Der Hollabusch Im Zeichen des Brotzeitbrettls

Niki Hierl und Nadja Weber (v.l.) sind beide Österreicherinnen - die eine halb, die andere ganz. In ihrem Hollabusch bieten sie österreichische Küche jenseits des Klischees an. Foto: Petra Schramek

Im Hollabusch wollen zwei junge Frauen beweisen, dass österreichische Esskultur auch ganz ohne Dirndl funktioniert.

 

Zunächst gibt es gar keinen Zweifel: Ein alter Milchladen, alles im Shabby-Trödel-Chic gehalten und im Hintergrund laufen auch noch Chansons – da muss man jetzt doch eine ganze Menge Quiches und andere Frankreich-Spezialitäten auf der Karte finden. Doch dann kommt Nadja Weber an den Tisch, sagt irgendwas von einem „Hollakracherl” – und plötzlich ist alles anders.

Weber ist ungefähr hundert Kilometer westlich von Wien aufgewachsen, mitten in Niederösterreich. So richtig hört man ihr das allerdings gar nicht mehr an. Sie klingt ungefähr genauso österreichisch wie ihr Laden österreichisch aussieht, recht wenig nämlich. „Schon schade”, sagt Weber. Aber genau weil das ja so schade ist, steuert sie nun aktiv dagegen.

Vor wenigen Wochen hat Weber in Neuhausen gemeinsam mit einer Freundin, Niki Hierl, immerhin auch Halb-Österreicherin, den Hollabusch aufgemacht, ein kleines Lokal, dessen Name schon erahnen lässt, worum es dort geht: um nicht weniger als die Rettung der österreichisch-bayerischen Esskultur nämlich.

Die Wirtshäuser seien mittlerweile fast nur noch Touristenattraktionen, findet Hierl. „Da laufen dann verkleidete Bedienungen mit Dirndl und Wäscheklammern an der Bluse herum.” Authentisch findet sie das allerdings nicht. „Etwas Echtes findet man nur noch selten”, sagt Hierl.

Im Hollabusch trägt niemand Dirndl, es stehen auch keine Bierbänke herum. Zwar läuft abends moderne österreichische Schlagermusik, die eigentliche Folklore wird im Hollabusch jedoch in Form der Brotzeitbrettl (8,70 bis 13,80 Euro) gefeiert, mit Bergkäse, Bauernspeck und hausgemachten Buttersorten.

Für die eher Süßen gibt es verschiedene Kuchen, zum Beispiel Marillentorte oder Apfelstrudel. Und im Herbst soll dann auch das kulturelle Programm losgehen. Geplant ist unter anderem ein Heurigenfest. Und wenn dann der österreichische Jungwein in die Gläser fließt, dann hält den Hollabusch bestimmt niemand mehr für ein französisches Lokal.

Schulstraße 34, Mo. bis Mi. 8.30-18 Uhr, Do. bis Sa. 8.30-22 Uhr, So. 9.30-18 Uhr, www.derhollabusch.de, Tel. 130 116 52

 

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