Das richtige Oktoberfest-Outfit Weniger Glitzer, mehr Tradition: Die Trachten-Trends 2015

Glitzer und Spitze war gestern. Die Trachten werdne dieses Jahr wieder etwas ursprünglicher. Klicken sie sich durch die Beispiele in der Bilderstrecke! Foto: dpa/tmn

Glitzer, Perlen, Kristalle - noch in den vergangenen Jahren waren Trachten gerne etwas opulenter. Jetzt kommt die entgegengesetzte Entwicklung: Schlichter ist in. Und bei den Männern kommt der Slim Fit in die Tracht.

München - Eigentlich ist die Tracht an sich ja schon Tradition. Da wirkt es zunächst einmal etwas merkwürdig, wenn der Trend verheißt, dass Trachten wieder traditioneller werden. Doch das ist kein Unsinn: Denn noch vor einigen Jahren hat es am Dirndl sehr geglitzert, erzählt Gabriele Hammerschick von Lodenfrey in München. Da wurden kleine Kristalle in die Bordüren eingearbeitet, außerdem waren die Schürzen prachtvoll aus viel Spitze gestaltet. Dieser Schritt in die Moderne wird nun wieder rückgängig gemacht. "Insgesamt wird es reduzierter", sagt Hammerschick. "Das Handwerkliche tritt in den Vordergrund."

Ganz verschwindet das Neumodische beim Dirndl aber nicht, hat Modedesignerin Lola Paltinger beobachtet. Einige Trachten haben nach wie vor glänzende Stoffe oder gewebte wie Jacquard, außerdem Glitzer, Brokate und bestickte Perlenschürzen. Auf der anderen Seite gebe es aber eben die Strömung, mehr in die Tradition zu gehen, so Paltinger.

Leinen und Baumwolle in Grün-, Bordeaux- und Pastellfarben

Das fängt bei den Stoffen an: Leinen zum Beispiel ist wieder sehr stark gefragt, erklärt Nina Munz von Angermaier Trachten. Aber auch Baumwolle, Samt und Seide kommen in der aktuellen Kollektion zur Verwendung. In Sachen Muster sind in dieser Saison Blumen gefragt. "Das ist definitiv ein Trend", sagt Munz. Insgesamt stehen die Muster aber hinter den Stoffen zurück: "Es wirken die Materialien über die Ausstrahlung vom Stoff", sagt Hammerschick.

Bei den Farben spiegeln sich einige aktuelle Modetrends wider: So kommt laut Munz die absolute Trendfarbe Marsala nun auch im Trachtenbereich zum Tragen. Aber: "Der größte Trend sind Pastellfarben und auch Pudertöne", sagt Paltinger. Das kann auch Hammerschick bestätigen: "Pastell gehört mit der Tracht dazu." Ansonsten sieht sie Bordeaux- und Grüntöne vor allem bei Leinen- und Seidenstoffen.

Weniger ist mehr - auch beim Dekolleté

Die Schnitte verändern sich nur wenig. Eine größere Entwicklung gibt es bei den Blusen: "Die Ärmel werden schmaler", sagt Hammerschick. Die Puff- oder Flügelärmel werden weniger, ebenso Blusen im Carmen-Schnitt. Außerdem sind viele Blusen nun hochgeschlossen, haben einen Stehkragen ohne viel Dekolleté. Besonders bei den jüngeren Kundinnen sei das gefragt, so Hammerschick. Teils haben sogar die Mieder schon einen kleinen Stehkragen integriert.

Wie Bluse und Mieder den Ausschnitt formen, kommt auch auf die Oberweite der Frau an: So kommt ein Unterbrust-Schnitt häufiger bei großem Busen zum Einsatz, ein Herzausschnitt sieht bei kleinerer Brust schön aus, erklärt Munz.

Bei den Schürzen liegt nun im Trend, eher zu einer schmaleren Variante zu greifen. "Die Schürze soll nicht auftragen", erklärt Hammerschick. Gefragt ist diese Saison außerdem der Tegernseer Stil - ein Dreiteiler, der hinten ein kleines Schößchen hat. "Das kommt jetzt momentan sehr stark."

Bei der Länge des Rocks gibt es wenig Neues: Sie liegt bei etwa 65 Zentimetern - einer Mischung aus Knie und Unterschenkelmitte, sagt Munz. Die Schürze muss etwa drei Zentimeter kürzer sein als der Rock. In manchen Röcken sind nun Petticoats eingearbeitet, "die gucken ein bisschen hervor", erklärt Munz. Paltinger fügt hinzu: "Was absolut out ist, sind Mini-Dirndl - das geht gar nicht."

Der Anlass bestimmt den Dresscode

Wann die eher traditionellen und wann die modisch-prunkvollen Trachten zum Einsatz kommen, hängt natürlich auch vom Anlass ab: So darf es abends gerne auch ein bisschen funkeln, findet Paltinger. "Da will ja jeder glänzen." Ansonsten geht es tagsüber auch mit einem einfachen Waschdirndl, also einer eher schlichten Version, meist aus kariertem Stoff und oft ohne Bluse gearbeitet.

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Zum Drüberziehen rät Hammerschick zur Lederjacke: "Das sieht richtig cool und modern aus" - besonders, wenn auch das Mieder aus Leder ist. Generell ist das ein Trend: Oberteil und Jacke aus dem gleichen Stoff zu wählen. Bei den Schuhen sind Frauen relativ frei: Von High-Heel bis Ballerina, erlaubt ist, was gefällt - zumindest, wenn es nicht gerade Sneaker sind. "Ich finde es schöner, wenn man etwas Absatz trägt", sagt Hammerschick.

Beim Thema Hüte gehen die Meinungen der Experten auseinander. Hammerschick sieht sie eher auf dem Rückzug. Paltinger dagegen hat verstärkt mit Blüten oder Federn geschmückte Damenhüte beobachtet. Wer sich nicht sicher ist, schmückt den Kopf einfach mit einer schicken Flechtfrisur. "Es passiert viel am Handgelenk", beschreibt Hammerschick die Entwicklung bei den Accessoires. So werden etwa gerne doppelte Lederbänder mit Anhängern getragen.

"Der Mann von heute möchte enger tragen"

Und wie sieht es bei den Herren aus? Die Männertrachten sind in den letzten zwei Saisons modischer geworden, findet Paltinger. Die Schnitte sind etwas taillierter. "Der Mann von heute möchte enger tragen", sagt Munz. Auffällig sei, dass selbst eingesessene Trachtler etwa nach engeren Hemden fragen, erklärt Gabi Appel, die sich bei Lodenfrey um die Herrentrachten kümmert.

"Man trägt gerne Westen unterm Blazer", sagt Paltinger. Passend zu den Damen gibt es etwa Brokatwesten, darüber ein Janker. Diese Janker sieht man nun auch wieder häufiger als die Strickjacken, die Männer in den vergangen Jahren gerne überzogen. Angesagt sind außerdem Vintage-Lederhosen mit Stickereien, sagt Munz. Auch zu sehen seien stylishe Lederhosen in Grau.

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Farbe kommt vor allem über die Strümpfe hinein. Dort gibt es mit Pink bis Lila besondere Akzente, auch Blau und ein giftiges Grün sind laut Appel vertreten - auch bei den Loferl. "Farbe ist wirklich ein großes Thema." Bei den Schuhen können die Herren sogar - anders als die Frauen - zu Sneakern greifen, etwa in Hirschleder. Ansonsten empfiehlt Appel etwas höher geschnittene Bergstiefel oder Haferlschuhe.

Bunt kommen auch die Hemden daher. Sie gibt es etwa in grün-weißem Karo, aber auch in lila-weiß oder pink-weiß. Zum Teil durchzieht eine Farbe auch das Outfit: So nehmen die Strümpfe und Loferl etwa die Farbe der Weste auf, erzählt Munz. "Immer mehr greifen die Herren zum Gürtel statt zum Träger." Die gibt es mit schönen Verzierungen, etwa mit dem bayrischen Löwen als typisches Trachtenmotiv, erzählt Appel. Und wenn Mann das noch nicht genug Schmuck ist, kann er noch zum Einstecktuch für seinen Janker greifen - diese Saison ein Must-have.

 

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