Die 6. Staffel "Game of Thrones" AZ-Kurzkritik zu Folge 1: Staffelbeginn mit Schock-Moment

Theon (Alfie Allen) und Sansa (Sophie Turner) fliehen vor den Boltons. Foto: HBO

Jemand ist tot, jemand stirbt, jemand ist nackt - es geht wieder los mit "Game of Thrones"! Eine Kurzkritik zur ersten Folge der neuen, sechsten Staffel.

 

VORSICHT, SPOILER! Dieser Text enthält kaum bis gar nicht verschleierte Hinweise auf den Inhalt der aktuellen Folge von "Game of Thrones". Wenn Sie "Die Rote Frau" noch nicht gesehen haben und nichts verraten bekommen möchten, sollten Sie den Artikel später lesen.

Die sechste GoT-Staffel wird parallel zur US-Ausstrahlung immer in der Nacht auf Montag in Deutschland auf Sky On Demand, Sky Go und Sky Online veröffentlicht. Wahlweise stehen das englische Original und die deutsche Synchronisation zur Verfügung. Im Fernsehen laufen die Folge der neuen Staffel immer montags um 21 Uhr auf Sky Atlantic.


Was ist passiert?

Das Unwichtigste zuerst: Jon Snow ist immer noch tot. Im Finale der fünften Staffel hatten ihn die Männer der Night’s Watch kollektiv erstochen, zum Beginn der sechsten Staffel liegt er immer noch im Schnee der Castle Black, beweint von seinem Direwolf Ghost, die Augen starr zum Himmel gerichtet, bis Ser Davos und seine wenigen treuen Gefolgen auf der Burg den leblosen Körper aus dem Schnee erheben und in ein Zimmer tragen, um sich dort gegen Aufrührer Alliser Thorne und dessen Getreue zu verschanzen.

Warum der Snow-Status im Grunde unwichtig ist? Weil wir ja ohnehin davon ausgehen, dass der junge Lord Commander (Kit Harrington) zurückkehren wird – früher oder später. Genug Indizien dafür gibt es ja bereits, auch wenn Harrington selbst behauptet hat, es wäre nicht so und uns tapfer mit Meldungen über seine Liebe zu GoT-Wildling Ygritte (Rose Leslie) im echten Leben von seiner Wiederauferstehung ablenken wollte. Also: Tee kochen, geduldig warten – irgendwann muss ja auch mal am Ende etwas gut werden in dieser Serie.

Die anderen Handlungsfäden, die diese erste Folge in gewohnter GoT-Zeitlupenmanier aufnimmt, verheißen allerdings nicht allzu viel Gutes: Arya Stark (Maisie Williams), immer noch blind und bettelt in den Straßen von Braavos. Margaery Tyrell (Natalie Dormer), immerhin Königin in King’s Landing, modert immer noch wegen Mitwisserschaft in den unziemlichen Beziehungen ihres Bruders Loras in einer Kerkerzelle, festgehalten von den religiösen Fanatikern, die die Stadt im Griff haben – wo er ist, erfahren wir nicht. Ebensowenig, was der Knabenkönig Tommen eigentlich die ganze Zeit so treibt, während seine Familie zerfällt.

Seine Eltern, Cersei (Lena Headey) und Zwillingsbruder Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) zumindest können nicht mehr, als schwache Rache schwören. Jaime hat gerade den toten Körper der gemeinsamen Tochter Myrcella nach Hause geschifft und Cersei sieht die Prophezeiung bestätigt, die sie als Kind von einer Hexe im Wald gehört hat: Alle ihre Kinder würden sterben. „Scheiß’ auf Prophezeiungen, scheiß’ auf Schicksal, scheiß’ auf alle außer uns!“, ruft da Jaime. „Wir sind die einzigen, die noch zählen, die einzigen auf dieser Welt. Und alles, was sie uns genommen haben, holen wir uns zurück – und mehr noch. Wir holen uns alles, was es gibt.“

Und Daenerys Targaryen (Emilia Clarke), die Erste ihres Namens, Königin von Meereen, Königin der Andalen, der Ersten Menschen und der Rhoynar, Regentin der sieben Königslande, Beschützerin des Reiches, Khaleesi des großen Grasmeeres, Daenerys Stormborn, die Unverbrannte, die Mutter der Drachen? „Du bist niemand. Die Millionste deines Namens, Königin von nichts, die Sklavin des Khal Moro“, erklärt ihr, genau: Khal Moro. Ihr Drache Drogon, auf dessen Rücken sie zuletzt so furios dem Angriff der Son’s of the Harpy entkam, ist nicht in Sicht, also bleibt ihr nur, den Kopf stolz erhoben zu halten, nachdem die Dothraki sie gefangengenommen haben – während Jorah Mormont und Daario Naharis nach ihr suchen und Tyrion Lannister versucht, Mereen im Griff zu behalten. (Das funktioniert aber leidig – im Hafen brennen die Schiffe, mit denen sie gen Westeros segeln wollte, und das Volk ist ohne seine Königin unruhig und ziellos.)

Eine gute Nachricht gibt es aber auch noch: Sansa Stark, die Königin des Nordens, und Theon Greyjoy, der sich offenbar immer mehr ent-Reekt und inzwischen sogar hin und wieder aufrecht geht, sind entkommen. Wie sie den Sprung von der Mauer der Burg Winterfell überlebt haben, bleibt offen, doch nach der Flucht durch einen eisigen Fluss und einer blutigen Rettung vor den Bolton-Schergen durch Brienne of Tarth folgt Sansa den Pfaden ihrer Mutter: Sie nimmt Briennes Hilfe an.

Wer ist in dieser Folge gestorben?

Doran Martell, Herrscher von Dorne und einer der wenigen Regenten der GoT-Welt, aus dessen Politik man so etwas wie selbstlose Klugheit lesen konnte. Kein Wunder, dass er am Ende an seinem eigenen Blut erstickte – erstochen von Ellaria Sand, der Frau seines verstorbenen Bruders Oberyn, und dessen Tochter.

Etwa zeitgleich stirbt auch sein Sohn, Prinz Trystane Martell: Die beiden Komplizinnen von Ellaria lassen ihm die Wahl, mit wem er kämpfen will. Während er sich auf den Kampf mit einer der Damen vorbereitet, sticht ihm die andere von hinten eine Lanze durch den Kopf.

Wem hätten wir eher den Tod gewünscht?

In dieser Folge bietet sich niemand spezifisch an – das Lied von Eis und Feuer spielt noch in andante.

Unterm Strich: Mehr Haut oder mehr Blut?

Mehr Haut – und zwar die von Lady Melisandre, der Roten Frau (Carice van Houten). Ihr gehört die letzte Szene der Folge: Nachdem sowohl Stannis Baratheon tot ist, in dessen Sieg sie alle Hoffnungen gesetzt hatte, als auch Jon Snow, steht die Seherin vor dem Nichts. Still, traurig und langsam zieht sie sich in ihrer Kammer auf Castle Black vor einem metallenen Spiegel als. Zuletzt nimmt sie ihre Kette mit dem rubinroten Stein ab. Und nun wird klar, wie viel Magie in der schönen Melisandre steckt: Plötzlich steht sie da als gebeugte, weißhaarige, uralte Frau.

Der beste Dialog?

Ist angenehm pubertär zwischen all der Dramatik und kommt von den beiden altesehepaarigen Tyrion Lannister und Varys, während sie durch Mereen laufen:

Varys: Ihr geht wie ein Wohlhabender.

Tyrion: Verbringt Ihr viel Zeit damit, den Gang der Wohlhabenden zu studieren?

Varys: Ihr geht als wären die Pflastersteine Euer persönliches Eigentum. Als Junge habe ich Menschen wie Euch bestohlen.

Tyrion: Ein Glück, dass Ihr kein Junge mehr seid...weil Ihr keinen Schwanz habt.

Die Poesie der Folge?

Sansa und Theon sind auf der Flucht vor den Boltons, beide schon leicht blau angelaufen, weil sie einen Eisbach durchqueren mussten. Theon, der Sansas Familie verraten aber sie immerhin gerade vor einem Tod durch Pfeil und Bogen gerettet hat, will Sansa wärmen. Zuerst zögert sie, erlaubt sich dann aber eine Sekunde Schwäche und (zumindest so etwas wie) Vertrauen. Die Stark-Tochter, die wohl von allen GoT-Charakteren am meisten herumgeschoben und –geschubst wurde, bekommt: eine Umarmung.

Wer ist dem Iron Throne aktuell am nächsten?

Selbst, wenn er in Staffel fünf so agierte, als wolle er das nicht: der High Sparrow, Anführer der religiösen Sekte in King’s Landing, die sowohl die Stadt als auch deren vermeintliche Herrscher im Griff hat.

 

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