Deutsche in Polen "Der Mülleimer Europas"

Polens Torwart-Legende Tomaszewski attackiert eigene Spieler – weil sie einst für den DFB spielten

 

WARSCHAU Die nationalkonservative polnische Partei PiS gilt keinesfalls als europafreundlich, auch homosexuellen Ehen steht sie ablehnend gegenüber. Manche Mitglieder fordern sogar die Wiedereinführung der Todesstrafe. Es muss also etwas spezielles geschehen sein, wenn eben jene Partei ein Fraktionsmitglied einen Monat wegen unangebrachtem Nationalismus aus dem Parlament ausschließt.

Polens Torwart-Legende Jan Tomaszewski hat es jedenfalls geschafft – indem er, ob der Vita der beiden Nationalspieler Eugen Polanski (spielt in der Bundesliga in Mainz) und Sebastian Boenisch (Bremen), lospolterte. „Das ist keine typische polnische Mannschaft mehr, sondern der Mülleimer Europas”, sagt der WM-Dritte von 1974 über das Europameisterschaftsteam seines Heimatlandes.
Polanski und Boenisch nennt er „gefärbte Füchse”, da sie in der Jugend das deutsche Trikot trugen, sich aber später für die polnische Nationalmannschaft entschieden. Tomaszewskis wenig diplomatisches Urteil: „Diese Leute nehmen unseren wahren Polen den Platz weg.”

Polens Anti-Rassismus-Experte Rafal Pankowski schüttelt nur noch mit dem Kopf. „Die EM ist ein historisches Ereignis für Polen. Leider werden diese Äußerungen mit einer nationalistischen, polnischen Identität in Verbindung gebracht.”

Die Bemühungen um Polanski und Co. hatte der polnische Verband erst verstärkt, als lautstarke Kritik am Verlust Lukas Podolskis und Miroslav Kloses aufkam, die beide in Polen geboren wurden. Schon damals zählte Tomaszewski zu den lautesten Wortmeldern.

Für die kommende EM hat er jedenfalls seine Konsequenzen gezogen. Er wird Deutschland die Daumen. Die hätten nämlich, seiner Logik entsprechend, „richtige Polen”. jga

 

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