Der AZ-Auto-Blog Unter Strom: Schicksalstage eines Elektroauto-Testers

Der Ford Focus Electric wird an der Zapfsäule in der Kathi-Kobus-Straße aufgeladen. Foto: Rudolf Huber

Knapp zwei Wochen unterwegs mit dem Ford Focus Electric. AZ-Redakteur Rudolf Huber dokumentiert seine Erfahrungen als Elektro-Pendler.

 

München - Das geht ja schon richtig gut los - was ironisch bis sarkastisch gemeint ist. Denn die Werkstatt in Erding, bei der ich den elektrischen Ford abhole, hat den Akku nur knapp halb voll geladen. 

52 Kilometer Reichweite signalisiert mir die Anzeige. Nach München ins Büro sind's knapp 40. Und nach Hause nochmal 45.

Klarer Fall: Ich habe ein Problem.

Theoretisch zwar nicht, weil ja 50 Meter neben der Redaktion, in der Seidlstraße, eine Strom-Zapfsäule der Stadtwerke steht.

Praktisch aber doch, weil die Stadtwerke gerade ihr Stromtankstellen-System umstellen und ich keine Karte zum Zapfen bekomme. Bis nächste Woche geht da gar nichts, heißt es.

Aber weil ein bisserl was immer geht, erfahre ich zumindest, dass ein paar Münchner Stromtankstellen ihren wichtigen Saft ganz ohne Karte und ohne Bezahlung abgeben.

Eine davon ist gar nicht so weit weg. Zumindest hin, mit dem Focus, der gerade noch 15 Kilometer Reichweite ausweist und signalisiert, dass er so langsam auf Reserve fährt...

Hurra! Die zwei Stellplätze - frei für E-Autos während des Tankens - sind auch tatsächlich frei. Stecker am Focus rein, Stecker an der Zapfsäule rein - schon fließt wertvolle Energie, die ich in Fortbewegung umwandeln möchte.

Zurück ins Büro dauert es dann schon länger: Von der Kathi-Kobus-Straße zur Lothstraße, ein paar Stationen mit der 20er Tram, dann noch ein kleiner Fußweg - kaum 30 Minuten später bin ich schon wieder am Schreibtisch.

Hoffentlich wird das kein Dauerzustand. Neidvoll schaue ich den Autofahrern zu, wie sie unbekümmert Gas geben und davon düsen.

Ist schon deutlich einfacher so. Noch dazu, wo ich zu meinem großen Schrecken beim Vorbeilaufen entdeckt habe, dass der einzige Stellplatz der Stromtankstelle in der Seidlstraße belegt ist.

Wenn da einer steht, ist Schicht im Schacht. Und das über Stunden oder den ganzen Tag lang. Das heißt: Auch mit Tankkarte kann es mir nächste Woche passieren, dass ich wieder lange Wege auf mich nehmen muss. Oder so früh aufstehen, dass mein Konkurrent das Nachsehen hat...

Kurz zur ersten Fahrt von Erding nach München: Klar fährt der Focus Electric angenehm: Leise, flott, komfortabel. Aber dank der nicht mal halb vollen Akkus fuhr auch die Sorge ums Ankommen mit. Zuerst schrumpfte die verfügbare Reichweite deutlich schneller als die Kilometerangabe auf dem Navi. Das sorgt für Unruhe am Lenker. Also noch langsamer, mit 85 Sachen über die Autobahn.

Morgen ziehe ich die dicken Winterstiefel an. Und Handschuhe und eine dicke Jacke. Denn Heizen kostet Reichweite - drum verzichte ich darauf lieber. Hoffentlich wird's demnächst nicht richtig kalt!

Morgen mehr zur Elektro-Testfahrt. Dabei geht's um die große Frage: Habe ich es überhaupt bis nach Hause geschafft? 

Tag zwei: So ging es weiter!

 

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