Daniel Wein trauert um Ibrahim Kododji Wie ein Löwe die harte Seite des Geschäfts erlebt

Gebürtiger Münchner bei den Löwen: Daniel Wein. Foto: sampics/Augenklick

Löwe Daniel Wein muss den Tod seines Freundes Ibrahim Kododji verarbeiten und gleichzeitig seinen Stammplatz beim TSV 1860 behaupten. In diesen Tagen zeigt sich, dass im Fußballgeschäft kein Platz für Sentimentalitäten ist.

München - Seine Trauer war intensiv. Aber hatte er auch Zeit, das Drama, den Tod seines Freundes, zu verkraften, wirklich zu verarbeiten? Daniel Wein ist Fußballprofi. Eine Männerdomäne, die nicht viel Platz für Sentimentalitäten lässt. Das Geschäft ist hart und schnelllebig. Wer innehält, wer abgelenkt ist, gerät schnell in Gefahr, gegenüber den Kollegen in Rückstand zu geraten.

Brutale Erfahrung für Daniel Wein

Es ist eine brutale Erfahrung, die der Mittelfeldmotor des TSV 1860 in diesen Tagen macht. Ibrahim "Ibo" Kododji († 24) war wie ein Bruder für ihn, wie Wein auf Instagram schrieb: "Ich habe dich als meine Familie angesehen." Ende August verunglückte der Amateurfußballer der Löwen bei einem Autounfall in seiner Heimat Togo. Er erlag kurz darauf seinen Verletzungen. Für Wein ist seither nichts mehr so, wie es einmal war.

Und doch: Die Gesetze des Fußballgeschäfts lassen eine mentale Pause für den 24-Jährigen gar nicht recht zu. "Ich glaube, dass es relativ gut abgehakt ist. So eine Geschichte verarbeitet man nicht von heute auf morgen, klar. Aber er macht den Eindruck, als habe er es gut verarbeitet", meinte Sportchef Günther Gorenzel am Montag der AZ zur Verfassung Weins.

Daniel Wein schwer gezeichnet

Die Eindrücke in den Tagen davor vermittelten noch ein anderes Bild: Wein war schwer gezeichnet. Beim Toto-Pokalspiel in Memmingen (1:0) gedachten die Sechzger des Verstorbenen mit einer Gedenkminute, Wein in Zivil und andere Freunde des in Giesing beliebten Kododji kamen mit auf den Platz. Wein hatte seine Basecap tief ins Gesicht geschoben, in einem Text, den der Stadionsprecher vorlas, nannten er und die anderen Freunde Kododji einen "Engel" und "lieben Menschen".

Auch Weins emotionaler Abschied auf Instagram ließ nur erahnen, wie es tief in ihm aussieht. Noch im Juni waren er und Kododji gemeinsam im Urlaub in New York. Ende vergangener Woche hielt er vor der Löwen-Geschäftsstelle mit Freunden eine Totenwache für seinen Kumpel. Auf einem Tisch war ein Gedenkaltar für Kododji mit 1860-Trikots, Kerzen und Blumen errichtet. Wein trug eine weiß-blaue Schärpe.

Löwen trainieren wieder - mit Daniel Wein

Seit Montag wird auf dem Vereinsgelände nun wieder trainiert. Mittendrin: Wein. "Ein Tick weit gehört es zum Geschäft Fußball dazu, dass du dich auf dem Platz konzentrierst und fokussierst. Wenn diese Dinge im Privaten sind, in der Familie oder im Freundeskreis ist es natürlich umso schwieriger", sagte Gorenzel: "Im Fußball kommen von außen herum immer viele Faktoren dazu, die man ausklammern muss, damit man seine Leistung bringt."

Es ist eine ehrliche Einschätzung des Sportlichen Leiters. Er und Coach Daniel Bierofka müssen den Fußballer Wein weiterbringen, der sich in den vergangenen Wochen einen Stammplatz in der Zentrale erarbeitet hatte. Zuletzt hatte Wein aber wegen eines Schlages auf das Sprunggelenk pausieren müssen. Zumindest körperlich geht es ihm besser.

Erstes Spiel nach Schicksalsschlag

"Es war klar, dass er nicht innerhalb einer Woche schmerzfrei sein würde. Es ist ja kein Geheimnis, dass er im letzten Spiel fit gespritzt wurde", erzählte Gorenzel über Wein, der beim 2:0 gegen Energie Cottbus durchgespielt hatte, ehe ihn die Todesnachricht von Kumpel Ibo erreichte.

Am Samstag erwartet ihn nun bei Hansa Rostock (14 Uhr, im AZ-Liveticker) wohl das erste Spiel seit dem Schicksalsschlag. Dann wird von ihm erwartet, dass er die Trauer für 90 Minuten beiseiteschiebt. Das Geschäft lässt nichts anderes zu.

 

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