Claus Schromm im AZ-Interview Haching-Trainer: Respekt, dass Bierofka noch zum TSV 1860 steht

Daniel Bierofka brennt für die Löwen - das weiß auch Hachings Coach Claus Schromm (r.). Foto: imago/Picture Point LE, imago/Jan Huebner

Hachings Trainer Claus Schromm spricht in der AZ über seinen Kollegen vom TSV 1860 und das kommende Spiel seines Teams gegen Uerdingen: "Wir könnten uns einen Stefan Aigner nie leisten."

 

München - Claus Schromm trainiert seit 2012 die SpVgg Unterhaching, fungierte zwischendurch als Sportdirektor. Zuvor war er unter anderem Nachwuchstrainer beim TSV 1860. Die AZ hat sich vor der Winterpause mit ihm unterhalten.

AZ: Herr Schromm, Sie haben hier an Ihrem Arbeitsplatz die Lieblings-Fußballsprüche von Kult-Moderator Arnd Zeigler liegen. Wie wäre es mit: "Sensationell, Haching steigt auf?"
CLAUS SCHROMM: Das wäre dann aber die Ausgabe von 2025. Zum 100-jährigen Jubiläum wäre es gut.

Ist der Aufstieg nicht früher das Ziel? Ihr Präsident, Manfred Schwabl, meinte unlängst im AZ-Interview, dass man dringend raus müsste aus der 3. Liga.
Das System 3. Liga ist krank. Von 20 Klubs müssen notgedrungen 20 aufsteigen. Kein Verein findet in dieser Liga eine Heimat. Der DFB und die DFL sind dafür verantwortlich, eine Heimat zu schaffen.

Weil die Klubs finanziell nicht genügend profitieren?
Der DFB hat ja beste Einsicht, was Jahr für Jahr bei den Drittligisten los ist, sieht, wie klamm die Vereine sind. Jeder kämpft um die Existenz. Unter Heimat verstehe ich, dass jeder Verein in dieser Liga überleben kann. Was der DFB verlangt und was der DFB gibt, steht in keinem Verhältnis.

Dabei ist die 3. Liga ziemlich sexy, was die Namen betrifft.
Die 3. Liga ist so attraktiv, ausgeglichen und spannend wie nie. Das muss man nutzen. Wäre kein Geld da, wäre es verständlich. Aber bei dem Fernsehvertrag, der für knapp 1,5 Milliarden Euro abgeschlossen wurde…

Der DFB zeigt umgekehrt auf die Vereine.
Man muss sich zusammen die Frage stellen: Wollen wir diese 3. Liga wirklich? Es heißt, wir wollen eine Profiliga, unsere Spieler sind aber keine Profis, sondern Vertragsspieler wie in der Bezirksliga. Es kommen Jahr für Jahr eintausend Spieler aus den Nachwuchsleistungszentren auf den Markt, dafür muss man die 3. Liga öffnen. Es braucht aber die Voraussetzungen zum Überleben. Sonst muss ein Verein ins Risiko gehen.

Wie der Münchner Nachbar, der TSV 1860. Trainer Daniel Bierofka wirkt aktuell gestresst, muss nebenbei seinen Fußballlehrer machen.
Ich habe vollstes Verständnis für Daniels Reaktionen. Keiner kann sich vorstellen, was es bedeutet, beides unter einen Hut zu bekommen. Ich sehe ihn immer noch in der Allianz Arena, als die Stühle fliegen, wie er reingeht, um die Jungs zu beruhigen (Ausschreitungen gegen Jahn Regensburg, d. Red.). Allerhöchsten Respekt vor diesem Menschen, dann immer noch zum Verein zu stehen. Sechzig ist für ihn sein Ein und Alles. Die Fußballlehrer-Ausbildung beansprucht dich Tag und Nacht, diese Belastung stemmt er richtig gut. Die Löwen sollten sich von den Ergebnissen lösen.

Fußball ist aber ein pragmatisches Geschäft. Reicht Identifikation aus?
Zum Glück immer noch. Ich hoffe, dass wir dafür wieder mehr Platz schaffen. Was die Löwen-Fans abliefern – das ist Identifikation. Mir läuft es kalt den Rücken runter, wenn ich daran zurückdenke, was beim Spiel gegen Sechzig hier im Sportpark in der 20. Minute los war. Wenn die blaue Welle kommt, ist das brutal beeindruckend.

Die AZ hat kürzlich Ex-Löwen-Trainer Karsten Wettberg gefragt, welche Spieler Verstärkungen für den TSV 1860 wären. Er antwortete: die Hachinger Stephan Hain und Sascha Bigalke.
Ich versuche, dass die Spieler hier das Gefühl haben, dass sie als Mensch wahrgenommen werden. Wir können hier in Ruhe arbeiten, könnten barfuß trainieren, das würde keiner mitbekommen, weil bei uns eineinhalb Leute beim Training zuschauen. Wenn Sechzig barfuß trainiert, ist Alarm.

Sie treffen am Sonntag auf einen anderen Ex-Löwen: Stefan Aigner und dessen Klub, den KFC Uerdingen. Ein kommender Aufsteiger?
Uerdingen hat finanzielle Power. Sie sind zwei Mal in Folge aufgestiegen. So, wie sie aktuell agieren, wird es heuer wieder so laufen. Die Mannschaft ist mehr als nur Aigner. Aber: Ich durfte ihn bei den Löwen trainieren – er ist ein absoluter Mentalitätsspieler.

Aigner hat deutlich gemacht, dass er gerne nach München zurückgekehrt wäre. Wäre er kein Spieler für Haching?
Wir könnten uns einen Stefan Aigner nie leisten, er müsste sich Haching leisten. So ist es schon jetzt bei Stephan Hain oder Dominik Stahl. Sie leisten sich Haching, gehen aber vielleicht mit mehr Freude in die Arbeit. Aigner hätte theoretisch genug Geld verdient und könnte sich jetzt Haching leisten. Zu einem Stefan Aigner sage ich nie nein. Er soll gerne anrufen. (schmunzelt)

Kommt auf seine Ambitionen an. Wie sieht es mit Ihren aus – nie einen Gedanken an die Bundesliga gehabt?
Was kann es denn Schöneres geben, als am Konstrukt Haching mitbasteln zu dürfen? Wo ich in Ruhe meine eigene Denke in einen ganzen Verein einbringen kann, und das noch in der heimischen Region. Ich bin in Oberhaching aufgewachsen, hier ist meine Basis.    

Lesen Sie hier: Strafe nach Daniel Bierofkas Ausraster? Das sagt der DFB

 

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