Die Vision vom autonomen Fahren Mercedes-Benz gestaltet mobilen Lebensraum

So sieht der Mercedes-Benz F 015 aus. Kein Auto, sondern eine "Quality Time Machine" Foto: Daimler

Beim autonomen Fahren wird das Auto der Zukunft zum fahrenden Wohnzimmer oder Büro - so verspricht es zumindest eine aktuelle Werbekampagne. Den Endverbraucher dürften vor allem zwei Aspekte der selbstfahrenden Autos beschäftigen: Sicherheit und Preis.

 

Visionen haben in der Automobil-Branche eine lange Tradition: Touchscreens, Abstandsradar, Tempomat, Einparkhilfen, schlüssellose Zündung, sprechende Bordcomputer - viele technische Entwicklungen, an die wir uns heute längst gewöhnt haben, wirkten noch vor Jahren wie Science-Fiction. Über allem thront dabei die eine, ganz große Vision vom autonomen Fahren. Das ist nicht nur reinem Fortschrittsstreben geschuldet, sondern auch eine gesellschaftliche Notwendigkeit: Immer mehr Menschen verbringen immer mehr Zeit in Fahrzeugen. Selbstfahrende Autos werden damit zum erweiterten privaten Lebensraum.

Ob es bald selbstfahrende Autos geben wird, ist dabei nicht länger die Frage - es geht nur noch um das wann. Mercedes-Benz etwa unternahm 2013 die erste autonome Langstreckenfahrt mit dem S 500 Intelligent Drive in Deutschland. Auch im US-amerikanischen Straßenverkehr wurde das Auto bereits getestet. Das mit acht Radarsystemen und drei Kameras ausgestattete System des Fahrzeugs sammelt und verarbeitet in Sekundenbruchteilen Informationen aus seiner Umwelt - und reagiert entsprechend.

Das Auto der Zukunft ist eine "Qualitäts-Zeitmaschine"

Allerdings geht es nicht nur darum, die technischen Voraussetzungen für solch ein Auto und eine Eingliederung in den Straßenverkehr zu gewährleisten, sondern das grundlegende Verständnis eines PKWs neu zu definieren. Mercedes-Benz etwa will das Fahrzeug zur "Quality Time Machine" umfunktionieren, wie eine neue Werbekampagne zum Modell F 015 zeigt. Dabei wird das Auto der Zukunft zum mobilen Lebensraum, in dem wir arbeiten oder sinnvoll Zeit mit unserer Familie verbringen können: Auf dem einstigen Fahrersitz thront das aufgeregt-vergnügte Kleinkind, im Fonds arbeitet - und schläft später - der Papa. Das Auto gleitet indes automatisch durch die Straßen einer nächtlichen Metropole.

Jetzt gilt es, die potentiellen Kunden vom Konzept des mobilen Lebensraums zu überzeugen. Auf Seiten der Menschen muss das Vertrauen in die technischen Fähigkeiten der Systeme noch wachsen. Zwei Themen dürften die Endverbraucher dabei besonders beschäftigen: Sicherheit und Preis. Von Ersterem dürften sich Käufer relativ einfach überzeugen lassen. Experten gehen davon aus, dass selbststeuernde Fahrzeuge die Zahl der Verkehrsopfer senken werden. Und auch der finanzielle Aufschlag soll sich in Grenzen halten. Prof. Dr. Ralf Herrtwich, der Leiter "Autonomes Fahren" bei Daimler, prognostizierte kürzlich in der "Welt" für die S-Klasse "2000 bis 4000 Euro" zusätzlich Kosten, je nachdem wie autonom man unterwegs sein will. Allerdings soll sich mit den Roboter-Autos der Spritverbrauch deutlich senken lassen.

 

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