Denkmalnetz Bayern kritisiert Entwürfe Das große Ringen um den neuen Hauptbahnhof

Was gefällt besser? Oben der Sieger-Entwurf der Architekten Auer und Weber, unten der Gegenvorschlag des Denkmalnetzes Bayern. Foto: Auer&Weber/Denkmalnetz Bayern/AZ

Die Entwürfe für den neuen Hauptbahnhof sorgen weiter für Diskussionen. Denkmalschützer werfen der Bahn Maßlosigkeit vor und präsentieren einen Entwurf, bei dem historische Architektur erhalten bleiben soll.

München – Die Kritik an den Plänen der Bahn für die Neugestaltung des Hauptbahnhofs reißt nicht ab. Nachdem vor gut einer Woche sogar Kultusminister Spaenle in den Kanon der Kritiker einstimmte, meldet sich jetzt die Gruppe München des Denkmalnetzes Bayern zu Wort.

Auch das Denkmalnetz, ein Zusammenschluss von über 120 Bürgerinitiativen und Vereinen, lässt kein gutes Haar an den Entwürfen der Architekten Auer Weber, die bei der Bahn Anfang 2015 am besten angekommen waren. Von einem gigantischen Protzbau ist die Rede, von einem spekulativen Renditeobjekt. "Und dieses Hochhaus sprengt jeglichen Maßstab und verschandelt die Altstadtsilhouette", sagt Netzwerk-Sprecher Johannes Haslauer.

Die Denkmalschützer würden die Pläne deshalb gerne kippen. Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, haben die Neubaugegner bei dem bekannten Gutachter Dieter J. Martin eine Studie in Auftrag gegeben. Martin kommt darin zu dem Schluss, dass man den Münchner Hauptbahnhof in seiner Gesamtheit eigentlich als schützenswert einstufen müsse und der ganze Komplex Hauptbahnhof als Denkmal anzusehen sei.

Shopping-Mall statt Bahnhof-Ausbau?

Noch vehementer als den Turm kritisieren die Denkmalschützer die Umbaupläne für das Hauptgebäude. Die Bahn, die Stadt und der Freistaat hätten kein Interesse an der "architektonischen und geschichtlichen Bedeutung des Gebäudebestandes aus den 1950er Jahren". Vor allem die übergebliebenen historischen Gebäudeteile des Architekten Georg Friedrich Christian Bürklein, der von 1847 bis 1849 den damals neuen "Centralbahnhof" entworfen hatte, müssten unbedingt erhalten werden, heißt es.

Schaut man sich den Hauptbahnhof mal von oben an, sieht man tatsächlich die Überbleibsel der verschiedenen baugeschichtlichen Zeitabschnitte, die zusammen das Konglomerat Hauptbahnhof München ergeben.

Geht es wirklich um Nachhaltigkeit?

Statt dieses Stück Baugeschichte zu erhalten und sanieren, lasse man die alte Halle verkommen, um den Neubau mit "Unwirtschaftlichkeit beim Erhalt" der alten Gebäude zu rechtfertigen. Die neue Halle hätte keinerlei bahntechnische Vorteile sondern werde primär als Prestigeobjekt und Shopping-Mall gebaut, so .

Das Argument der Nachhaltigkeit des Neubaus lassen die Denkmalschützer dabei nicht gelten. Nachhaltiger wäre es, die für Abbruch, Produktion von Baumaterial und Neubau benötigte Energie einzusparen, Bauschutt zu vermeiden "und ein bedeutendes Zeugnis der Bahngeschichte und der Wiederaufbauzeit" als Identitätsmerkmal zu erhalten.

Entwurf soll Kompromiss zeigen

Bei aller Kritik an den bestehenden Entwürfen liefert das Denkmalnetz auch einen Gegenvorschlag (s. oben). Auf dem abgeänderten Entwurf sind historische Gebäudeteile mit den neu geplanten kombiniert. Das Hochhaus (Hintergrund rechts) ist herausretouchiert.

Wenig Verständnis im Stadtrat

Im Stadtrat zeigt man sich davon wenig beeindruckt. "Damit sind die ein bisschen spät dran", sagt Walter Zöller, der Planungsfachmann der CSU-Fraktion. Natürlich könne man über die Ästhetik des Entwurfs streiten. Er halte die Architektur aber für sehr gelungen. "Und irgendwann muss man halt auch mal eine Entscheidung treffen", so Zöller.

Ähnlich sieht es auch Zöllers SPD-Kollege Christian Amlong. Vor allem das Argument, der geplante Büroturm störe das Stadtbild, hält er für nicht stichhaltig. Der Stadtrat habe schließlich eingehend alle Sichtachsen geprüft und sei letztlich zu dem Ergebnis gekommen: Es gibt keine Beeinträchtigungen.

Thema ist der Bahnhofsneubau aber auch im Rathaus weiterhin, zum Beispiel am Dienstagnachmittag in der Stadtgestaltungskommission. Dort wird es genau um die strittigen Fragen gehen: Denkmalschutz und Sichtachsen.

An dem grundsätzlichen Beschluss wird dort aber nicht gerüttelt werden, sagt Amlong. Er gibt zu bedenken, dass die Bahn ursprünglich eigentlich einen ihrer Hausarchitekten mit einem reinen Zweckbau beauftragen wollte und erst auf Drängen der Stadt ein Wettbewerb unter renommierten Architekten durchgeführt worden sei. "Wenn man jetzt also das Verfahren wieder grundsätzlich in Frage stellt", sagt Amlong, "dann schadet man der Sache."

Aber auch wenn der Beschluss nicht in Gefahr ist, eins scheint sicher: Die Diskussionen über das milliardenschwere Großprojekt dürften noch eine Weile andauern, wahrscheinlich weit über den Baubeginn, der vom Baubeginn der zweiten Stammstrecke abhängt, hinaus.

 

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