Das Maxim Kino in Gefahr Das Maxim: Dummerweise charmant aus der Zeit gefallen

Sigi Daiber im Bar-Foyer seines Maxim Kinos in der Landshuter Allee 33. Foto: Daniel von Loeper

102-einhalb Jahre Maxim: Aber dem Betreiber des  Kinos in Neuhausen wurde gekündigt: Gibt es eine Rettung?

 

Es ist mit 102-einhalb Jahren nach dem Gabriel und den Museum Lichtspielen das drittälteste Kino Münchens. Am Maxim in der Landshuter Allee donnert seit 1972 der Verkehr auf dem Mittleren Ring vorbei, aber das Kino mit seinen knapp hundert Plätzen hat schon immer allen Zeiten getrotzt. Jetzt könnte die heroische Geschichte dieses inzwischen etwas verhauten Programmkinos enden. „Ich habe eine Kündigung bekommen“, sagt Sigi Daiber und steht wie ein bärtiger Altkommunarde im lässigen Bar-Foyer, das wie ein WG-Gemeinschaftsraum aus den 70ern wirkt.

Der Vorstadt-Film-Robin Hood hat die Zeichen der Zeit missachtet

1978 hat er das Kino, damals noch mit drei Mitstreitern, übernommen und seither als „unabhängiges Programmkino mit politischem Anspruch“ geführt. Seither ist im Maxim einiges gelaufen, manches auch schief. Thematische Filmreihen, Dritte-Welt-Filme und Retrospektiven werden gezeigt, und das Münchner DokFest begann seinen Siegeszug hier. Aber Sigi Daiber, Vorstadt-Film-Robin-Hood, hat viele Zeichen der Zeit missachtet. Fast wie aus einem „Asterix“-Vorspann klingt es: Letzten November verkündete der Film- und Fernseh-Fonds Bayern zu recht stolz, dass durch seine Förderung jetzt „alle bayerischen Kinos digitalisiert“ seien. Alle? Ein kleines Kino hat sich dieser Wohltat widersetzt: das Maxim. Überhaupt scheint Siegfried Daiber im Kampf mit der schönen neuen Digitalwelt zu liegen. Denn die Homepage des Maxims, die ihm einige Enthusiasten aufbauten, pflegt Daiber nicht. Info-Stand: 2010. Dass einige der verblichen rot bespannten Sitze der Holzsitzreihen mehr als nur durchgesessen sind, ist da fast schon charmante Nebensache. Dabei hatte Sigi Daiber noch zum 100. Geburtstag des Maxim im Interview gesagt: „Ich wünsche mir ein präsentables Kino. Toll wären eine moderne Technik und eine bessere Ausstattung. Der Charme, die Ästhetik und das nostalgische Flair sollen erhalten bleiben.“

Der Hausbesitzer will einen Parkettladen. Würde er auch einem neuen Kino eine Chance geben?

Jetzt ist die Frage, wie das gehen soll, wie es weiter geht? Schon vor fünf Jahren hatte der Betreiber des Monopol Kinos, Christian Pfeil, beim Eigentümer Interesse angemeldet, das Maxim unter Umständen weiter zu betreiben. „Heute, nachdem wir mit dem Monopol aus der Feilitzsch- in die Schleißheimer Straße umgezogen sind und viel investieren mussten und ich auch noch das Arena betreibe, sage ich: Ich würde einen neuen Betreiber des Maxims mit allem Know-How und mit aller Logistik unterstützten. Aber selbst kann ich zur Zeit den Investitionsstau dort nicht auflösen“, sagt Pfeil der AZ. Er selbst schätzt das Investitionsvolumen dort auf 200 000 Euro. „Aber ich bin immer noch überzeugt, dass das Maxim, mit seinem Einzugsgebiet in Neuhausen gute Chancen hat.“ Auch die Stadt München will ein weiteres Traditionskinosterben verhindern. „Wir können zwar kein privates Wirtschaftsunternehmen subventionieren“, sagt Jennifer Becker, die Pressesprecherin des Kulturreferats: „Aber wir vergeben Kinoprogrammpreise und wir können als Stadt bei einer Sanierung mit einem neuen Betreiber reden, damit er weiß, was finanziell auf ihn zukommt.“ Moderne Brand- und Feuerschutzauflagen müssten zwar beachtet werden.

Helfen oder hindern Denkmalschutz, Brandschutzauflagen und Erhaltungssatzung?

Aber gleichzeitig will man dem Maxim gerne als Kino helfen und entgegenkommen. Das Kino ist von der der so genannten Erhaltungssatzung der Stadt erfasst, die die städtebauliche und soziale Struktur Neuhausens erhalten will. Auch steht das „Mietshaus Nr. 33, Landshuter Allee“ in der Denkmalschutzliste der Landeshauptstadt mit dem Vermerk „neubarock, reich gegliedert, 1901“. Der Immobilienbesitzer ist mit einem Parkett-Händler im Gespräch. „Aber der Besitzer weiß, dass er nicht weiß, wie die Zukunft in dieser Lage hier aussieht. Nachbarkneipen haben hier alle zwei oder drei Jahre einen Pächterwechsel“, sagt Daiber, der selbst bisher monatlich 2000 Euro inklusive Nebenkosten an Miete zahlt. Wahrscheinlich hoffe der Vermieter auf die geplante Tunnellösung hier am Mittleren Ring, was seiner Immobilie einen Wertzuwachs bescheren würde. „Aber da ist in der Stadt ja noch nichts entschieden“, sagt Daiber. „So würde man jetzt wohl noch mindestens einen Fünfjahresvertrag für eine Kinonutzung bekommen.“

Endlich mit zwei Jungbetreibern im 21. Jahrhundert?

Es gibt bereits Interessenten, die das unabhängige Stadtteilkino weiterbetreiben würden: „Kinoverrückt“, sagen sie über sich selbst, seien sie, zwei Freunde die privat schon lange „Kellerkino“ machen. Jetzt wollen sie Mitinvestoren suchen, Darlehnsgeber. Und weil man jung und modern ist, wird man es auch über Crowdfunding versuchen. Wenn das gelingt, wäre das Maxim endlich in der digitalen Welt angekommen. Allerdings müsste der Vermieter auch noch überzeugt werden.

 

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