Costa Rica zieht ins Viertelfinale ein "Richtig bitter": Gekas versagt im Elfmeter-Drama

Theofanis Gekas scheitert an Keylor Navas Foto: dpa

Theofanis Gekas war die tragische Figur im Elfmeter-Drama von Recife. Weil der frühere Bundesliga-Torschützenkönig nicht traf, ist Griechenlands WM-Traum im Achtelfinale geplatzt.

 

Recife - Theofanis Gekas heulte wie ein Schlosshund. Minutenlang lag der frühere Bundesliga-Torschützenkönig im Mittelkreis der Arena Pernambuco und wurde von Weinkrämpfen geschüttelt. Gekas wusste genau: Sein verhängnisvoller Fehlschuss ließ nicht nur den griechischen Traum vom historischen ersten WM-Viertelfinale binnen Sekundenbruchteilen zerplatzen – das Elfmeter-Drama von Recife war wohl auch der traurige Schlussakkord seiner langen internationalen Karriere.

"Das hätte jedem von uns passieren können", sagte Sokratis dem SID und versuchte die Gemüter nach dem bitteren Achtelfinal-K.o. gegen Costa Rica (5:3 i.E) wieder zu beruhigen: "Wenn du zum Elfmeter antrittst, dann stehen die Chancen immer 50:50." Schon auf dem Platz war der BVB-Verteidiger der erste gewesen, der seinen Teamkollegen nach dessen Fehlschuss in den Arm nahm.

Doch auch ihm gelang es nicht, Gekas zu trösten. Zu tief saß der Schmerz über diesen verflixten vierten Elfmeter, mit dem der 34 Jahre alte Angreifer am überragenden Torhüter Keylor Navas gescheitert war. Den entscheidenden Treffer von Costa Ricas Michael Umana bekam Gekas schon gar nicht mehr mit.

Als sich Gekas einigermaßen wieder berappelt hatte, wollte er weg. Nur noch weg vom Ort der wohl schmerzhaftesten Niederlage seiner Karriere. Mit gesenktem Kopf und geröteten Augen trottete der Bundesliga-Torschützenkönig an den wartenden Journalisten vorbei und verkrümelte sich in den Mannschaftsbus. So hatte er sich seinen Abschied von der großen Fußball-Bühne nicht vorgestellt.

Dabei hatten die Griechen in dieser denkwürdigen brasilianischen Nacht alles selbst in der Hand gehabt. Sie spielten nach der gelb-roten Karte gegen Oscar Duarte (66.) fast eine Stunde lang in Überzahl, dominierten die Partie spätestens in der Verlängerung nach Belieben und erarbeiteten sich mehr Torchancen (24:6 Torschüsse) als in den vorherigen drei Vorrunden-Spielen zusammen.

"Das ist richtig bitter. Wir hatten es selbst in der Hand", sagte der bärenstarke Sokratis, der mit seinem Last-Minute-Treffer (90.+1) die Verlängerung erst erzwungen hatte. Trotzdem könne sein Team stolz sein: "Wir haben den Menschen in der Heimat viel Freude bereitet und können erhobenen Hauptes nach Hause fahren."

Tatsächlich war das Team Hellas in Zeiten der schweren Wirtschaftskrise in den vergangenen Wochen und Monaten zu einem der wenigen Lichtblicke in der Heimat geworden. Schon der erstmalige Einzug in die K.o.-Phase einer WM hatte für spontane Jubelfeiern unter der Akropolis gesorgt. Die Medien schrieben von einem "Wunder", und selbst Regierungschef Antonis Samaras wurde im fast 8000 Kilometer entfernten Athen zum Fußballfan.

"Wir haben mit dieser Weltmeisterschaft Geschichte geschrieben. Jeder hat sein Bestes für Griechenland gegeben", sagte Trainer Fernando Santos. Und Sokratis meinte nach dem größten Erfolg seit dem EM-Titel von 2004: "Diese Mannschaft hat eine Zukunft. Wir sind weiter bereit, für unser Land zu kämpfen."

Der Kampf muss in Zukunft allerdings ohne Coach Santos geführt werden. Der Nachfolger von Otto Rehhagel wird seine Arbeit wie angekündigt nach der WM beenden. Nach vier Jahren war das Achtelfinale am Sonntagabend das letzte Spiel des 59 Jahre alten Portugiesen bei den Hellenen, seinen an diesem Montag auslaufenden Vertrag verlängert er nicht.

"Das war es", sagte Santos nach der Partie in Recife: "Mein Nachfolger steht ja schon fest." Griechischen Medienberichten zufolge soll Claudio Ranieri das Amt übernehmen.

Santos hatte die griechische Mannschaft 2010 übernommen. Er führte Hellas ins Viertelfinale der Europameisterschaft 2012 (2:4 gegen Deutschland) und nun in Brasilien erstmals in die Runde der letzten 16 einer WM. In Zukunft will Santos wieder einen Klub trainieren.

 

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