DFB-Elf gegen Nordirland Jogi Löw und Sepp Herberger: Die 94er-Bande

Der eine Bundestrainer hat schon, der andere will noch gern: Sepp Herberger (l.) hält den DFB-Rekord mit 94 Siegen, Joachim Löw könnte heute Abend zu ihm aufschließen. Foto: dpa/sampics/Augenklick/AZ

Joachim Löw kann am Dienstag mit einem Sieg gegen Nordirland zu Sepp Herberger aufschließen: "Er ist eine Legende, aber solche Rekorde sind für mich eher Nebensache", sagt der Bundestrainer.

 

Hannover - Es ist in letzter Zeit ruhig geworden um Joachim Löws Konto in Flensburg. Spötter könnten nun natürlich einwenden: Er hat ja auch genügend Punkte gesammelt, der Jogi. Ganze 18 sollen es zwischenzeitlich mal gewesen sein, Löw, der einräumt, "manchmal zu schnell zu fahren", hat schon zweimal den Führerschein abgeben müssen. Ein rasender Bundestrainer?

Man kann davon ausgehen, dass Sepp Herberger so etwas nicht passiert wäre. Der Weltmeistercoach von 1954 galt nicht nur als bescheidener Mensch, sondern auch als besonnener Autofahrer. Nach dem WM-Triumph in Bern belohnte sich der Coach nicht etwa mit einem teuren PS-Geschoss – Herberger kaufte einen Opel Rekord. Von seinem eigenen Geld. Wie sich die Zeiten doch ändern.

Löw interessiert sich nicht für Statistiken

An diesem Dienstag werden sich die beiden so verschiedenen Tempo-Typen Löw und Herberger sehr nahe sein. Der Trainer des deutschen Weltmeisterteams von 2014 kann mit einem Sieg im WM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland (20.45 Uhr/live bei RTL) zu Herberger aufschließen: Beide hätten dann 94 Siege mit dem DFB-Team erreicht. Rekord! Die 94er-Bande! "Sepp Herberger war ein großer Trainer, er ist eine Legende wie auch Helmut Schön", sagte Löw am Montag: "Beide haben den deutschen Fußball mit dahingebracht, wo er heute ist. Aber solche Statistiken bedeuten mir nicht allzu viel, sie sind für mich eher Nebensache."

Vielleicht wird Löw erst nach seiner DFB-Karriere bewusst, welche Meilensteine er erreicht hat. Zur 94er-Bande gehört er ab Dienstagabend wohl. Gemeinsam mit Herberger. Der gebürtige Mannheimer, der wie Löw im zweiten Anlauf den WM-Titel gewann, starb 1977 im Alter von 80 Jahren. Herberger hatte einen Herzinfarkt erlitten, als er sich gerade im Fernsehen ein Länderspiel anschaute. Die deutsche Mannschaft gewann 5:0. Der Gegner damals: Nordirland. Löws Gegner von heute.

Rückkehr an den Ort der Angst

Was die Siegquote betrifft, ist der aktuelle Bundestrainer Herberger indes schon jetzt voraus. Für seine bislang 93 Siege brauchte er nur 140 Spiele. Herberger hält mit 167 Partien allerdings weiter den DFB-Rekord. Doch auch diese Marke dürfte Löw, der am Samstag gegen Tschechien Helmut Schön (139 Länderspiele) überholte, noch erreichen. Vermutlich sogar bei der WM 2018 in Russland, falls sich Deutschland qualifiziert. Und das ist nicht gerade unwahrscheinlich. "Er ist auf einer Stufe mit Sepp Herberger, Helmut Schön und Franz Beckenbauer", sagt Ottmar Hitzfeld über Löw, der mit der Verteidigung des WM-Titels als erfolgreichster Bundestrainer überhaupt in die Geschichte eingehen würde. Doch so weit will Löw noch nicht blicken, zunächst soll die Konzentration nur Nordirland und der erfolgreichen Qualifikation gelten: "Wir sind so selbstbewusst, zu sagen: Wir schaffen das. Aber die Quali ist noch nicht überstanden, wir sind erst am Anfang."

Die Partie in Hannover ist auch die Rückkehr an den Ort der Angst. Im November des vergangenen Jahres war das Länderspiel gegen die Niederlande wegen einer Terrorwarnung abgesagt worden. "Wir haben diese Dinge gut verarbeitet", meinte Löw. "Wir konzentrieren uns auf das Spiel." Und das werde ganz anderes als das gegen Tschechien: "Wir erwarten einen deutlich defensiveren Gast." Was da hilft? Na klar, schnelles Spiel. Das wusste einst schon Herberger. "Der schnellste Spieler ist der Ball", sagte er. Und mit Tempo kennt sich Löw ja aus.

 

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