Darts-Weltmeister im Interview Rob Cross: "Ich werde dem Münchner Publikum etwas bieten"

Der 27-jährige Engländer wurde im Januar Darts-Weltmeister. Am Osterwochenende (31.3. bis 2.4.) spielt er beim German Darts Grand Prix im Zenith. Foto: dpa

Rob Cross ist beim German Darts Grand Prix im Zenith am Start. Hier spricht der Weltmeister über die Atmosphäre beim Darts, sein Vorbild Phil Taylor und den WM-Triumph: "Ein sehr spezieller Moment".

 

Der Engländer Rob Cross (27) wurde im Januar Darts-Weltmeister. Am Osterwochenende (31.3. bis 2.4.) spielt er beim German Darts Grand Prix im Zenith.

AZ: Mister Cross, Sie reisen als amtierender Darts-Weltmeister nach München. Was gefällt Ihnen an der Stadt besonders gut?
ROBB CROSS: Oh, eine schwierige Frage. München ist eine sehr schöne Stadt mit vielen tollen Flecken.

Viele sagen: das Oktoberfest. Besonders Touristen. Haben Sie davon schon gehört?
Ja, davon habe ich schon gehört. Aber ich war leider noch nicht da.

Ich frage nur, weil das Oktoberfest atmosphärisch mit dem Alexandra Palace, dem WM-Austragungsort, vergleichbar ist...
Die Atmosphäre im Ally Pally (der Alexandra Palace wird in der Dartsszene liebevoll so genannt; Anm. Red.) ist natürlich grandios, sehr speziell. Die WM ist das größte Event im Jahr. Aber auch die Premier League ist toll, zuletzt waren wir ja in Berlin. Deutschland wächst und wächst.

In Berlin spielten Sie vor 12.000 enthusiastischen Fans. Wie kann man sich da denn bitte konzentrieren?
Das Wichtigste ist, dass man im Tunnel ist, sich nicht zu sehr von den Fangesängen beeindrucken und ablenken lässt. Die Atmosphäre kann dem Spieler helfen, ihn aber auch verunsichern. Denn manchmal ist das Publikum auf deiner Seite, manchmal nicht. Das Ziel eines Spielers muss sein, sein A-Game auf die Bühne zu bringen. Damit euphorisierst du das Publikum.

Rob Cross: Deutsches Publikum sorgt für Gänsehaut

Wie finden Sie eigentlich die deutschen Darts-Fans?
Sehr respektvoll. Sie machen nicht nur in den brillanten Momenten Stimmung. Ich komme immer mit der Erwartungshaltung nach Deutschland, dass das Publikum für eine Gänsehaut-Atmosphäre sorgen wird.

Können Sie uns erklären, warum Darts so beliebt ist?
Man muss nur auf die Fans schauen, die das in jeder Sekunde des Spiels zelebrieren. Gute Stimmung und Darts gehören eben zusammen. Darts ist ein Sport für die Fans.

Darts soll 2024 olympisch werden. Wäre das nicht kontraproduktiv?
Nein, das wäre eine tolle Sache. Ich glaube nicht, dass darunter das Image leiden würde. Der Sport würde womöglich noch bekannter werden.

Sie sind amtierender Weltmeister. Nach dem Finalsieg im Januar: Wie haben Sie den Sieg gefeiert?
Danach gab es sehr viele Medientermine. Und das ist nach so einem großen Triumph eine ganz neue Erfahrung, eine neue Dimension. Plötzlich stehst du im Mittelpunkt. Es war ein sehr spezieller Moment, eine sehr spezielle Nacht für mich.

Und wohl auch eine harte Nacht. Sind Sie ein Party-Tier?
(lacht) Nein, definitiv nicht. Aber ich habe mich sehr über den Sieg gefreut, über den Weltmeistertitel.

Aber spätestens als Sie auf Ihren Kontostand geschaut haben, müssen Sie doch vor Freude ausgerastet sein: 400 000 Pfund für den WM-Sieg!
Das ist tatsächlich ein klein bisschen lustig, weil die Summe für den Weltmeister erstmals so hoch war. Im Finale denkt man aber nicht an diese Summe. Ich habe versucht, mich zu konzentrieren. Auf mein Spiel, auf meine beste Leistung.

Einer, der immer betont, dass er kein Millionär, sondern Multi-Millionär sei, ist der 16-malige Weltmeister Phil Taylor. Ist er Ihnen eigentlich noch böse, dass Sie ihm ein solch hohes Preisgeld in seinem letzten Spiel vor der Rente weggeschnappt haben?
Nein, gar nicht. Phil ist einfach ein grandioser Typ, eine Legende. Er ist mein absolutes Vorbild, ein Pionier für den Dartssport. Klar, war er nach der Niederlage etwas enttäuscht. Ich habe danach auch sehr verhalten reagiert. Aus Respekt vor ihm.

Auch Rob Cross' Sohn ist Darts-Talent

Schauen Sie sich manchmal Videos von sich selbst an, und sagen dann zu Ihrer Familie: "Wow, bin ich gut!"?
Nein, definitiv nicht. Ich gucke eher nach Dingen, die ich nicht so gut gemacht habe, versuche mich zu verbessern, darauf lege ich den Fokus.

Aber von Ihrem Sohn bekommen Sie das doch bestimmt manchmal zu hören...
Mein Bub ist jetzt sechs Jahre, er liebt Darts. Ich glaube schon, dass ich eine Inspiration für ihn bin. Aber auch er ist ein außergewöhnliches Darts-Talent (lacht).

Dann könnte es ja womöglich eines Tages zu einem Match kommen: Cross Senior gegen Cross Junior – Papa gegen Sohn...
Das könnte durchaus passieren. Ich würde mich sehr freuen, wenn mein Sohn seine Ziele erreichen würde. Klar ist: Er würde mich dann schlagen, definitiv (lacht).

Aktuell rangieren Sie in der Weltrangliste auf Rang drei. Hinter Michael van Gerwen und Peter Wright, die auch in München dabei sein werden. Wie wichtig ist das Turnier am Osterwochenende für Sie?
Das Turnier ist natürlich sehr wichtig. Ich liebe Deutschland, die deutschen Fans. Und: Ich habe noch nie ein Turnier in Deutschland gewonnen! Ich will dem Münchner Publikum etwas bieten und werde ihm etwas bieten – versprochen!

Um so gut zu werden wie Sie, braucht es sicherlich sehr viel Stunden an der Dartsscheibe. Wie oft trainieren Sie am Tag?
Trainieren ist aktuell schwierig. Es stehen momentan sehr viele Turniere an den Wochenenden an. Nicht nur die Premier League, auch die European Tour. Da bleibt nicht mehr allzu viel Zeit, um zu trainieren. An einem sehr guten Tag trainiere ich so um die drei Stunden.

Sie wohnen in Hastings, im Südosten Englands, einer 90 000-Einwohner-Stadt. Dort gibt es noch eine Fischerei. Lieber Fisch oder Weißwürste mit Brezn und süßem Senf?
Ganz ehrlich? Ich mag keinen süßen Senf – ich mag aber auch keinen Fisch. Ich würde wohl beides stehen lassen. Tut mir Leid (lacht).

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