DFB-Elf Stockender Umbruch: Für Löw wird es eng

Für Bundestrainer Jogi Löw wird die Zeit - trotz Umbruch - allmählich knapp: Er braucht wieder gute Ergebnisse. Foto: Jan Woitas/dpa

Schwache erste Hälfte gegen Serbien, Pfiffe zur Halbzeit: Löws Umbruch stockt. Doch die Uhr tickt: "Wir haben keine Zeit mehr", sagt Reus.

Erst als der schottische Schiedsrichter Bobby Madden zur Halbzeitpause pfiff, machten sich die gut 25.000 Zuschauer in Wolfsburg erstmals bemerkbar – mit lauten Pfiffen schickten sie die deutschen Nationalspieler in die Kabine. Die 45 Minuten zuvor im Spiel gegen Serbien wurden die Auswahlkicker fast von andächtigem Schweigen begleitet, lediglich beim 0:1 der Gäste in der zwölften Minute drang ein Raunen durch die kleine Arena.

"Ich könnte jetzt meinen, aus Wolfsburg kennt man das. Aber das wäre wahrscheinlich unfair", witzelte der einzige deutsche Torschütze an diesem Abend, Leon Goretzka, erst und wurde dann ernster: "In Länderspielen ist es immer speziell, weil du keine organisierten Fangruppierungen hast." Aber: "Wenn man turbulent spielen würde, würden die Zuschauer auch mitkommen."

Löw dürfte sich von verjüngter Auswahl mehr erhofft haben

Dass es nicht zu mehr Emotionen auf den Rängen reichte, lag eben am Geschehen auf dem Rasen. Vom propagierten Neustart der DFB-Elf im Jahr 2019, von Frische und Unbekümmertheit, war wenig bis gar nichts zu sehen – vor allem in der ersten Halbzeit. "Das war zu wenig, wir sind immer noch Deutschland!", schimpfte Marco Reus, der zusammen mit Goretzka in der zweiten Hälfte eingewechselt wurde, mit dem Bayern für mehr Schwung sorgte und so auch seinem Trainer noch den Abend rettete.

Zumindest die zweite Hälfte "war, was die Mentalität betrifft, ein sehr gutes, deutliches Signal", stellte Joachim Löw fest. Da war ich absolut zufrieden." Doch auch der angezählte Bundestrainer dürfte sich vom Spiel gegen Serbien und seiner stark verjüngten Auswahl mehr erhofft haben als 45 Minuten Power-Fußball, eine miserable Chancenauswertung und nur ein 1:1-Unentschieden.

Bis zum Erfolg kann es noch dauern

So bleibt die Bilanz des Bundestrainers nach dem Horror-Jahr 2018 mit dem Peinlich-Aus in der WM-Vorrunde und dem Abstieg in der Nations League weiter ernüchternd. Nach dem Welt-Turnier in Russland erspielten sich Jogis Jungs nur zwei Siege in sieben Spielen: Ein knappes 2:1 gegen Peru Mitte Oktober und einen Monat darauf ein 3:0 gegen Russland. Auch aufgrund dieser Zahlen sah sich Löw zu einem verspäteten Radikal-Umbruch gezwungen.

Doch bis der Erfolg hat, kann es noch dauern. "Wir wissen, dass es nicht über Nacht geht", erklärte auch DFB-Manager Oliver Bierhoff. Und Bayern-Spieler Kimmich forderte: "Es ist ein Umbruch, das eine oder andere Spiel kann man uns noch geben." Das gilt vielleicht für die junge Mannschaft, weniger aber für Löw. Er braucht vor allem Ergebnisse – schon am Sonntag. Dann geht es in Amsterdam gegen die Niederlande zum Auftaktspiel für die Qualifikation zur EURO 2020.

In Amsterdam muss Löws Team ein anderes Gesicht zeigen

Oranje dürfte die DFB-Elf deutlich mehr fordern, als es die Serben am Mittwoch taten. Löws Team muss dort ein anderes Gesicht zeigen, als fünf Monate zuvor, als man an selber Stelle mit 0:3 unterging.

"Wir wissen, dass wir in Holland zum jetzigen Zeitpunkt nicht der Favorit sind", stellte Bierhoff gleich vorab klar und nahm den Bundestrainer damit schonmal vorsichtshalber aus der Schusslinie. Doch wieder war es Reus, der die deutlicheren Worte fand. "Wir wissen, dass wir Zeit brauchen", sagte er. "Aber wir haben keine Zeit mehr." Immerhin: Von peinlichem Schweigen und Pfiffen zur Halbzeit dürften die deutschen Kicker in Amsterdam verschont bleiben.

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