CSU-General Andreas Scheuer Doktor-Titel per Gesetz erlaubt

Andreas Scheuer hatte seinen Doktor-Titel aus Prag Foto: dpa

Wie der umstrittene Titel von CSU-General Andreas Scheuer erst ungültig war – und dann unter Wissenschaftsminister Thomas Goppel in Bayern plötzlich per Gesetz erlaubt wurde.

München -  Wenn es um Bildung geht, ist Bayerns CSU-Regierung besonders stolz drauf, dass im Freistaat der höchste Standard der Republik gilt: beim Abitur und den Studienabschlüssen. Ein bayerisches Zeugnis gilt also was.

Nur ausgerechnet bei den hohen wissenschaftlichen Weihen, dem Doktor-Titel, war die Staatsregierung ganz großzügig. Da schaffte sie sogar für Schummel-Titel aus Prag eine Ausnahme. Nur in Berlin, über dessen niedriges Bildungsystem die CSU so gerne lästert, und in Bayern ist der „kleine Doktor“ aus Tschechien erlaubt.

Die Grünen sprechen inzwischen von einer „Lex Scheuer“ in der Affäre um den Generalsekretär der CSU. Für die Ausnahmeregelung in Bayern, die es Andreas Scheuer erlaubte, seinen Titel aus Prag zu tragen, war damals, 2006, Kultusminister Thomas Goppel zuständig.

Auch der Sohn des früheren Ministerpräsidenten Alfons Goppel hat einen Doktor. Den erwarb der Volksschullehrer 1982 in Salzburg. Da saß er schon acht Jahre im Landtag. Damals habe man in Österreich „leichter einen Doktor als einen Führerschein“ bekommen, wird im Wissenschaftsministerium gelästert. Auch Goppel war bis zu seiner Berufung zum Wissenschaftsminister 2003 Generalsekretär der CSU. Der damalige Parteichef Edmund Stoiber hatte ihn im Januar 1999 in die Landesleitung geholt.

Dort war gerade der junge Scheuer als persönlicher Helfer für Stoiber tätig. Er organisierte für ihn die Touren mit dem Wahlkampfbus. 2005 interessierte sich die Staatsanwaltschaft in Passau für den Doktor-Titel, den der aufstrebende CSU-Politiker Scheuer im Jahr zuvor in Prag verliehen bekommen hatte und wie eine Monstranz vor seinem Namen trug. Da passte es gut, das Goppel nun Wissenschaftsminister war.

Der schildert der AZ den Fall so: Am 8.Februar 2005 habe Scheuer an ihn geschrieben, sei so gut, gib mir Auskunft über meinen Doktortitel. Die habe ihm am 11. März 2005 der zuständige Ministerialrat im Auftrag des Herrn Staatsminister mitgeteilt: „Ihre Doktorarbeit kann nicht anerkannt werden.“ Danach begann in Bayern ein Gesetzgebungsverfahren. Am 1. Juni 2006 habe der Landtag ein neues Gesetz beschlossen, das den kleinen Doktor anerkannte, so Goppel. Scheuer durfte den Titel nun rechtmäßig tragen. Goppel: „Das war alles ganz korrekt.“ Die Staatsanwaltschaft hatte ihre Ermittlungen zuvor wegen der bevorstehenden Gesetzesänderung eingestellt.

Zu seinem eigenen Doktortitel sagte Goppel: „Ich wollte mich keinem Kungel-Verdacht in Bayern aussetzen, deshalb bin ich nach Salzburg. Der Doktor in Salzburg war schwerer als der in Bayern.“ Eine weitere Attacke auf den bei der CSU so geliebten Titel wehrte die Staatspartei 2007 ab. In der großen Koalition wollte der damalige Innenminister Dr. Wolfgang Schäuble den Doktor aus dem Pass streichen. Der damalige bayerische Innenminister Dr. Günther Beckstein erhob erfolgreich Einspruch.

 

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