Deutschland-Cup Pat Cortina und das Bewährungs-Turnier

Eishockey-Bundestrainer Pat Cortina. Foto: dpa

Der Bundestrainer will beim Deutschland-Cup den Sieg holen. Es geht auch um seine Zukunft, sein Vertrag läuft nach der Saison aus.

 

München - Deutschlands Tennis-Ikone Boris Becker bezeichnete Wimbledon, den Ort seiner größten Erfolge, stets liebevoll als sein Wohnzimmer. Dasselbe Wort nimmt auch Eishockey-Bundestrainer Pat Cortina in den Mund, wenn er von der Olympiaeishalle redet.

„Das fühlt sich hier einfach wie Heimat an, eben wie mein Wohnzimmer. Man kennt jeden Winkel, man liebt es, wie es ist“, sagte Cortina der AZ. Von 2006 bis 2013 (mit kurzer Unterbrechung) war die Olympiaeishalle seine Arbeitsstätte, dort stand er als Trainer des EHC München an der Bande. Jetzt wird er wieder an derselben Bande stehen, aber eben als Bundestrainer beim Deutschland-Cup (7. bis 9. November). Deutschland hat es dabei mit der Schweiz (Freitag, 20 Uhr), der Slowakei (Samstag, 16.15 Uhr) und Kanada (Sonntag, 16.45 Uhr, Spiel live bei Sport1) zu tun. „Das ist ein sehr wichtiges Turnier, denn auf uns kommen große Aufgaben zu. Wir wollen hier den Sieg holen“, sagte Cortina, der sich für den Cup Ulrich Liebsch als Co-Trainer holte. Der ersetzt Niklas Sundblad, der – nachdem er den Cheftrainerposten bei den Kölner Haien übernommen hat – das Assistenztrainer-Amt nicht mehr ausüben kann. Ex-Profi Liebsch ist zurzeit Nachwuchskoordinator der DEL. Eine langfristige Lösung wird er wohl nicht sein. „Aus Zeitgründen wird es wahrscheinlich das einzige Mal bleiben“, sagte Liebsch.

Cortina nominierte aufgrund mehrerer verletzungsbedingter Absagen noch vier Spieler nach: Martin Buchwieser (Mannheim), Florian Kettemer (München), Armin Wurm (Wolfsburg) und Sebastian Uvira (Augsburg).

Das Turnier in München ist der Beginn der Nationalmannschaftssaison, die als Höhepunkt die WM in Prag und Ostrava hat. Auch für Cortina selber geht es um viel. Nach dem Verpassen der Olympischen Spiele in Sotschi und dem enttäuschenden 14. Platz bei der Weltmeisterschaft im Mai braucht der Italo-Kanadier Erfolge, denn sein Vertrag läuft nach dieser Saison aus. Der neue Präsident Franz Reindl, der Cortina als eine der ersten Amtshandlungen von der Funktion als Sportdirektor entbunden hat, will das gesamte deutsche Eishockey reformieren.

Ob Cortina, der dem DEB beim Amtsantritt vor zwei Jahren ein detailliertes Reformkonzept präsentiert hat, das aber aufgrund des Sparzwangs des fast maroden Verbandes nie groß umgesetzt wurde, der Mann der Zukunft für Reindl ist, beantwortete dieser nebulös. Es soll zu „gegebener Zeit“ über eine Vertragsverlängerung gesprochen werden. Heißt: Auch Cortina muss sich bewähren, muss Erfolge erzielen, schließlich will sich Deutschland bei der Heim-WM (zusammen mit Frankreich) wieder als Eishockey-Macht präsentieren.

„Meine persönliche Situation ist nicht wichtig“, sagte Cortina, der mit seiner Familie (Frau, drei Töchter) in München lebt. „Es geht um so viel mehr als um Pat Cortina, es geht um das deutsche Eishockey. Ich werde auf jeden Fall bis zum letzten Tag – wann immer der sein mag – meiner Amtszeit alles geben, damit es mit dem deutschen Eishockey aufwärtsgeht. In meinem Pass steht, dass ich Kanadier bin, aufgrund meiner Herkunft und der Abstammung meiner Familie bin ich Italiener, aber im Herzen, da bin ich sehr deutsch. Und stolz darauf.“   

 

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