Das letzte Gastspiel Circus Voyage darf nicht mehr nach München kommen

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Die vier Elefanten sind in den 80er Jahren als Waisen zum Circus Voyage gekommen. Ihre Eltern waren von Wilderern wegen ihres Elfenbeins getötet worden. Foto: Petra Schramek

Wegen der Wildtiere wird die Stadt nicht mehr an den Zirkus vermieten. Tierschützer freut’s, der Betreiber protestiert dagegen.

 

München - Giraffen kauen träge, Tiger baden übermütig, ein Elefant steckt sich Obst ins Maul – mitten in Trudering. Der Circus Voyage campiert mit seinen 80 Tieren in der Wasserburger Landstraße. „Leider werden wir zum letzten Mal auf der angemieteten Fläche gastieren, da in München bereits ein Wildtierverbot für städtische Flächen existiert. Es würde uns freuen, wenn der Stadtrat dieses Verbot revidieren könnte“, sagt Direktor Alois Spindler.

Tierschützer halten Spindler und seinem Zirkus schon lange vor, dass gerade die exotischen Tiere wie Flusspferd Jedi leiden. Jedi ist laut der Tierschutz-Organisation Peta allein in einen Wassertank gesperrt. Ein Foto von Peta zeigt eine Giraffe, deren Körper regelrecht übersät ist mit tiefen Narben – laut Peta vermutlich eine Folge der ständigen Transporte.

Ein Foto zeigt eine Giraffe mit tiefen Narben am Körper

Am Freitagmittag, als der Zirkus Journalisten und Politiker eingeladen hat, um sich selbst ein Bild zu machen, wirken die Tiere auf den ersten Blick entspannt. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass das Tierschutzgesetz hier verletzt wird. Trotzdem haben Tiger, Giraffen und andere Exoten im Zirkus einfach nichts zu suchen. Sie können nicht artgerecht gehalten werden“, sagt Katrin Habenschaden von den Rathaus-Grünen, die auch vor Ort ist.

„Wir erfüllen nicht nur die Mindestanforderungen des Tierschutzgesetzes, sondern sind bei unseren Gehegen weit darüber“, sagt Zirkusdirektor Spindler. „Einen Zirkus ohne Tiere will sich niemand vorstellen.“ Zehn Monate im Jahr sind die Tiere auf Reisen, an 25 Standorten gibt’s Gastspiele. In München ist der Zirkus wohl letztmals. Weil die Münchner sich nicht auf Kosten der Tiere amüsieren wollen.

Wildtiere im Zirkus - Argumente Pro und Contra

Das sagen Zirkusfreunde: „Tiere gehören dazu“

Der klassische Zirkus besteht aus Artistik, Clownerie und natürlich den Tieren. Im Zirkus kann jeder das Verständnis zwischen Mensch und Tier aus nächster Nähe beobachten, erklärt die Gesellschaft für Circusfreunde.

Denn die Dressur beruht auf einem engen Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier. Die Dressurübungen sind dem natürlichen Verhaltensrepertoire der Tiere entlehnt. Diese Übungen verbessern sogar die körperliche und geistige Fitness der Tiere, so dass Zirkustiere bei guter Pflege deutlich älter werden als ihre Artgenossen in freier Wildbahn.

Für jede Tierart sind die Mindestanforderungen an Haltung, Transport, Ernährung, Klima und Ausbildung gesetzlich vorgeschrieben und werden regelmäßig durch die Veterinärämter kontrolliert. Die Wildtierhaltung in den großen deutschen Zirkussen bewegt sich heute auf demselben Niveau wie in einem Zoo.

Zirkus und Zoo haben das Ziel, die Tiere den Menschen nahen zu bringen. So wird ein Interesse für Tiere geweckt, deren natürlicher Lebensraum vernichtet wird.

Das sagen Tierschützer: „Haltung nicht artgerecht“

Die Tierrechtsorganisation Peta fordert ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus. Denn die Unterbringung in kleinen Gehegen, die Transporte sowie die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur führen zu Verhaltensstörungen und Krankheiten. Bei exotischen Wildtierarten wie Elefanten oder Tigern sprechen sich auch der Bundesrat sowie die Bundestierärztekammer für ein Verbot aus.

Eine artgemäße Wildtierhaltung ist praktisch nicht möglich, da reisende Zirkusse häufig ihren Standort wechseln und Gastspiele mitten in der Stadt durchführen. „Die Zirkuswagen sind in der Regel klein, und in der Manege müssen die Wildtiere ein festgelegtes Bewegungsprogramm durchführen. In den temporären Gehegen können die Tiere keine Reviere einrichten, sich nie zu Hause fühlen, auch wenn sie dort mehr Bewegungsfreiheit haben“, sagt Theodor Mantel, Präsident der Bundestierärztekammer.

Einer Forsa-Umfrage zufolge vertreten 82 Prozent der Deutschen die Auffassung, dass Wildtiere nicht artgerecht im Zirkus gehalten werden können.

So ist die Rechtslage

18 europäische Länder wie beispielsweise Belgien, Österreich, die Niederlande und Griechenland haben bereits bestimmte oder alle Tierarten im Zirkus verboten. In Deutschland blockiert die CSU/CDU ein Wildtierverbot. Über 65 Städte lassen bestimmte Tierarten auf ihren kommunalen Flächen nicht mehr zu.

Seit April 2016 ist ein Urteil des Verwaltungsgerichts München rechtskräftig, das die Rechtmäßigkeit eines kommunalen Wildtierverbots bestätigt.

Und was meinen Sie?

Gehören Wildtiere in den Zirkus – oder ebendort verboten? Schreiben Sie uns Ihre Meinung.
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