Die politische Politparade Aktivisten blockieren CSU-Lkw bei CSD-Parade

Auch die Rainbow-Refugees hatten eine klare Botschaft beim CSD. Foto: min

Von allen Seiten wird beim CSD in München gegen die CSU geschossen, Aktivisten blockieren auch den Wagen der Union.

München - Bei all den bunten Perücken, knappen Höschen und feiernden Menschen vergisst man leicht, dass die Parade beim Christopher Street Day (CSD) eine Politparade ist. Rund 16.000 Menschen nahmen teil, bis zu 160.000 Menschen säumten als Zuschauer die Straßen, wie die Polizei in München am Samstagabend mitteilte.

Heuer aber war der CSD politisch, wie lange nicht mehr und der CSU wehte ein scharfer Wind von der queere Gemeinschaft entgegen.

Schon im Vorfeld hatte ein offener Brief von Thomas Michel, Mentor vom schwulen Zentrum Sub, die Runde gemacht, in dem er fragte "Bin ich der Einzige, der es widersinnig findet, dass ein CSU'ler unseren CSD mitanführt?" und meinte damit Josef Schmid (CSU), der als Zweiter Bürgermeister mit Dieter Reiter am Anfang der Parade geht. Einige Gruppen wie die Philhomoniker und das Team München, der größte queere Sportverein, schlossen sich dieser Meinung an. Zur Eröffnung am Samstag auf dem Marienplatz sprachen Stadtpolitiker und queere Aktivisten offen an, wie sie die Politik der CSU empfinden: angsteinflößend.

Micky Wengatz (SPD) sagte: "Ich befürchte, dass uns Einschränkungen der Rechte wie in Österreich und Ungarn in Deutschland auch drohen. Geht im Herbst zu den Wahlen." Brigitte Wolf (Die Linke) geht das nicht weit genug: "Wählen allein genügt nicht mehr. Ich rufe euch dazu auf, an den Stammtischen, in der Arbeit und in den Netzwerken aktiv zu sein."

CSU-Stadtrat Theiss erntet Buh-Rufe

Gespannt waren alle auf Hans Theiss (CSU), besonders etwa dreißig Rainbow Refugees, die mit Schildern wie "Ich bin Azubi" oder "Ich arbeite in der Gastronomie" darauf aufmerksam machen, dass sie ein Teil der Gesellschaft sind. Allerdings ein Teil, der nicht dieselben Rechte hat. In Bayern gibt es, anders als in allen anderen Bundesländern, keine geschützten, staatlichen Unterkünfte für LGBTI*-Geflüchtete, die in den Camps homophobem Hass ausgesetzt sind. Theiss erklärte, dass die Stadtrats-CSU das bunte, queere Leben in München unterstütze und Josef Schmid als erster CSU-Politiker 2015 öffentlich das Adoptionsrecht für schwule und lesbische Paare gefordert habe.

Auf Buuh-und Zwischenrufe, auch auf "Und was ist mit Seehofer"-Rufen ging er nicht ein. Er sagte nur: "Ich kann es in gewissen Punkten verstehen, dass einige der CSU kritisch gegenüberstehen." Josef Schmid sagte zur AZ, er führe die Parade als Bürgermeister an. Und ja, gibt er zu, er sei natürlich immer CSU'ler. "Ich würde mir wünschen, dass die Debatte von beiden Seiten sachlich geführt wird", sagt er im Hinblick auf die Angriffe aus der Queer-Community.

Dominik Krause (Grüne) richtet klare Worte an die CSU, die mit dem LSU-Wagen, der Lesbisch-Schwulen-Union, auch bei der Politparade mitfuhr: "Wir demonstrieren hier mit einer Partei, die in den letzten Monaten keine Gelegenheit ausgelassen hat, zu hetzen. Niemand der CSU-Politiker, die hier mitlaufen, hat den Kurs der Partei kritisiert. Ich will mit solchen Menschen nicht demonstrieren." Zum Start der Parade blockierten dann Aktivisten den Wagen der LSU – weil, wie die Grüne Jugend twitterte, "die CSU seit Monaten gegen Menschen hetzt, Geflüchtete ertrinken lässt und auch immer noch gegen die Ehe für alle kämpft."

Klare Botschaft an die Menschen: Habt euch lieb!

Obwohl auch deutsche LGBTI* in Deutschland nicht gleichberechtigt sind, etwa wenn lesbische Frauen Kinder bekommen oder beim umstrittenen Transsexuellengesetz, setzten sich in diesem Jahr viele Aktivisten der 134 angemeldeten Fußgruppen und Wagen, aber auch Politiker für Geflüchtete – und zwar nicht nur schwule, lesbische, bi, trans und inter – ein.

Und hatten vor allem eine klare Botschaft an die Menschen, die die Straßen in der Innenstadt säumten: Habt Spaß! Habt euch lieb! Geht im Herbst wählen! Damit das CSD-Motto "Bunt ist das neue Weiß-Blau" gelebte Wirklichkeit wird.

Lesen Sie hier: Schwuler Geflüchteter wird weit weg verlegt


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