Der "See-Biergarten Lerchenau" Wiederbelebte Idylle

 Foto: Daniel von Loeper

 Ein Biergarten für den Lerchenauer See: Die Wirtefamilie Able hat ihren Eiszauber hierher verfrachtet. Diesen Sonntag ist die Einweihungsfeier

 

Streng genommen ist der „See-Biergarten Lerchenau“ nicht für alle ein Ausflugslokal. Für die Lerchenauer selbst ist es zuerst mal eine Riesenfreude, dass sie wieder eine Gaststätte am See haben – nachdem die auf Beton gebettete Hütte vier Jahre lang leer stand. Für zentraler Wohnende ist der Biergarten ein lohnendes Ziel nach einer kleinen Radltour durch den Olympiapark.

Aber der Biergarten selbst ist es, der hierher einen Ausflug macht – im Winter steht der Holzbau als „Eiszauber“ am Stachus, jetzt hat er eine Sommerresidenz in der Lerchenau bekommen. Mit dem 4000 Quadratmeter großen Grundstück am Lerchenauer See hat Wirt Siegfried Able schon lang geliebäugelt. Schon als Bub ist er hier ins Wasser gesprungen – „ich bin im Münchner Norden groß geworden“, sagt er, „meine Frau und ich kennen uns seit unserer Kindheit hier“.

Aber 2008, als das Grundstück ausgeschrieben wurde, wurde Able Wiesn-Wirt der kleinen Kalbs-Kuchl. Zwei andere Käufer wollten den Grund, immer scheiterte die Finanzierung. Jetzt hat es Able wieder gewagt: Am Vatertag 2011 gingen die ersten Maß aus der Schenke. In sechs Wochen die alte Hütte samt Betonplatten abgerissen, eine Holzveranda aufgebaut und die Eiszauberbude aufgestellt. Statt der üblichen Biergartenbestuhlung hat er sich für breitere und massivere Tische und Bänke entscheiden, „die sind viel bequemer und anlehnen kann man sich auch.“

Auf den Tischen stehen Kräutertöpfe und Margeriten, abends, wenn die Sonne das gegenüberliegende Ufer in rotes Licht taucht, kommen die Teelichter raus. Hinter der Steckerlfischbude (Makrelen, 7,50 Euro) ist ein Kinderspielplatz mit Rutsche und Wasserpumpe, zwei kleine Mädchen bauen da gerade gewissenhaft einen Flusslauf nach. Ein älteres Pärchen hat sich gerade ein Hendl geteilt – jetzt wickelt sie zwei Stück selbstgemachten Kuchen aus der Alufolie. Ein gründlich tätowierter junger Kerl nimmt einen Schluck von seinem Weißbier und schaut den Badenden am anderen Ufer zu.

„Die Leute kommen her, als ob es seit hier jeher einen Biergarten gab“, sagt Able, „daran merkt man, wie unterversorgt die Gegend hier ist.“ Danke, sagen viele – ein 84-jähriger Lerchenauer hat Able einen dreiseitigen Brief geschrieben, wie sehr er sich freut, das noch zu erleben. „Wenn man solche Reaktionen bekommt auf etwas, in das man so viel Herz investiert hat, macht das wahnsinnig froh“, sagt Able.

Im WInter zieht der Bau für zwei Monate an den Stachus, dann wieder zurück. In zwei Jahren will Able aufstocken, eine Gaststätte mit Festsaal bauen und ein kleines Hotel. „Das hier ist etwas Besonderes“, sagt er, „ein Idyll. Die Sicht über den See ins Grüne bis zum Fernsehturm, die verbaut keiner mehr. Das ist alles Naturschutzgebiet.“

Eine Frau zieht ihre Bahnen im Wasser, die Schwanenfamilie sonnt sich am Ufer. Ein dicker Karpfen schwimmt an der Veranda entlang. Viele Lerchenauer nehmen hier mittags eine Auszeit, heute gibt’s als Tagesgericht à 5,90 Euro Kalbsgulasch mit Nudeln.

Diesen Sonntag feiern die Ables die offizielle EInweihungsparty, ab elf Uhr, mit Kapelle und Kinderschminken und einem ganzen Schwein am Spieß. „Ich freu’ mich wahnsinnig“, sagt der Wirt, „und die Leute hier haben einen schönen Biergarten verdient“.


 Lassallestraße 100, täglich von 10 bis 23 Uhr, www.able-gastronomie.de, Tel.: 31 20 55 0

0 Kommentare