Die Stunde kostet 150 Euro Nobel-Bordell am Frankfurter Ring: So ist der neue Leierkasten

Passenderweise ganz in rot: Die Fassade des Leierkastens am Frankfurter Ring. Was sich im Inneren abspielt sehen Sie in der Klickstrecke. Foto: dpa

Das legendärste Laufhaus Münchens ist saniert. Was alles neu ist - und was Sex und Getränke kosten.

Milbertshofen - Ein Arbeiter saugt den Teppich, ein Handwerker rollt einen Kühlschrank herein. Draußen zischelt der Rasensprenger, innen hängt noch der Duft von Lack und Holzspänen in den Gängen. Es riecht eher nach Ikea als nach Bordell. Und das im Leierkasten.

 

Bis vor kurzem war das Laufhaus am Frankfurter Ring so heruntergekommen wie eine Rostlaube: außen vergilbt, innen alt und verbraucht. Jetzt prangt ein neues Logo an der weinroten Fassade, Böden und Toiletten sind aus schwarzem Granit. Die Wände sind knallrot, überm Kopf hängen Deckenleuchter. Oder Spiegel.

Die Zimmer sind größer geworden, neben dem Doppelbett passt ein Schrank. An der Wand hängt ein Flachbildfernseher neben der Tür zum Bad mit bodenlanger Regen-Dusche.

Neun Monate hat der Umbau gedauert, seit Sonntag ist der Leierkasten geöffnet. Bis zu 50 Frauen arbeiten hier, mieten die Zimmer für 150 Euro am Tag – das ist auch der Preis für eine Stunde Sex, sagt der Leierkasten-Pächter. Er will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, nennen wir ihn Werner.

Der bullige, volltätowierte Hüne vermietet die Räume an die Prostituierten – er geht davon aus, dass sie ihrem Beruf freiwillig nachgehen, aber was außerhalb seines Bordells geschieht und was vorher war, kann Werner nicht kontrollieren. Anrufe von Frauen-Vermittlern habe er schon bekommen, „aber da legen wir gleich auf“, sagt er.

Jede Frau müsse sich persönlich vorstellen und ihren Ausweis vorzeigen. Männliche Begleiter sind im Haus verboten, die Mieterinnen sollen laut Werner Deutsch oder Englisch sprechen und sich vor Beginn bei der Polizei melden. Die kontrolliert das Alter der Frauen – „wir nehmen nur Damen ab 21“, sagt Werner.

Den Leierkasten hat er im Juli 2013 mit einem Partner übernommen. Die Eigentümer, laut Werner die gleichen seit der Eröffnung 1971, stellten ihm das entkernte Gebäude hin und ließen ihn mal machen. Wie viel er für den Umbau gezahlt hat, will Werner nicht sagen. Millionen? Er kommentiert die Frage nicht.

Sicher ist: Ein großer Teil des Budgets ging für die „Gentleman-Bar“ drauf: Sechs Sitzgruppen mit je einer Stange, rote Wände, schwarze Bar – alles glänzend. „Klavierlack“, sagt Werner. Bier kostet 5 Euro, Schampus 150 Euro. Hinter dem Tresen ist ein kreisrundes Fenster, das den Blick auf eine Dusche freigibt. Werner plant, dass sich darin Frauen räkeln.

Hinter der Bar hat der Pächter eine Küche und ein Bistro für die Frauen eingebaut. Eine Hausdame macht Frühstück, es gibt Mikrowellen und passende Gerichte. Hier kommt auch ein Fitness-Studio mit Trainer hin, aber das ist noch nicht fertig.

Den Namen hat Werner bewusst behalten. „Jeder kennt den Leierkasten.“ Deshalb hat er das Bordell übernommen – und damit es keine Nicht-Münchner tun. „Die haben eine andere Einstellung“, sagt Werner. Das Münchner Milieu bleibt gerne unter sich – was nicht bedeutet, dass man sich mag.

Werner feiert am Freitag eine große Eröffnung mit Musik-Feuerwerk. Die Konkurrenz hat er nicht eingeladen.

 

8 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading