da legen viele Wert auf eine gute Beziehung mit den Brauereien.

Was müsste sich ändern, damit Sie auch wieder lieber aufs Oktoberfest gehen?
Es müsste wieder zum Volksfest werden. Es gibt ja auch viel, was auch heute noch schön ist. Man muss aber drauf achten, dass das Oktoberfest nicht vollends zum Fasching verkommt. Man muss alle Bürger – gerade auch die sozial-schwachen – mitnehmen. Das Oktoberfest muss ein Fest für alle Bayern sein.

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