Die "Waldkuh" hat gut zugelegt Fünf Jahre danach: So geht's Kuh Yvonne heute

Ende einer 100-tägigen Flucht: Am 2. September 2011 wird die widerspenstige Yvonne von Aiderbichl-Mitarbeitern eingefangen. Foto: dpa

Mit ihrer spektakulären Flucht machte die „Waldkuh“ 2011 international Schlagzeilen. Jetzt frisst sie in Deggendorf ihr Gnadenheu, was sich auch auf der Waage bemerkbar macht.

 

Deggendorf – Zugegeben: Sie hat ein bisschen zugelegt, mindestens 50 Kilo. Aber es geht ihr gut. Yvonne, die vor fünf Jahren als „Waldkuh“ Schlagzeilen machte, lebt bei gutem Futter auf dem Gnadenhof Gut Aiderbichl in Deggendorf. Sie war 2011 vor der Schlachtbank geflohen und hatte sich fast 100 Tage im Wald versteckt. „Es geht ihr blendend“, sagt Aiderbichl-Sprecherin Sonja Großmann.

Yvonne, die im Juli elf Jahre alt wird, teile den Stall mit ihrer „Familie“: Das sind die Söhne Friesi und Orki, Schwester Waldtraut und Neffe Waldi. Viele Besucher kämen, um die berühmte Kuh zu sehen. Neben Gras, Äpfeln und Karotten schätzt Yvonne eine Art Müsliriegel: „Ein Müsli mag sie sehr gern“, sagt Aiderbichl-Mitarbeiter Hans Wintersteller, der seinerzeit für Yvonne wochenlang durch den Wald streifte und den Kontakt zu ihr sogar über ein Medium herzustellen versuchte. Das Müsli bestehe aus gepressten Haferflocken, Heu und Karotten. „Es ist ein Spezialmix für Rinder.“

Das leckere Fressen schlägt auf die Hüften. Yvonne wiegt jetzt etwa 600 Kilo. „Für eine Kuh mit der Statur ist das gar nicht übergewichtig.“ Bei ihrer Flucht sei sie ständig in Bewegung und durchtrainiert gewesen. „Sie ist ja nur gelaufen, gelaufen, gelaufen.“ Yvonnes jetzige Weide ist 30 mal 30 Meter groß. Begrenzter Auslauf. Kühe, so heißt es beim Bauernverband, laufen nicht sehr viel und sind grundsätzlich ganz gern zuhause im Stall. „Eine Kuh ist Herdentier und sucht Schutz. Sie fühlt sich in ihrem Stall wohl“, sagt Sprecherin Anni Neu.

"Yvonne" sollte nach ihrer Flucht abgeschossen werden – das löste Protest aus

Die ehemalige Milchkuh „Yvonne“, die damals noch auf den Namen Angie hörte, war im Mai 2011 aus Kärnten nach Bayern verkauft worden. Und wollte nicht in den Stall. Dem neuen Besitzer, der sie angeblich irgendwann schlachten wollte, entkam sie gleich bei der Ankunft. Dass ein Rindvieh entwischt, ist nicht ungewöhnlich. Eines schaffte es 2014 in München vom Schlachthof bis zur Wiesn, wo es nach einer Kollision mit einer Joggerin von der Polizei erschossen werden musste. Yvonne lief jedoch schnurstracks in den Wald – und fiel dort wochenlang nicht besonders auf. Erst als sie beinahe in einen Streifenwagen rannte, wurden die Behörden aufmerksam. Yvonne war plötzlich ein Sicherheitsrisiko.

Das Landratsamt Mühldorf ordnete den Abschuss an, aus Sicherheitsgründen. Die Verfügung sorgte weit über Deutschlands Grenzen hinaus für Empörung. Helfer von Gut Aiderbichl schwärmten aus, die Kuh zu retten. Futter, der flotte Ex-Zuchtstier Ernst, Schwester Waldtraut, Pferde, Dackel Mirko, ein Spurensucher und das Medium: Mit immer neuen Mitteln versuchten die Aiderbichler, die Kuh mit der Ohrmarke 6403 zu fangen. Doch Yvonne narrte die Verfolger, versteckte sich im Unterholz – und sorgte für Riesenrummel. Mit Helikopter, Wärmebildkamera und Geländewagen suchten Wintersteller und andere Helfer Yvonne, vergeblich.

Die Waldkuh gewann immer mehr Fans

Immerhin fanden die Tierschützer frische Spuren: Einmal meldeten sie einen maximal einen Tag alten Kuhfladen, ein andermal einen umgerannten Zaun. Der örtliche Jagdpächter Erich Loserth, sprach von „Klamauk“: „Die ganze Region ist bedeppert.“ Dabei wuchs die Fangemeinde im Internet, es gab T-Shirts mit der Forderung „Esst mehr Gemüse! Freiheit für Yvonne!“ Und Lieder. „Hey Yvonne, du wuide Kuh, lebst im Wald, wuist nur dei Ruh“, sang die „Gnadenkapelle“. Ihre Anhänger feierten sie als freiheitsliebend und unbeirrbar – ein bisschen wie der Braunbär Bruno, der fünf Jahre zuvor durch Bayerns Wälder gestreift war.

Bei Yvonne brachten immerhin die schon bei Bruno erwogenen Fangmethoden Erfolg: Am 2. September wurde sie von dem ehemaligen Münchner Tierparkdirektor Henning Wiesner und Aiderbichl-Mitarbeitern mit Hilfe von Betäubungspfeilen und Haltegurten eingefangen. „Sie ist auch heute noch eine sehr selbstbewusste Kuh“, sagt Sonja Großmann von Gut Aiderbichl. „Sie ist sehr dominant.“ Ihre ungestüme Art hatte allerdings medizinische Gründe. „Ein Facharzt hat sie untersucht und festgestellt: Sie hatte eine Zyste an den Eierstöcken und eine zu hohe Hormonproduktion. Dadurch war sie extrem wild.“

 

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