Computersimulation Citybus Simulator: Per Bus durchs digitale München

AZ-Redakteur Julian Galinski am Laptop bei der Probefahrt mit dem Bus-Simulator. Gesteuert wird per Lenkrad. Foto: Gregor Feindt

Betrunkene Fahrgäste an der Wiesn, Nachttour mit der Museumslinie, Absturz am Friedensengel: Die AZ hat den neuen Simulator getestet

 

Dunkelblaue Hose, hellblaues Hemd. Die Klamotten passen also. Es ist nur ein bisschen kühl an diesem Abend, als ich am nördlichen Hauptbahnhof in den Bus steige. In meinen Bus. Denn heute bin ich Busfahrer – virtueller Busfahrer, genau genommen. Am 6. Dezember erscheint der „Citybus Simulator München“ von Entwickler Aerosoft für den PC. Und wir wollen wissen: Wie realistisch ist das digitale München? Die Abläufe vor dem Anlassen des Motors gleichen originalgetreu denen im echten Münchner Bus, die MVG und Bus–Hersteller MAN haben Aerosoft bei der Entwicklung unterstützt. Erst stecke ich meine persönliche Fahrerkarte in das Lesegerät über meinem Kopf. Dann lasse ich den Motor an, schalte das Licht an, und löse die Feststellbremse. Das geschieht mittels einer Kombination aus Tastatur und Maus, wer möchte kann auch Gamepad oder PC-Lenkrad einsetzen. Ich werde für den Anfang von Kevin Proft unterstützt, er arbeitet als 3D-Designer beim Entwicklerstudio.

Ich entscheide mich erst einmal für eine Leerfahrt ohne Fahrgäste. Sicher ist sicher. Tür zu, Heizung an! Ich biege nach rechts auf die Arnulfstraße ab, schlage das Lenkrad zu stark ein, versuche gegenzusteuern – und lande auf den Tramgleisen.

Die nächsten Kurven um den Hauptbahnhof fahre ich vorsichtiger und schaue mir die Szenerie am Straßenrand an. Gut, vom Fotorealismus ist der Simulator noch ein Stück entfernt – aber jede Straße und nahezu jedes Gebäude lässt sich eindeutig erkennen.

Ich mache mich auf den Weg zur Theresienwiese. Auf den Gehwegen um den Bavariaring torkeln Menschen herum. Und sie sind nicht etwa schlecht animiert, sie torkeln wirklich. Im virtuellen München ist Ganzjahres-Wiesn.

Ich stelle den Bus ab und steige aus. Den Männern (es sind nur Männer) muss geholfen werden. Ich laufe zu einem hin, er lallt etwas und versucht zu jodeln. Tatsächlich helfen kann ich ihm nicht. Gut, ich bin Busfahrer, nicht Sanitäter.

Als ich zu meinem Bus zurückkehre, herrscht schon Stau. Zwei Kollegen und dutzende Autos sind steckengeblieben.

Wir stellen die Uhr einige Stunden nach vorne. Die Nacht ist vorbei, die Sonne scheint wieder. Ich fahre die Museumslinie entlang, passiere den Alten Botanischen Garten und die Glyptothek. Als Münchner staunt man über den Wiedererkennungswert. Und dann noch mehr: Als ich vom Königsplatz zum Karolinenplatz fahren will, ist die Straße zu Ende. Bäume versperren mir den Weg. Einer der wenigen Patzer der Programmierer.

Ich umfahre die Innenstadt auf dem Altstadtring Richtung Isar. Nach der Luitpoldbrücke schaut der Friedensengel auf mich herab. Elegant nehme ich die Kurve den Berg hinauf. Denke ich. Rückstau! Vollbremsung! Es hilft nichts mehr. Mein Bus stürzt unaufhaltsam die Böschung hinunter.

Das lehrt einen der Simulator schnell: Maßvoll und geduldig zu fahren. Auf einen regulären Liniendienst verzichte ich. Und habe Respekt vor der Leistung von echten Busfahrern, die tagtäglich hunderte Menschen sicher von einem Ort an den anderen bringen.

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