Darum legt 1860 keine Serie hin Löwen-Magerkost statt Festmahl Nummer zwei

Punktloser Ausflug in die Hauptstadt und hängende Köpfe bei den Löwen. Foto: dpa

Union Berlin beendet die 1860-Serie – und lässt das Pereira-Team wieder nach unten blicken. „Nicht wettbewerbsfähig“, kritisiert der Trainer. Die AZ erklärt, woran die Niederlage in der Hauptstadt lag

Von anderen Sphären schwärmende Fans, ein stark gestarteter Vitor Pereira – und sogar der Zigarren qualmende Hasan Ismaik auf der Tribüne der Alten Försterei. Anhänger, Trainer, Investor – alle hofften nach dem souveränen Sieg gegen den 1. FC Nürnberg im Gastspiel des TSV 1860 bei Union Berlin auf ein fußballerisches Festmahl. Zu ihrem Leidwesen gab’s das nur für den Gegner.

„Die Mannschaft wächst von Spiel zu Spiel besser zusammen. Wir sind auf einem guten Weg“, hatte 1860-Trainer Pereira zuletzt erklärt. Sein Blick ging nach oben. Nun, nach der 0:2-Auswärtspleite, musste er eingestehen: „Wir haben eine sehr starke Mannschaft in Berlin getroffen. Sie war technisch und taktisch gut vorbereitet.“

Seine eigene Elf lieferte Magerkost statt Festmahl Nummer zwei, bei den Eisernen hatten die Löwen nur eine eiserne Ration zu bieten – und geizten mit allem, was sie in den Spielen zuvor und speziell gegen den Club stark gemacht hatte.

Damit muss der Tabellen-14. wieder etwas nach unten blicken, wo der komfortable Sieben-Punkte-Vorsprung durch Bielefelds Punktgewinn in Hannover etwas dahingeschmolzen ist und sich durch das direkte Duell von St. Pauli und dem KSC heute Abend weiter verringern kann.

Die AZ zeigt, warum Sechzig die Hauptstadt mit gesenkten Köpfen verlassen mussten.

Miese Auswärtsbilanz: Elf Spiele in der Fremde, nur ein Dreier in Nürnberg, zwei Remis, und acht Pleiten – nur Bielefeld ist schlechter in der Auswärtstabelle als Sechzig. „Wir waren in der ersten Halbzeit nicht wettbewerbsfähig“, hatte Trainer Pereira die schwache Leistung vor der Pause analysiert. So hätte er auch über die Auswärtsbilanz urteilen können.

Aufstiegsaspirant gegen Kellerkind: Als Spieler 1860-Aufstiegsheld 1994, als Union-Coach auch auf dem Weg in die Bundesliga: Ex-Löwe Jens Keller steht mit seiner Elf dort, wo Kellerkind 1860 gerne wäre. „Ich würde nicht sagen, dass es ein Klassenunterschied war. Es wäre mehr drin gewesen, wenn wir unsere Leistung abgerufen hätten“, sagte Kai Bülow zwar. Im Endeffekt ließ sich dennoch klar erkennen, warum beide Teams so viele Tabellenplätze trennen.

Keine Mentalität: Wie einer eingespielten Mannschaft begegnen, die in einem nicht allzu großen, aber stimmungsvollen und authentischen Fußball-Tollhaus für Furore sorgt? „Uns haben heute für unsere Spielidee die Aggressivität und Mentalität gefehlt. Wir hätten die Zweikämpfe besser annehmen müssen“, gestand Pereira, der seine Elf hart kritisierte.

Mangelhaftes Offensivspiel: Über 60 Minuten lang keine ernsthafte Torchance, dann Ivica Olics Fast-Chance und Sebastian Boenischs Lattenknaller. Mehr nicht. „Uns haben die Abschlussaktionen gefehlt. Das müssen wir wieder verbessern“, erkannte Maximilian Wittek.

Unbespielbarer Untergrund: Tribünengast Ismaik hat seine eigene Theorie, warum seine Sechzger verloren. Der Rasen war schuld! Der Jordanier sprach Berlin zwar ein Kompliment für einen verdienten Sieg aus, doch „nicht nur die bessere Tagesform der Berliner, sondern auch die katastrophalen Platzbedingungen im Stadion an der Alten Försterei“ seien „mitentscheidend für unsere Niederlage“ gewesen. Zudem empfahl er DFB und DFL, „aus Fairnessgründen für eine ordentliche Spielfläche zu sorgen“. Gut für Ismaik und 1860: Im kommenden Kellerduell daheim gegen St. Pauli können weder Auswärtsbilanz noch Zweitliga-Topteam und Geläuf als Ausrede dienen. Matthias Eicher

 

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