Deutschland war der Gegner Queen Elizabeth II. und die Deutschen

Damals noch Prinzessin Elisabeth II. (r) und Prinzessin Margaret am 13. Oktober 1940. Foto: dpa

Das britische Königshaus ist so deutsch wie keine andere Monarchie in Europa. Das Deutschlandbild der Royals ist dennoch getrübt. Der Nationalsozialismus warf lange Schatten.

 

London - Es war eine Rede an die Kinder Großbritanniens und der Länder des Commonwealth. Doch sie galt einer ganzen Generation. Als die 14 Jahre alte Elizabeth sich am 13. Oktober 1940 vor ein Mikrofon der BBC setzte, machte sie mit ihren aufmunternden Worten Hunderttausenden Mut inmitten des von Nazi-Deutschland ausgelösten Zweiten Weltkriegs. "Gott wird sich um uns kümmern und uns Frieden und Sieg schenken", sagte das junge Mädchen, das später als Queen Elizabeth II. den britischen Thron bestieg. Elizabeth war ein Kind des Krieges und Deutschland war der Gegner. Damit war auch ihr Verhältnis zu dem Land erst einmal vorbestimmt, das eigentlich ein Stück Heimat für sie sein könnte.

Queen Elizabeth II. ist die Ururenkelin von Queen Victoria und deren deutschem Gatten Prinz Albert. Der stammt aus einem kleinen fränkischen Herzogshaus, das für seine geschickte Heiratspolitik bekannt war: Sachsen-Coburg und Gotha. Alberts und Victorias Tochter wurde Ehefrau von 99-Tage-Kaiser Friedrich III. Bis 1917 trug das britische Königshaus diesen deutschen Namen - dann wurde er inmitten der Wirren des Ersten Weltkriegs unter König Georg V. in Windsor umbenannt. Neun Jahre später kam Elizabeth zur Welt.

Elizabeth will von ihren deutschen Wurzeln, die über 300 Jahre zurückreichen und neben den Coburgern auch Adelshäuser wie Hannover, Schleswig oder Hessen berühren, wenig wissen. "Sie hat dafür einen guten Grund", sagt die in Großbritannien lehrende deutsche Wissenschaftlerin Karina Urbach von der London University. Einige ihrer Vorfahren hatten zu der Verwandtschaft in Deutschland durchaus enge Bande unterhalten. Zumindest ihre beiden Onkel Edward VIII. und der Herzog von Kent hatten nachweislich mit Gesandten der Nationalsozialisten getuschelt.

Urbach deckt in ihrem neuen Buch "Go-Betweens for Hitler" ("Hitlers geheime Kanäle") auf, wie eng die Bande zwischen London und Berlin ausgerechnet über die Royals und ihre deutsche Verwandtschaft gesponnen wurden. Die Royal Archives und die Privatarchive der deutschen Adelshäuser halten jeglichen Schriftverkehr aus dieser Zeit weiter unter Verschluss. "Ich habe 30 Archive in mehreren Ländern durchstöbert", sagt Urbach. Die Ausweichaktion nach Spanien, Russland trug Früchte.

Als geheimer Botschafter fungierte ausgerechnet der in Großbritannien geborene Coburger Herzog Carl Eduard, ein erklärter Nationalsozialist, dessen Heimatstadt später als "First Nazi Town" Schlagzeilen machte. Während ihm Georg V. noch den Sitz im Oberhaus entzogen hatte, versuchten dessen Söhne mit ihm zu verhandeln. "Adolf Hitler hat den Herzog benutzt, weil er wusste, dass die Verbindung zum britischen Königshaus bestand", sagt Urbach.

Das Königshaus hatte damals verzweifelt versucht, die Appeasement-Politik, also den Beschwichtigungskurs von Premierminister Neville Chamberlain, zu unterstützen. Chamberlain wollte mit Hitler-Deutschland paktieren, auf Kosten Russlands. Erst sein Nachfolger Winston Churchill stoppte dies und stellte sich frontal gegen Hitler.

"Edward wollte Frieden um jeden Preis", sagt Historikerin Urbach, die mit ihren Forschungen die bisherigen Erkenntnisse erweitert. Dafür wäre er sogar bereit gewesen, ein Bombardement seines eigenen Landes in Kauf zu nehmen. "Wenn die Deutschen England effektiv bombardieren, dann kann das Frieden bringen", zitiert ein spanischer Franco-Diplomat am 25. Juni 1940 den Onkel der Queen.

Von alledem wusste Elizabeth vermutlich nichts. Sie war ein Kind der Churchill-Jahre. Die klare Feindschaft der jungen Prinzessin "Lilibet" Deutschland gegenüber wich später einer professionellen Distanz. Elizabeths bisherige Staatsbesuche in Deutschland waren Erfolge, aber gemessen an Aktivitäten in großen Commonwealth-Ländern wie Kanada oder Australien eher keine Glanzlichter. "Stereotype Vorstellungen schwinden, wenn die Kontakte zwischen den Menschen gedeihen", sagte sie bei ihrem Staatsbesuch 2004 in Berlin.

Anders als bei ihrem inzwischen 94 Jahre alten Ehemann Prinz Philip, einem geborenen Battenberg und damit familiär ebenfalls stark im deutschen Adel verwurzelt, sind von der Queen keine privaten Besuche in der Heimat ihrer Vorfahren überliefert. Wenn sie frei hat, geht sie lieber reiten.

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